©GIZ Olga Bazaliyska

04.10.2021

Ukraine: Gemeinsam die Zukunftsstadt gestalten

Nachhaltige Stadtplanung unter Beteiligung der Menschen in der Stadt sorgt für höhere Lebensqualität und besseres Zusammenleben in ukrainischen Städten.

Eine Gruppe Erwachsene beugt sich über einen Stadtplan, Kinder laufen um sie herum, eine Frau hält einen Vortrag - es herrscht buntes Treiben auf dem Burgplatz in der ukrainischen Stadt Schytomyr. Die jährliche „Stadtwerkstatt“ („Urban Fest“), die jedes Jahr an einem anderen Ort stattfindet, hat die Bewohner*innen auf die Straßen gelockt, um über die Zukunft ihrer Stadt zu diskutieren. Ob Fragen an den stellvertretenden Bürgermeister, Vorschläge für Veränderungen oder Konzepte für die Neugestaltung eines Parks - die Bürger können aktiv mitbestimmen. Und diese Beteiligung haben sich die Menschen in der Ukraine hart erstritten. Bei der sogenannten „Revolution der Würde“ im Jahr 2014 demonstrierten sie für mehr Demokratie, Selbstbestimmung und Transparenz innerhalb der Politik. Seitdem hat sich viel verändert – auch wie Städte geplant und genutzt werden.

Lebenswerte Städte für besseres Zusammenleben

„Wenn die Menschen sich an Planungsprozessen beteiligen können, trägt das dazu bei, dass Städte lebenswert für alle Bewohner*innen werden, nicht nur für privilegierte Gruppen“, erklärt Andrii Zuiev, Projektleiter bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

Daher unterstützt die GIZ im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) und des schweizerischen Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) acht ukrainische Städte dabei, ihre Entwicklung nachhaltig und vor allem bürgerorientiert zu planen, sodass sie attraktiver werden. Gemeinsam mit den Stadtverwaltungen und lokalen Regierungen hat die GIZ bereits einen Ansatz entwickelt, der die Bürger*innen in alle Phasen der Planungsprozesse integriert.

Mit der „Stadtwerkstatt“ hat die GIZ eine Plattform für Dialog initiiert, die einmal im Jahr in mehreren ukrainischen Städten stattfindet, um den Bürger*innen unterhaltsam und informativ das Konzept der integrierten Stadtplanung näher zu bringen. Daneben gibt es über das ganze Jahr hinweg Informationsveranstaltungen, zum Beispiel in der Fußgängerzone und bei Sport- oder Kulturveranstaltungen. Dadurch haben sich innerhalb von vier Jahren bereits rund 60.000 Menschen beteiligt, ihre Stadt mitzugestalten.

Vom inklusiven Kinderspielplatz bis zum kulturell genutzten Wasserturm 

Neben großen Infrastruktur-Projekten unterstützt die GIZ in der Ukraine auch Vorhaben in der direkten Nachbarschaft. Diese sind besonders wichtig für die Menschen aus den Stadtvierteln, da sie hier in unmittelbarer Nähe die gewünschten Ergebnisse sehen. In Poltawa erweckt ein neuer inklusiver Kinderspielplatz einen vernachlässigten Park wieder zum Leben.

In Winnyzja haben Sicherheitsmaßnahmen wie Verkehrsinseln dazu beigetragen, die Verkehrsunfälle um 70 Prozent in nur anderthalb Jahren zu reduzieren. In Schytomyr wird das Wahrzeichen der Stadt, ein alter Wasserturm, zu einem lebendigen Begegnungszentrum umgestaltet. Heute gibt es dort unter anderem Kunstausstellungen, Konzerte und kostenlose Touren zur Geschichte, die nicht nur Touristen, sondern auch die Einheimischen selbst gerne besuchen.

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