Aufnahmeregionen stärken

Wassermanagement in Jordanien

Jordanien ist eines der Länder, das die Auswirkungen des syrischen Bürgerkriegs am stärksten und unmittelbarsten zu spüren bekommt: Bis März 2016 waren rund 660.000 Flüchtlinge aus Syrien nach Jordanien geflohen. Der Großteil von ihnen lebt nicht in den Flüchtlingscamps, sondern ist in Städten und Gemeinden untergekommen. So viele Menschen zusätzlich versorgen zu müssen verstärkt die ohnehin schon existierenden Probleme vor Ort – beispielsweise bei der Gesundheitsversorgung, auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungsbereich.

Besonders problematisch ist die Wasserversorgung: Als Wüstenstaat hat Jordanien mit extremer Wasserarmut zu kämpfen und das wenige Wasser, das zur Verfügung steht, reicht schon für die eigene Bevölkerung kaum aus. Mit den Flüchtlingen ist der Druck auf die knappen Wasservorräte weiter gestiegen. Aktuellen Berechnungen zufolge stehen jedem Einwohner pro Jahr rund 100 Kubikmeter an erneuerbaren Grundwasserressourcen zur Verfügung. Das ist dramatisch gering. Zum Vergleich: Deutschland hat etwa zwanzigmal so viel. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt die GIZ Jordanien dabei, Lösungen für die Wasserknappheit zu entwickeln.

Wasserbotschafter – Konfliktherd Wasser

Ein Ansatz zielt darauf ab, sowohl die jordanische Bevölkerung als auch die syrischen Flüchtlingen für das Thema der Wasserknappheit zu sensibilisieren und ein Bewusstsein für einen sparsamen und effizienten Umgang mit Wasser zu schaffen. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, arbeitet die GIZ mit islamischen Geistlichen zusammen. Über 90% der Jordanier und Syrer bekennen sich zum Islam und in den Moscheen kommen alle Gläubigen zusammen – egal welcher Herkunft. Die GIZ bildet Imame und Waithat, männliche und weibliche religiöse Autoritäten, daher zu „Wasserbotschaftern“ aus. In Predigten und Hausbesuchen tragen sie ihr erlerntes Know-How zu wassersparenden Maßnahmen anschließend in ihre Gemeinden.

Auch in den Moscheen, wo Gläubige fünfmal täglich vor dem Gebet ihre rituelle Waschung durchführen, soll Wasser gespart werden. So wurden beispielsweise wassersparende Armaturen und Trinkwasserfilter installiert. Pilothaft werden zudem Moscheen mit Anlagen ausgestattet, die Regenwasser sammeln und Brauchwasser wiederverwenden.

Ein weiteres Projekt ist die berufliche Ausbildung von Jordaniern und syrischen Flüchtlingen zu Klempnern – denn fachmännisch verlegte Leitungen tragen dazu bei, Wasser zu sparen.

Ausbildung für syrische Klempnerinnen

Das Projekt zur Ausbildung von Klempnern in Jordanien hat die GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und in Zusammenarbeit mit dem Jordanischen Ministerium für Wasser und Bewässerung ins Leben gerufen. Rund 40 Prozent des vorhandenen Wassers gehen wegen der häufig nicht fachmännisch gelegten und schlecht gewarteten Leitungen verloren. Durch die Ausbildung syrischer und jordanischer Frauen und Männer zu Klempnerinnen und Klempnern soll es zum einen gelingen, Wasser zu sparen und die knappen Vorräte besser zu nutzen. Zum anderen wirkt die Ausbildung dem Mangel an Fachkräften entgegen und bietet den Menschen vor Ort, Jordaniern wie Syrern, eine berufliche Perspektive.

Stand: Juni 2017


        
    
Rund die Hälfte der Auszubildenden in dem GIZ-Projekt sind Frauen. Das Handwerk stärkt auch ihre gesellschaftliche Stellung in Jordanien.
Rund die Hälfte der Auszubildenden in dem GIZ-Projekt sind Frauen. Das Handwerk stärkt auch ihre gesellschaftliche Stellung in Jordanien. © GIZ

        
    
Die Ausbildung zu Klempnerinnen schafft berufliche Perspektiven und beugt dem Verlust von Wasser vor.
Die Ausbildung zu Klempnerinnen schafft berufliche Perspektiven und beugt dem Verlust von Wasser vor. © GIZ

        
    
Jordanische und syrische Frauen lernen gemeinsam das Klempnerhandwerk. Das fördert den sozialen Zusammenhalt.
Jordanische und syrische Frauen lernen gemeinsam das Klempnerhandwerk. Das fördert den sozialen Zusammenhalt. © GIZ