Feature

Digitale Teamarbeit

In Ländern des Globalen Südens und in fragilen Kontexten entstehen digitale Lösungen, die international Maßstäbe setzen. Von den Erfahrungen kann Deutschland beim Aufbau seiner digitalen Regierungsarchitektur lernen.

Lange galt digitale Innovation als Einbahnstraße vom Globalen Norden in den Süden. Dieses Bild ist veraltet. In Ländern des Globalen Südens - ebenso in fragilen Kontexten wie der Ukraine - haben sich in den vergangenen Jahren digitale Drehscheiben entwickelt. Getragen von engagierten Tech-Communitys, staatlichen Reformen und gezielten Investitionen entstehen dort oft KI-gestützte Lösungen, die weit über den lokalen Kontext Bedeutung haben.

Die GIZ knüpft gezielt an diese Dynamik an. Sie unterstützt Partnerländer dabei, digitale Infrastruktur aufzubauen, Künstliche Intelligenz einzubauen, Innovationen zu verbreiten und internationale Standards anzuwenden. Zugleich schafft die GIZ Verbindungen nach Deutschland und Europa – für einen Wissenstransfer, der in beide Richtungen wirksam ist, wie diese Beispiele zeigen:

Digitale Hubs

Benutzen Sie die Links, um mehr über Beispiele der Zusammenarbeit zu erfahren.

Abstrakte Weltkarte aus lila quadratischen Pixeln auf transparentem Hintergrund mit stilisierter Darstellung der Kontinente.

Lernen mit Indien: KI-Sprachassistenten

Nahaufnahme einer Hand, die ein Smartphone in lila Farbe hält, während die andere Hand einen Stift hält. Im Hintergrund ist ein Notizbuch sichtbar, und der Fokus liegt auf den Händen.

Bei Modellen zu Künstlicher Intelligenz (KI) kommen deutsche und indische Interessen zusammen.

 

Zur Reportage

„Rechtsprechung mit KI für alle zugänglich machen“

Porträt einer lächelnden Frau mit langen dunklen Haaren, gelbem Blazer und schwarzem Oberteil vor unscharfem grünen Parkhintergrund bei Tageslicht.

Ein KI-Werkzeug für breiten Zugang zu juristischem Wissen:  Emily Watson vom GIZ-Team am Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte informiert.

 

Zum Interview

„Ukrainische Modelle dienen anderen Staaten als Blaupause“

Frau mit zusammengebundenen Haaren hält ein Dokument in der Hand und spricht in einem hellen Seminarraum mit großen Fenstern, während im Hintergrund weitere Personen sitzen.

Lernen von Ukraines digitaler Transformation: Wie das geht, erklärt Lena Lázaro Rüther von der internationalen Initiative GovStack.

 

Zum Interview

Mit KI zu effektivem Klimaschutz

Mann mit orangefarbener Warnweste und kariertem Hemd steht neben einer Reihe von Solarpaneelen auf einem Freigelände mit Metallkonstruktionen und Gebäuden im Hintergrund.

Kenia strukturiert seinen Kohlenstoffmarkt digital. Das bietet mehr Transparenz für internationale Investitionen in Klimaschutzprojekte.

 

Zum Hintergrund

Die Ukraine hat sich inmitten des russischen Angriffskriegs als digitaler Vorreiter etabliert. Ein Beispiel ist „Diia“, die zentrale Behörden-App, deren Name so viel bedeutet wie „Handeln“. Sie wurde bereits 2020 eingeführt. Im Krieg wurde sie weiter ausgebaut, um den Menschen in dieser schwierigen Lage verlässliche staatliche Dienstleistungen anzubieten. So können Ukrainer*innen über die App Schäden durch Beschuss der russischen Armee unbürokratisch melden und finanzielle Hilfe für den Wiederaufbau beantragen – schnell und ohne lange, gefährliche Wege.

Die globale Initiative GovStack hat „Diia“ mit der Ukraine für den internationalen Markt weiterentwickelt. Die Idee dahinter: Blaupausen für digitale, bürgernahe Verwaltungen anbieten, die internationalen Standards entsprechen und für das jeweilige Land angepasst werden können – und so die digitale Souveränität für jedes Land greifbar machen. „Unsere Erfahrungen wollen wir mit GovStack und der Eurasia Foundation weltweit verbreiten“, sagt Valeriya Ionan, Beraterin des ukrainischen Ministeriums für digitale Transformation.

