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Digitale Souveränität statt Tech-Abhängigkeit

Cloud-Dienste, KI-Anwendungen und digitale Plattformen unterliegen meist der Kontrolle großer Tech-Konzerne. Kenia zeigt, dass es anders geht - mit Bausteinen, die wir entwickelt haben.

KI-Bild: Relief einer politischen Weltkarte, die Ländergrenzen als Leuchtstreifen

In einer Welt, in der Daten und digitale Infrastrukturen immer mehr Macht entfalten, wollen sich immer Staaten aus der Abhängigkeit weniger globaler Tech-Konzerne lösen. Digital souverän zu sein bedeutet, dass ein Land selbst entscheidet, wie es seine Daten nutzt, speichert und schützt - ähnlich wie es kontrolliert, welche Waren ein- und ausgeführt werden. Gerade jetzt, wo Künstliche Intelligenz, Cloud-Dienste und digitale Plattformen immer mehr Einfluss gewinnen, wird diese Unabhängigkeit wichtiger. Länder wie Kenia zeigen: Wer seine digitale Infrastruktur selbst steuert, kann besser auf Krisen reagieren, Innovationen fördern und die Rechte seiner Bürger*innen schützen. 

Mary Kerema, kenianische Staatssekretärin für Informations- und Kommunikationstechnologie, E-Government und digitale Wirtschaft, betont: "Daten sind Macht, doch erst gute Governance macht sie klug nutzbar. Die Stärke einer digitalen Nation liegt nicht in ihren Algorithmen, sondern in der Verantwortung, die sie übernimmt."

Eine Frau in Businesskleidung mit einem Mikrofon in der Hand
Mary Kerema treibt in Kenia digitale Souveränität voran. Die Staatssekretärin für Informations- und Kommunikationstechnologie wurde für ihre herausragenden Verdienste mit dem Order of the Grand Warrior ausgezeichnet – einer der prestigeträchtigsten Ehrungen des Landes.

Wie Kenia seine digitale Unabhängigkeit stärkt

Mit unserer Unterstützung im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) setzt Kenia auf die GovStack-Initiative. GovStack funktioniert wie ein Baukasten aus digitalen Lego-Steinen: Jeder Baustein stellt Basisfunktionen digitaler Dienste dar, zum Beispiel eine digitale Brieftasche („Wallet“) für Ausweisdokumente, digitale Zahlungssysteme oder Register. Die einzelnen Bausteine lassen sich flexibel anpassen, individuell kombinieren und für Bürgerdienste in verschiedenen Sektoren wiederverwenden. GovStack arbeitet hierfür auch mit deutschen und europäischen Open-Source Anbietern zusammen. 

Ein klarer Plan gibt die Richtung vor: Im Digital Transformation Center in Nairobi, das die Europäische Union, Deutschland und Estland gemeinsam finanzieren, entwickeln wir zusammen mit der kenianischen Regierung eine nationale Roadmap für digitale Bausteine als Teil einer souveränen öffentlichen Infrastruktur. Diese Systeme sind so gestaltet, dass sie miteinander „sprechen“ können – also nahtlos zusammenarbeiten – und Daten sicher und effizient im Land verarbeitet werden können.  

Sechs Personen sitzen konzentriert um einen Konferenztisch herum
Regierung, Zivilgesellschaft und Privatsektor im Dialog: Beim Auftakt-Workshop entstand 2025 die Grundlage für Kenias nationale DPI-Roadmap.

Digitale Dienste für alle

Um weniger abhängig von externen Dienstleistern zu sein und technologisch offen zu bleiben, entwickelt Kenia aktuell zwei auf GovStack basierende Anwendungen: Zum einen beantwortet ein KI-gestützter Chatbot auf der Plattform eCitizen Bürgerfragen schnell und einfach – wie ein digitaler Beamter, der rund um die Uhr verfügbar ist. Zum anderen entsteht ein afrikaweites Kohlenstoffregister, das Emissionen und Klimaschutzprojekte transparent erfasst. Pia Seiffarth, die bei der GIZ die Zusammenarbeit mit Ländern zu GovStack leitet, sagt: Offene Standards und interoperable Systeme geben unseren Partnern die Freiheit, ihre eigenen Lösungen zu beschaffen, zu entwickeln und nachhaltig zu betreiben“.

 

Menschen machen den Unterschied

Fachkräfte treiben diesen Wandel voran: Hackathons, Lernnetzwerke und Mentorinnen-Programme wie die „Women in GovTech Challenge“ mit über 250 Teilnehmerinnen aus 80 Ländern verbinden Talente aus Verwaltung und Technologie, darunter auch aus Kenia. Daraus sind bereits 40 Prototypen für digitale Bürgerdienste entstanden, die als Blaupause für andere Services wiederverwendet werden können – und ein starkes Netzwerk, das den Austausch und die Zusammenarbeit fördert. Kenianische Fachkräfte mischen hier vorne mit.

Das Beispiel Kenia beweist: Digitale Souveränität ist kein abstraktes Konzept, sondern eine praktische Notwendigkeit. Durch offene, flexible Lösungen, lokale Kompetenz und internationale Partnerschaften zeigt das Land, wie Staaten ihre digitale Zukunft selbst in die Hand nehmen können. Die GIZ unterstützt diesen Weg.

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