„Ukrainische Modelle dienen anderen Staaten als Blaupause“
Lernen von Ukraines digitaler Transformation: Wie das geht und warum die Zusammenarbeit mit diesem Vorreiter so wichtig ist, erklärt im Interview Lena Lázaro Rüther. Sie leitet in der Ukraine die internationale Initiative GovStack.
Die Ukraine ist Pilotland der GovStack-Initiative. Warum ist diese Zusammenarbeit so wichtig – gerade seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine?
Die digitale Transformation der Ukraine ist für ihre Widerstandsfähigkeit entscheidend. Bürger*innen und Unternehmen können auch und gerade in Krisenzeiten wichtige staatliche Dienstleistungen nutzen. Sie beantragen digital beispielsweise Führerscheine oder gründen Firmen. Das entlastet alle, auch die Behörden und die Kommunen. Diese digitalen Systeme sind sicher, einfach zu bedienen und anpassbar. Sie machen staatliche Leistungen schneller, transparenter und sorgen für Vertrauen.
Genau das unterstützt GovStack weltweit. Die Ukraine ist damit ein Vorbild, wie die digitale Transformation schnell und bürgernah umgesetzt werden kann. Daher arbeiten GovStack und die Ukraine zusammen, damit andere Länder von den guten Praktiken lernen können.
Die Initiative GovStack wurde 2020 von Deutschland, Estland, der Internationalen Fernmeldeunion und der Stiftung Digital Impact Alliance ins Leben gerufen. Die Initiative unterstützt Länder und Organisationen dabei, digitale öffentliche Dienste kostengünstig und sicher nach einem Baukastensystem aufzubauen. Mehr als 20 Länder sind bereits dabei. Die GIZ setzt die Arbeit gemeinsam mit anderen Partnern im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) um.
Wie arbeiten GovStack und die Ukraine hier konkret zusammen?
Die Partnerschaft begann 2022. Im Mittelpunkt der Partnerschaft stand damals, die ukrainische Plattform „Diia.Engine“ an globale Standards von GovStack anzugleichen. Die Plattform ist inzwischen auf GovMarket vertreten, dem digitalen Marktplatz für den Austausch zwischen dem öffentlichen Sektor und Anbietern von digitalen Lösungen, also etwa Start-ups sowie kleinen und mittleren Unternehmen.
Zudem haben wir Workshops und gemeinsame Veranstaltungen durchgeführt. Dort teilte die Ukraine ihre Erfahrungen mit der digitalen Transformation und stellte den GovStack-Ansatz international vor.
Künftig rückt vor allem die Initiative „Diia Global“ in den Fokus. Sie soll das digitale Regierungsmodell der Ukraine international sichtbar machen und anderen Ländern praktische, wiederverwendbare Werkzeuge an die Hand geben. Gemeinsam mit der Eurasia Foundation und dem ukrainischen Digitalministerium entsteht derzeit ein digitales Wallet, also eine digitale Dokumentenverwaltung, auf Grundlage der „Diia“-Anwendung. Diese digitalen Brieftaschen erleichtern den Zugang zu staatlichen Leistungen. Menschen können Ausweise, Sozialleistungen oder Zahlungen online nutzen. Das erhöht Transparenz, Fairness und Effizienz.
Andere Länder können also von den ukrainischen Modellen lernen?
Auf jeden Fall. Sie profitieren von erprobten Lösungen, die verständlich aufbereitet sind. Mit diesen Blaupausen können teure Fehlversuche vermieden werden. Die Ukraine zeigt, wie eine digitale, bürgernahe und vertrauenswürdige Verwaltung selbst in Krisen funktioniert.
Viele Regierungen stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Sie müssen Daten schützen, Vertrauen aufbauen und digitale Identitäten zuverlässig mit verschiedenen Diensten verknüpfen. Eine GovStack-konforme Dokumentenverwaltung auf Basis von „Diia“ bietet dafür eine flexible und praxiserprobte Lösung.
Durch Module können Länder eigene Schwerpunkte setzen und gleichzeitig von internationalen Standards profitieren. So lassen sich digitale staatliche Dienste schneller, sicherer und bürgernäher aufbauen.