„Andere Länder können sich unseren Showcase ‚Diia Global‘ ansehen und an ihre eigenen digitalen Herausforderungen anpassen. Es geht darum, Regierungen ein praktisches Instrument zur Verfügung zu stellen: ein Modell, das als Grundlage für den Aufbau oder die Modernisierung ihrer eigenen digitalen Systeme dienen kann.“

Valeriya Ionan

Die GIZ setzt mit Partnern die internationale GovStack-Initiative um. Sie war vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), von Estland, der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) und der Stiftung Digital Impact Alliance ins Leben gerufen worden.

Deutschland folgt bereits jetzt den GovStack-Designstandards. Außerdem ist das Team derzeit im Austausch mit dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) zum Aufbau eines Deutschland-Stacks. „Wenn die eigene digitale Infrastruktur international anschlussfähig ist, dann hat das auch einen geostrategischen Mehrwert für Deutschland“, sagt Andrea Donath, bei der GIZ für GovStack verantwortlich. Diese Vernetzung, unabhängig von dominierenden Playern wie den USA oder China, biete einen Wettbewerbsvorteil gerade in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Partnerländern.

Mit KI zu effektivem Klimaschutz

In Kenia entsteht derzeit eine digitale Infrastruktur, die den Weg zu einem verlässlichen, international anschlussfähigen Handel mit Kohlenstoffzertifikaten ebnet. Im Zentrum steht das neue Nationale Kohlenstoffregister (National Carbon Registry, NCR), das mit Unterstützung der GIZ aufgebaut und im Februar 2026 gelauncht wurde. Mit dem Register erfasst Kenia systematisch und transparent Klimaschutzprojekte, deren CO₂-Emissionen international gehandelt werden. Für Länder wie Kenia eröffnet der Verkauf von Zertifikaten Einnahmequellen für weiteren Klimaschutz. Für Regierungen und europäische Firmen sind die Zertifikate als Emissionsausgleich interessant.

Zugleich liefert das Register genau jene strukturierten, verlässlichen Daten, die für den Einsatz von KI unerlässlich sind. Aufbauend auf dem kenianischen Modell entwickelt die GIZ mit Partnern derzeit ein übertragbares Kohlenstoffregister für andere afrikanische Länder als öffentliches digitales Gut. Perspektivisch sollen KI-basierte Werkzeuge es Staaten ermöglichen, innerhalb kurzer Zeit eigene, rechtssichere Register zu entwickeln oder anzupassen.

Damit KI alle Sprachen spricht

In Indien steht eine andere Herausforderung im Fokus: Wie kann Künstliche Intelligenz möglichst viele Menschen erreichen? Dazu müssen vielsprachige KI-Sprachassistenten erstellt werden. Die von der GIZ umgesetzte BMZ-Initiative „FAIR Forward“ hat dazu mit Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Staat zusammengearbeitet.

So entstehen KI-Anwendungen, die die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort verbessern – und zugleich die globale Forschung bereichern. Dr. Simon Ostermann vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) betont im Interview den Erkenntnisgewinn durch die Zusammenarbeit mit Indien: „Solche Projekte tragen direkt dazu bei, grundlegende KI-Methoden weiterzuentwickeln.“

KI für besseren Zugang zur Rechtsprechung

In Lateinamerika hat die GIZ das KI-gestützte Werkzeug Themis IA gemeinsam mit dem Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte entwickelt. Mit Hilfe von Sprachverarbeitung wird dessen Rechtsprechung systematisch ausgewertet. Interessierte können leicht darauf zugreifen.

Anders als klassische Suchmaschinen versteht Themis IA den rechtlichen Kontext: Das Tool identifiziert Standards und Präzedenzfälle und trägt so zu mehr Klarheit in der Rechtsprechung bei. Mit mehreren Tausend Zugriffen pro Monat wird die Plattform bereits intensiv von Justiz, Wissenschaft und Öffentlichkeit genutzt.

Das Modell gilt als international übertragbar – auch für die regionalen Menschenrechtsgerichtshöfe in Europa und Afrika – und zeigt, wie KI verantwortungsvoll eingesetzt werden kann, um Rechtsstaatlichkeit, Transparenz und Zugang zur Justiz zu stärken.

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