Brasiliens grüne Wende made with Germany
Deutschland unterstützt die brasilianische Energiewende. Was das für Industrie, Klima und Millionen Menschen bedeutet.
Im Süden Brasiliens, auf einer Schweinefarm im Bundesstaat Paraná, riecht es nach Gülle und Zukunft. Ein Unternehmer zapft das Gas ab, das aus den Abfällen seiner Tiere entsteht. Er reinigt es, verdichtet es und wandelt es in eine wertvolle Energiequelle um. Das Biogas kann er verkaufen und dadurch zusätzliche Einnahmen erzielen. Was jahrzehntelang als Abfallproblem galt, ist heute ein Geschäftsmodell. Und ein Baustein der Energiewende. Hinter diesem Wandel steckt mehr als Unternehmertum: Es stecken Jahrzehnte deutsch-brasilianischer Zusammenarbeit darin.
Brasilien ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in Lateinamerika. Mehr als 1.500 deutsche Unternehmen sind im Land aktiv, darunter BASF, Siemens, Volkswagen und Bosch. Seit 1993 gestaltet die GIZ diese Beziehung als Brückenbauerin zwischen Politik, Forschung und Wirtschaft mit.
Vom Dach ins Netz: Die Solarrevolution
2009 versorgte Solarenergie nur 250 Haushalte in ganz Brasilien. Heute speisen nahezu 4 Millionen dezentrale Kleinanlagen Strom ins Netz, rund die Hälfte davon auf Privathäusern. Fast 20 Prozent des brasilianischen Strombedarfs deckt heute die Sonne ab. Diesen Wandel haben Brasilien und Deutschland gemeinsam angestoßen. Ab 2012 erarbeitete die GIZ im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums mit brasilianischen Behörden die gesetzliche Grundlage dafür, dass Solarstrom in die brasilianischen Netze eingespeist werden konnte. Dies regulierte den Markt neu und öffnete ihn für Millionen Haushalte.
Die Zahlen sprechen für sich: Allein zwischen Anfang 2023 und Ende 2025 sparte Brasilien durch Solarstrom fast 55 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ein. Das entspricht dem jährlichen Energieverbrauch von mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland. Aus einem Nischenthema ist ein Pfeiler der Energieversorgung geworden. Davon profitieren auch deutsche Unternehmen wie Siemens Energy, BayWa r.e. und SMA.
Abfall, Gas und nachhaltiger Kraftstoff
Zurück nach Paraná. Hier entwickelt die Mele Gruppe aus Deutschland mit der GIZ ein Großprojekt, um grünes Methanol und Wasserstoffderivate aus Gülle und landwirtschaftlichen Abfällen zu erzeugen. Perspektivisch sollen daraus nachhaltige Kraftstoffe für die Industrie und den Verkehr inklusive der Luftfahrt entstehen. Neudi Mosconi von der Mele Gruppe erklärt: „Die GIZ hat bei jedem Schritt des Projekts eine entscheidende Rolle gespielt, indem sie Kontakte zu Finanzierungspartnern knüpfte und der Mele Gruppe neue Brücken zum brasilianischen Markt eröffnete.“
Grüner Wasserstoff spielt bei der Energiewende als Energieträger eine zentrale Rolle. Er verursacht keine CO2-Emissionen und lässt sich überall dort einsetzen, wo Strom nicht direkt genutzt werden kann: in der Stahlerzeugung, in der Schifffahrt, in der Luftfahrt, bei der Herstellung von Düngemitteln. Brasilien, reich an Sonne und Wind, hat das Potenzial, einer der weltweit größten Produzenten zu werden. Die GIZ begleitet den Aufbau der Wasserstoff-Produktion – von der Forschung über die Regulierung bis zur Marktentwicklung. Dabei arbeitet sie mit AXIA Energia und Thyssenkrupp Südamerika zusammen.
Die GIZ als Türöffnerin
Was die GIZ auszeichnet, ist ihr Zugang zu Wirtschaft, Politik, Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Sie denkt in langen Zeiträumen, arbeitet nah an politischen Akteuren und öffnet gleichzeitig Türen für Unternehmen.
Paulo Alvarenga, Chef von Thyssenkrupp Südamerika, sagt: „Der Unterschied der GIZ im Vergleich zu anderen Beratungsunternehmen liegt in der Kombination aus technischem Fachwissen und einer sehr soliden politisch-institutionellen Arbeit – sowohl in Brasilien als auch in Deutschland."
Diese Kombination macht die GIZ zu einer wichtigen Partnerin für die Wirtschaft. Sie vermittelt zwischen Regulierern und Investoren, zwischen Forschungslaboren und Fertigungshallen, zwischen brasilianischen Bundesstaaten und Brüsseler Normen. Auf der Hannover Messe vom 20. bis 24. April 2026, bei der Brasilien in diesem Jahr Partnerland ist, stellt die GIZ diese Arbeit einem breiten Publikum aus verschiedenen Branchen und Ländern vor.