07.04.2020

Bei Anruf Info: Wie ein Telefonquiz dabei helfen kann, das Coronavirus einzudämmen

Einfache Technologie clever nutzen, um Menschen vor Pandemien zu schützen – beim weltweit größten Hackathon gewinnt ein Team mit GIZ-Kolleg*innen.

Ende März veranstaltete die Bundesregierung einen Hackathon, um digitale und innovative Lösungen für die Bewältigung der Corona-Pandemie zu finden. Aus mehr als 1.500 Projekten des Ideenwettbewerbs wählte eine Jury nun 20 besonders erfolgversprechende aus. Darunter „Call vs. Corona“ – mitentwickelt von den GIZ-Kolleg*innen Uta Meier-Hahn, Sook-Jung Dofel, Lars Wannemacher und Franz von Weizsäcker. Die Idee: einfache und effektive Corona-Präventionsmaßnahmen wie etwa regelmäßiges Händewaschen spielerisch mithilfe eines Quizformats über kostenlose Telefon-Hotlines vermitteln. 

Wie kam es zur Projektidee?

Lars Wannemacher: Das Bundesentwicklungsministerium hat beim Hackathon eine Aufgabe gestellt. Darauf haben wir als GIZ-Team reagiert und eine grobe Idee skizziert. Dann gingen wir auf einen Kollegen bei Viamo zu – der sitzt wie wir im Impact Hub Berlin. Viamo deshalb, weil die gemeinnützige Gesellschaft die Sprachdialog-Technologie bereits erfolgreich in einer Vielzahl afrikanischer Länder eingeführt hat. 

Und wie funktioniert „Call vs. Corona“?

Sook-Jung Dofel: Es handelt sich um eine Informationskampagne für Bürgerinnen und Bürger, eine Art Bildungsquiz. Unser Fokus liegt hauptsächlich auf den Gegenden in Afrika, wo viele keinen Zugang zum Internet haben und die Analphabetenrate hoch ist.

Lars Wannemacher: Wir haben deshalb einen sogenannten „low-tech“-Ansatz gewählt. Das Telefonquiz funktioniert auf einfachsten Mobiltelefonen. Nach Anruf der Hotline navigieren die Nutzer*innen durch Tastendrücken spielerisch durch die Quizfragen, denen sie zuhören können.

Uta Meier-Hahn: Sprachdialog deshalb, weil wir damit viel mehr Menschen erreichen können als mit einer SMS: Analphabeten etwa bleiben sonst außen vor. Wichtig ist, das zu benutzen, was die Leute kennen und womit sie vertraut sind - wie zum Beispiel die tastenbasierte Steuerung.

woman with phone

Warum der Fokus auf Afrika?

Lars Wannemacher: Afrika ist ja mit Blick auf die bestätigten Coronainfektionen im guten Sinne ein „Nachzügler“, sodass man mit Informationen zu Präventionsmaßnahmen noch etwas erreichen kann.

Franz von Weizsäcker: … und im Durchschnitt haben nur 36 Prozent der afrikanischen Bevölkerung Zugang zum Internet. Von Land zu Land ist das zwar unterschiedlich, aber insgesamt ist hier eine technische Lösung, die die Mehrheit der Bevölkerung auch wirklich erreicht, sehr relevant. 

Wie geht es jetzt weiter?

Franz von Weizsäcker: Wir wollen direkt in die Umsetzung in Afrika gehen. Wir wollen unsere Energie jetzt da reinstecken, den Prototypen mit Partnerorganisationen in verschiedenen Ländern auszubauen und das Telefonquiz zu etablieren.

Uta Meier-Hahn: In unserem Projektteam ergänzen wir uns ideal: Viamo hat die Sprachdialogplattform erfolgreich entwickelt und den Kontakt zu den großen Telekommunikationsfirmen. Die brauchen wir, um gebührenfreie Hotlines schalten zu können. Die GIZ wiederum ist durch ihre weltweite Arbeit gut mit den Regierungen und Ministerien vernetzt. Das ist wichtig, weil ja viele Informationen, die wir über die Telefonnummern vermitteln wollen, regierungsnah entwickelt und abgesprochen werden müssen.

Sook-Jung Dofel: Mit dieser Lösung unterstützen wir außerdem unsere Kolleg*innen in der GIZ dabei, eine einheitliche und simple Sofortmaßnahme zur Prävention umzusetzen. Das erspart ihnen viel Arbeit und Zeit, die sie sonst in die Entwicklung der Lösung und die Suche nach Kooperationspartnern stecken müssten. Der Erfolg beim Hackathon hilft uns sehr, für uns ist aber der eigentliche Gewinn, mit unserer Lösung einen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Krise leisten zu dürfen!