06.12.2018

Plastikmüll im Meer: Kurzfristig handeln, langfristig denken.

Weltweit verschmutzt Plastik die Meere und ist damit zu einem globalen Problem geworden. Arno Tomowski, bei der GIZ Leiter für Business Ventures, plädiert für neue Lösungsansätze in der internationalen Zusammenarbeit.

Herr Tomowski, Bilder von riesigen schwimmenden Plastikmüllinseln und verendeten Meerestieren beherrschen seit einiger Zeit die Medien. Warum hat das Thema gerade jetzt eine solche Relevanz?

Plastik wird erst seit ungefähr Mitte der Fünfzigerjahre industriell produziert und verarbeitet. Das begann mit rund 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Heute sind wir bei 335 Millionen Tonnen. Seit der Jahrtausendwende hat sich die weltweite Produktion verdoppelt. Für die Entwicklungszusammenarbeit war die Verbesserung der Abfallentsorgung ein Problem, welches auf nationaler oder maximal regionaler Ebene behandelt wurde. Heute aber stehen wir vor einem globalen Problem: Plastik gelangt in immer massiverer Form in die Umwelt und überschreitet die Grenzen, das machen uns die aktuellen Bilder der verseuchten Meere sehr deutlich bewusst.

Wo ist das Problem am größten?

Insbesondere in schnell wachsenden, stark bevölkerten Ländern, die schon einen gewissen Wohlstand erreicht haben, ist die fehlende Abfallversorgung die größte Herausforderung. Indonesien, ein Staat mit 250 Millionen Einwohnern, 11.000 Inseln oder die Philippinen mit 100 Millionen Einwohnern. Der Müll wird meist mangels Alternativen und Umweltbewusstsein an der Küste abgeladen, in die Kanäle geworfen oder anders aus dem Weg geräumt.

Wie will die GIZ dem Problem Plastikmüll begegnen?

Wir haben etwa 30 Jahre Erfahrung im Abfallsektor. Dabei kooperieren wir mit dem öffentlichen Sektor, mit der Wirtschaft, mit Fachinstitutionen wie auch mit informellen Müllsammlern, die oft wesentliche Beiträge zur Sortierung und Verwertung von Wertstoffen leisten. Wichtig ist es, dabei die Bevölkerung einzubinden und mit lokalen Partnern Kampagnen durchzuführen, um Bewusstsein für eine umweltgerechte Abfallentsorgung zu schaffen. In Indonesien haben wir 2017 zum Beispiel bei einer lokalen Aktion Müll gesammelt und dabei im Schnitt auf einer Fläche von circa eineinhalb Fußballfeldern 15.000 Zigarettenstummel, 12.000 Strohhalme und 8.000 Fragmente von Plastik-Verpackungen eingesammelt. So eine Aktion hinterlässt Eindruck bei den Betroffenen und gelangt auch in die lokalen Medien.

Wir müssen einerseits langfristig denken, denn der Aufbau funktionierender Abfallmanagementsysteme ist eine komplexe Herausforderung. Darüber hinaus arbeiten wir mit der Vision einer Kreislaufwirtschaft. In dieser werden natürliche Ressourcen effizient genutzt; Materialien, Güter und Geräte werden nicht mehr entsorgt, sondern in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt. Andererseits gilt es kurzfristig erfolgreich zu sein und zu handeln: Jetzt muss das Plastik auf dem Weg ins Meer gestoppt werden.