Weltbiodiversitätskonferenz 2026: Die COP17 im Überblick
Im Oktober findet die nächste UN-Biodiversitätskonferenz in Armenien statt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Verhandlungen.
Welches Land richtet die Weltbiodiversitätskonferenz 2026 aus und wann findet sie statt?
Die 17. Biodiversitätskonferenz, „Conference of the Parties“ (COP17), findet vom 19. bis 30. Oktober 2026 in der armenischen Hauptstadt Eriwan statt. Das Treffen steht unter dem Motto „Handeln für die Natur“ („Taking Action for Nature“).
Armenien gilt als Biodiversitäts-Hotspot und ist damit ein passender Ort für die Konferenz. In der Region kommen viele endemische Pflanzen- und Tierarten vor. Außerdem bietet das Land im Südkaukasus eine Vielfalt an Landschaften. Neben Steppen finden sich artenreiche Wälder und Feuchtgebiete bis hin zu alpinen Wiesen und Hochgebirgen.
Wer nimmt an der COP17 teil?
An der Konferenz nehmen die 196 Vertragsparteien teil – 195 Staaten plus die Europäische Union. Nur die USA und der Heilige Stuhl (Vatikanstadt) sind der UN-Biodiversitätskonvention (Convention on Biological Diversity, kurz CBD) bisher nicht beigetreten. Damit zählt die CBD zu den am weitesten verbreiteten Umweltabkommen weltweit. Zudem werden Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft vor Ort sein. Besonders wichtig sind bei diesem Thema auch Organisationen Indigener Völker, weil sie in vielen Regionen wesentlich zum Erhalt von Biodiversität beitragen. Auch sie werden zahlreich in Eriwan vertreten sein.
Warum sind Biodiversitätskonferenzen wichtig?
Hier versucht die internationale Gemeinschaft, den Verlust an Biodiversität zu stoppen und umzukehren. Derzeit erleben wir eine fundamentale Umgestaltung der Natur. Eine Million der geschätzt acht bis zehn Millionen Arten ist vom Aussterben bedroht. Die Wissenschaft spricht vom sechsten Massenaussterben. Alle früheren Massenaussterben hatten natürliche Ursachen – zuletzt starben die Dinosaurier aus –, das jetzige ist jedoch menschengemacht. Diese Entwicklung ist für uns Menschen eine Gefahr, weil die Natur fast alles bereitstellt, was wir für unsere Existenz benötigen – vom Trinkwasser über die Nahrung bis hin zu Rohstoffen für Kleidung und Medikamente.
Biodiversität oder biologische Vielfalt ist ein Maßstab für die Fülle unterschiedlichen Lebens in einem bestimmen Lebensraum. Dabei unterscheidet man drei Ebenen: Vielfalt der Arten, Vielfalt innerhalb der Arten und Vielfalt der Ökosysteme. Alle drei Kategorien schwinden derzeit drastisch.
Was sind die Ziele der CBD COP17?
Die Konferenz soll dafür sorgen, dass die Umsetzung der Beschlüsse der letzten beiden COPs vorankommt: Im Jahr 2022 verabschiedete die COP15 das Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework (GBF). Darin enthalten sind 23 konkrete Ziele zum Erhalt der Biodiversität. Das prominenteste Beispiel ist das sogenannte 30x30-Ziel. Es besagt, dass bis 2030 30 Prozent der Erdoberfläche unter Schutz stehen sollen. Vor zwei Jahren in Cali (Kolumbien) und einer zweiten Runde in Rom (Italien) fasste die Staatengemeinschaft weitere Beschlüsse, unter anderem zum Beitrag von Indigenen. Ihre Beteiligung wurde durch ein neues permanentes Gremium gestärkt. In Armenien wird es um die Umsetzung aller Beschlüsse der vergangenen beiden COPs gehen und um eine erste offizielle Zwischenbilanz über das bisher Erreichte („Global Review“).
Was ist seit 2022 geschehen?
