Armenien: Gemeinsam für einen lebendigen See
Armenien ist Gastgeber der diesjährigen UN-Biodiversitätskonferenz. Am Sewansee zeigt sich, wie bessere Daten, naturbasierte Lösungen und starke Behörden die natürliche Vielfalt bewahren.
Auf fast 2000 Metern Höhe schmiegt sich der Sewansee in die armenische Berglandschaft. Doppelt so groß wie der Bodensee, ist er einer der größten Gebirgsseen der Welt. Er versorgt Menschen und Landwirtschaft mit Wasser, schafft Einkommen durch Fischerei und Tourismus und liefert Energie aus Wasserkraft. Doch ungeklärte Abwässer, Dünger aus der Landwirtschaft und der Klimawandel schaden dem lebenswichtigen Ökosystem.
Seit 2018 setzen wir uns gemeinsam mit unseren armenischen Partnern dafür ein, den Sewansee und die biologische Vielfalt seiner Umgebung zu schützen. Im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) und mit Kofinanzierung der Europäischen Union schaffen wir dafür verlässliche Datengrundlagen und entwickeln mit deren Hilfe Lösungen, die den See und sein Ökosystem langfristig schützen.
Bessere Daten für einen gesunden See
GIZ-Projektleiter Dr. Niels Thevs erklärt: „Moderne Messgeräte, Modelle und digitale Anwendungen ermöglichen es den Behörden, Wasserqualität, Wassermenge und die Folgen des Klimawandels besser einzuschätzen.“ Bei regelmäßigen Untersuchungen erfassen sie 14 zusätzliche Werte zum Zustand von Wasser und Umwelt. So wissen sie heute viel mehr über den Zustand des Sewansees und seines Einzugsgebiets als früher. Neu entwickelte Pläne für das Wassermanagement bauen auf diesen Erkenntnissen auf und zeigen, wie sich die Wasserressourcen nachhaltig und nach EU-Standards bewirtschaften lassen.
Für die Wasserqualität des Sewansees ist auch der Umgang mit Abwasser wichtig. In ausgewählten Kommunen erproben wir deshalb dezentrale, naturbasierte Lösungen für die Abwasserbehandlung. „Vorbehandeltes Abwasser soll hier schnell wachsende Bäume bewässern“, erklärt Thevs. „Bäume, Boden und Mikroorganismen entziehen dem Wasser belastende Nährstoffe. Die Bäume werden regelmäßig zurückgeschnitten und die Biomasse weiterverwertet.“ Gerade für Orte ohne Abwassernetze ist dieser Ansatz genau das Richtige: Er ist kostengünstig, einfach umzusetzen und lässt sich auf andere Standorte übertragen.
Naturschutz auch jenseits der Ufer
Auch im weiteren Einzugsgebiet des Sewansees tragen wir dazu bei, degradierte Böden wiederherzustellen und so die Biodiversität zu schützen. Etwa 370 Hektar Land werden inzwischen umwelt- und gewässerschonend bewirtschaftet. Mehr als 1.200 Landwirt*innen und weitere Akteure haben ihr Wissen über nachhaltige Landwirtschaft erweitert.
Darüber hinaus stärken wir die Beteiligung vor Ort. Eine gemeinsame Plattform bringt Behörden, Gemeinden, Unternehmen, Zivilgesellschaft und Bildungseinrichtungen zusammen, um den Schutz des Sewansees voranzutreiben. Mehr als 6.000 Menschen haben bereits an Umweltbildungsmaßnahmen teilgenommen. Die Kampagne #SevanTalks, die für den bewussten Umgang mit den Wasserressourcen sensibilisiert, hat rund 750.000 Menschen erreicht. So wächst aus einzelnen Maßnahmen ein dauerhaftes System für den Schutz der armenischen Biodiversität.