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Außenblick – Internationale Perspektiven auf Deutschland

Wie wird Deutschland in der Welt gesehen? Mit der Studie „Außenblick – Internationale Perspektiven auf Deutschland in Zeiten von Corona“ nähern sich DAAD, GIZ und Goethe-Institut gemeinsam dieser Frage. Aus der Perspektive von Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik. Besonderes Augenmerk liegt auf der Corona-Pandemie, die alle Bereiche betrifft.

Videobotschaft der Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Fachaustausch über die Ergebnisse der Studie „Außenblick“ am 8. Juli 2021

COVID-19: Eine Erfahrungszäsur mit Folgen

Das Management der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 galt weithin als effizient und vorbildlich. Diese Einschätzung änderte sich in der zweiten Welle: Die Disziplin in der Bevölkerung nahm ab, Probleme bei der Beschaffung, Logistik und Organisation der Impfkampagne gerieten in den Blick. Die Gesprächspartner*innen zählen zu den Lehren aus der Corona-Pandemie die Notwendigkeit einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit. Besonders hoben sie ferner die Bedeutung eines funktionierenden Gesundheitssystems und das Erfordernis eines effektiven Krisenmanagements hervor.

Wofür man uns achtet.

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Fleißig. Effizient. Zuverlässig.

Das politische System Deutschlands wird als eine stabile Demokratie angesehen, die rechtsstaatlichen Prinzipien folge. Das Zusammenspiel verschiedener Interessensgruppen funktioniere gut und sei institutionell eingebettet. Das Land sei führende Wirtschaftsmacht in der Europäischen Union, „Made in Germany“ stehe noch immer für höchste Qualität.

Die Gesprächspartner*innen sehen die Zugänglichkeit zu Bildungseinrichtungen und die analytische Auseinandersetzung mit Sachthemen als große Stärken des deutschen Bildungssystems. Daneben seien Forschungseinrichtungen durch ihre Interdisziplinarität und Anwendungsorientierung attraktiv. Auch das kulturelle Angebot besitze einen hohen Stellenwert in Deutschland und sei einer breiten Bevölkerung zugänglich. Ausdruck eines starken Gesundheitssystems seien die flächendeckende Krankenversicherung und die hochqualitative Versorgung.

Respekt erhält Deutschland aus dem Ausland auch für seine Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus. Politik und Gesellschaft hätten aus der Vergangenheit gelernt. Als weitere große Leistungen gelten die Wiedervereinigung Deutschlands und die Aufnahme Geflüchteter 2015/2016.

„Die deutsche Regierung hat hier [2015/2016] menschlich gehandelt und globale Verantwortung übernommen.“

Im historischen Schatten des Nationalsozialismus

Die deutsche Geschichte wird von außen stark mit der Geschichte des Nationalsozialismus verbunden: „Wenn Deutschland an seine Zukunft denkt, denken die Nachbarn an seine Vergangenheit.“

Worüber man den Kopf schüttelt.

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Unflexibel. Kritisch. Zögerlich.

Deutsche seien häufig übervorsichtig und überkritisch, eben starr – mit höchsten Standards. Deutschland müsse seine digitale Infrastruktur ausbauen und die Rahmenbedingungen für unternehmerische Innovationen verbessern.

 „In welchen Bereichen wird es in den nächsten Jahren Innovationen in Deutschland geben?“

Umweltschutz sei ein großes Thema in Gesprächen, stünde aber bei Unternehmen wenig im Fokus. Die beobachtete Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit wird verstärkt durch die jüngsten Skandale in Politik und Wirtschaft. Auch wurde festgestellt, dass sich Deutschland nicht ausreichend mit seiner Kolonialgeschichte auseinandersetze. Akademische Hürden und ausgeprägte Hierarchien im deutschen Hochschulsystem werden als effektive Schwächen wahrgenommen.

 

Wovor man uns warnt.

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Verschlossen. Dominant. Selbstgefällig.

Populistische und extremistische Tendenzen nähmen in Deutschland zu – kein anderer Risikobereich wird von den Gesprächspartner*innen in so vielfältiger Weise thematisiert. Sie beschreiben, dass sie in den letzten Jahren während ihrer Aufenthalte in Deutschland weniger Toleranz und Freundlichkeit erlebten. Sie haben verstärkt das Gefühl, nicht willkommen zu sein.