Laut dem vorläufigen Global-Review-Report, der in Eriwan verabschiedet werden soll, hat das GBF ein „beispielloses globales Engagement“ für den Erhalt der Biodiversität ausgelöst. Demnach haben sich mehr als drei Viertel aller Länder nationale Biodiversitätsziele gesetzt und „substanzielle Schritte in Richtung Umsetzung“ der 23 Ziele unternommen. Das Tempo reicht jedoch bei keinem der Ziele, um es bis 2030 zu erreichen. Besonders schwach ausgeprägt sind die Fortschritte bei den Hauptursachen des Verlusts: bei der Landwirtschaft, die Natur und Böden zu stark belastet, bei übermäßigem Konsum und nicht nachhaltiger Produktion.
Wie steht es um das 30x30-Ziel?
Die Entwicklung geht in die richtige Richtung: Inzwischen stehen 18,4 Prozent der Landfläche (vorher 17,6) und zehn Prozent der Meeresfläche (vorher 8,4) unter Schutz. An Land fehlt noch eine Fläche in der Größenordnung Russlands und im Meer eine Fläche in der Größe des Indischen Ozeans. Es besteht also weiterhin großer Handlungsbedarf.
Werden die Finanzen wieder ein Streitthema sein?
Auch in Armenien werden die Finanzen eine große Rolle spielen, weil es insgesamt noch zu wenige Mittel für den Biodiversitätsschutz gibt. In Montreal war festgelegt worden, pro Jahr mindestens 200 Milliarden Dollar – aus allen Quellen – aufzubringen. Nach Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegt die Summe derzeit jedoch nur zwischen 78 und 91 Milliarden Dollar jährlich. Gegenüber dem ursprünglichen Ziel besteht somit noch eine Lücke von etwa 60 Prozent.
Wie könnte man die Finanzierungslücke schließen?
Indem die traditionellen Geberstaaten mehr Geld für Biodiversität bereitstellen. Angesichts enger Budgets ist das jedoch eher unwahrscheinlich. Deshalb steht zur Diskussion, neue Geber wie die arabischen Staaten oder China stärker einzubinden. Auch von der Privatwirtschaft erhofft man sich mehr Engagement, etwa für den Cali-Fonds, der in Kolumbien aufgesetzt wurde. In diesen sollen Unternehmen einzahlen, wenn sie genetische Informationen aus Organismen, etwa für die Pharma- oder Chemieindustrie, nutzen. Allerdings sind die Modalitäten noch umstritten, so dass der Fonds – abgesehen von einer kleinen symbolischen Summe – leer ist. Beim Thema Finanzen sind heftige Diskussionen zu erwarten.
Warum braucht man für Naturschutz Geld?
Ein Großteil der globalen Biodiversität befindet sich in ärmeren Ländern, die Naturschutz gegenüber anderen Zielen wie Wirtschaftswachstum, Bildung oder Gesundheit abwägen müssen. Sie brauchen deshalb Unterstützung. Naturschutz kostet Geld, da etwa Schutzgebiete abgesteckt und verwaltet werden müssen. Dafür sind Geräte, Ranger, Förster und vieles Weitere nötig. Dies ist eine Investition zum Erhalt von „Leistungen“ der Natur – also der Ökosysteme, die uns saubere Luft, Wasser, fruchtbare Böden, Bestäubung von Nutzpflanzen und Schutz vor Naturkatastrophen liefern und damit für Mensch und Wirtschaft unabdingbar sind.
Biodiversität ist zentral für das Erreichen der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs). Ihr sind mit SDG 14 und 15 zwei Ziele gewidmet – nämlich der Erhalt von Artenvielfalt unter Wasser und an Land. Die beiden SDGs gelten als entscheidender Hebel, um auch die anderen SDGs zu erreichen. Studien zufolge wirkt der Erhalt von Natur wie ein Katalysator auf die anderen 15 SDGs. Deshalb gelten sie als Schlüssel-SDGs.
Welche Position bezieht Deutschland in Sachen Biodiversität?
Deutschland unterstützt die Ziele der Biodiversitätskonvention ausdrücklich und wird sich auch in Eriwan aktiv einbringen. Umweltminister Carsten Schneider sagte in einer Rede: „Was in anderen Regionen der Welt passiert, hat direkte Auswirkungen auf uns. Deshalb ist Deutschland einer der größten Geldgeber für den Naturschutz weltweit.“