„Ich habe mich nie diskriminiert gefühlt in Deutschland. In den letzten Jahren aber schon und das macht mich total traurig.“

Die Befragten vermuten, dass diese Tendenzen auf tiefer liegende Sorgen und soziale Spannungen in Deutschland zurückzuführen seien; etwa Befürchtungen über den Verlust des Arbeitsplatzes oder der eigenen Identität. Gerade mit einer eigenen Identitätsfindung tue sich Deutschland schwer und sei in mehrfacher Hinsicht zerrissen. 

International müsse sich Deutschland stark engagieren, gleichzeitig wird vor einem zu dominanten Auftreten gewarnt. Auch bestehe das Risiko, dass Deutschland sich auf seinen wirtschaftlichen Lorbeeren ausruhe und gerade auch beim Thema Digitalisierung überholt werde. 
 

Was man uns zutraut.

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Lösungsorientiert. Vertrauenswürdig. Verantwortungsbewusst.

Lösungsorientierung und Handlungskompetenz wird Deutschland in ganz unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen zugeschrieben. Es besitze eine hohe Glaubwürdigkeit und die Gesprächspartner*innen trauen Deutschland zu, demokratische Werte und Partnerschaften zu stärken und international Verantwortung zu tragen. Dafür sei es notwendig, dass Deutschland deutlicher Position beziehe. Deutschland sei stark in die Europäische Union eingebettet, deshalb werde erwartet, dass es gemeinsam mit anderen Mitgliedstaaten für ein starkes Europa eintrete. 

„Man kann Deutschland nur verstehen, wenn man Europa versteht - und man kann Europa nur verstehen, wenn man Deutschlands Rolle in Europa versteht.“

Deutsch sprechen, deutsch denken.

Ohne Deutschkenntnisse sei es schwierig, einen Zugang zu Deutschen und zu Deutschland zu finden: „Der einfachste Weg, Deutsche für sich zu gewinnen, ist ihre Sprache zu sprechen.“ Gleichzeitig sei das Erlernen der deutschen Sprache eine große Herausforderung.
 

Was man sich erhofft.

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Offen. Partnerschaftlich. Zukunftsorientiert.

Migration sei heute und zukünftig eine Realität. Der Wunsch nach einem offenen Deutschland, das diese Vielfalt umarme, sei weltweit groß. Man erhoffe sich ein offenes Land und offene Herzen.  

„Deutschland sollte anderen Kulturen und Diversität mit offenen Armen begegnen.“

Die Gesprächspartner*innen erwarten weiterhin faire und facettenreiche Kooperationen in den Außenbeziehungen. Deutschland sei ein beliebter Partner für gemeinsame Projekte, ein Ausbau der Zusammenarbeit wird gewünscht. Die Erwartungen sind groß, dass Deutschland vor allem in der Digitalisierung rasch aufholen wird und dazu beiträgt, Lösungen für die digitale Welt von morgen zu finden. Eine Vorreiterrolle wird von Deutschland auch in den Bereichen Umweltschutz, Klimawandel sowie beim Thema Nachhaltigkeit erwartet. Die bevorstehende Verabschiedung der Bundeskanzlerin im Herbst 2021 wird aufmerksam verfolgt. Die Gesprächspartner*innen erhoffen sich sowohl Kontinuität als auch Aufbruch in der Politik.

Mixed-Methods-Design der Studie.

Die Studie basiert auf einem zweistufigen, gemischten Design: Sie ist eine Kombination aus einer strukturierten Online-Befragung und semi-narrativen Tiefeninterviews im Januar beziehungsweise März 2021. Kontaktiert wurden Expert*innen aus den Partnernetzwerken der drei Organisationen, die Deutschland gut kennen und anhand ihrer Beobachtungen Erwartungen, Wünsche und Befürchtungen gegenüber Deutschland formulieren können. 622 Personen aus 37 Ländern gaben in der quantitativen Online-Befragung Antworten. In vertiefenden Interviews wurden 48 Gesprächspartner*innen in 24 Ländern zu ihrer Sicht auf Deutschland befragt.

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