Wasser für alle
Sauberes Wasser ist keine Selbstverständlichkeit. Wasserknappheit bedroht Milliarden Menschen – unsere Infografik zeigt Herausforderungen und Lösungswege.
Wasserknappheit ist eine unterschätzte Krise. Sie betrifft einen Großteil der Menschheit. Die Vereinten Nationen sprechen inzwischen von Wasserinsolvenz, weil wir global betrachtet unser Wasserkonto permanent überziehen.
75 Prozent der Menschheit leben in Regionen, in denen Wasser nicht zuverlässig verfügbar ist. Etwa vier Milliarden Menschen – knapp die Hälfte der Weltbevölkerung – erleben mindestens einen Monat pro Jahr schwere Wasserknappheit.
Aber es gibt auch gute Nachrichten: Immer mehr Menschen haben Zugang zu sicherem Trinkwasser. Und oft genügen schon geringe Investitionen, um für Menschen und Volkswirtschaften große Wirkungen zu erzeugen.
Im Überblick: Trinkwasser weltweit
Rund zwei Milliarden Menschen haben seit dem Jahrtausendwechsel Zugang zu sicherem Trinkwasser erhalten. Der Anteil stieg von 62 Prozent der Weltbevölkerung im Jahr 2000 auf 74 Prozent im Jahr 2024.
Mittlerweile haben weltweit drei von vier Menschen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Regional gibt es jedoch große Unterschiede: In Europa und Nordamerika liegt die Quote bei 96 Prozent, in Lateinamerika und der Karibik bei 75 Prozent – in Subsahara-Afrika hingegen nur bei 30 Prozent.
Quellen: SDG Indicators, WHO, UNICEF, World Bank. State of the world’s drinking water
Auch zwischen Stadt und Land klafft eine Lücke: In urbanen Gebieten haben 83 Prozent der Menschen Zugang zu sicherem Trinkwasser, auf dem Land sind es nur 60 Prozent. Am schlechtesten versorgt sind die Menschen in ländlichen Gebieten der Sahelzone – in Tschad, Niger, Mali und Südsudan.
Quelle: WHO, UNICEF, World Bank. State of the world’s drinking water
Investitionen in eine bessere Wasser- und Sanitärversorgung machen sich schnell bezahlt. So bringt jeder eingesetzte US-Dollar für bessere Handhygiene – wegen vermiedener Krankheiten – einen wirtschaftlichen Gewinn von 24,6 US-Dollar.
Auch die Gesundheitssysteme vieler Länder würden profitieren: Wenn sauberes Wasser, gute Waschmöglichkeiten und besserer Schutz vor Infektionen gewährleistet wären, könnten sie weltweit jedes Jahr 112 Milliarden US-Dollar sparen. Der gesamtwirtschaftliche Nutzen läge sogar bei 124 Milliarden US-Dollar – weil mehr Menschen gesund bleiben und arbeiten könnten.
Quelle: WHO
Ein Viertel der Landwirtschaft, die auf künstliche Bewässerung angewiesen ist, verbraucht mehr Grundwasser als sich natürlich neu bildet. Sind die Wasserreserven erst erschöpft, können ganze Anbauregionen langfristig nicht mehr bewässert werden – und die Nahrungsmittelversorgung von Millionen Menschen wäre gefährdet. Besonders betroffen sind Länder im Nahen Osten und in Nordafrika, aber auch Mexiko, Pakistan und Nordchina. Doch es gibt Lösungen: Jordanien bereitet mit Unterstützung der GIZ Abwasser auf, um es in der Landwirtschaft einzusetzen.
Auch ein sparsamerer und besserer Umgang mit Wasser würde helfen. Jedes Jahr gehen schätzungsweise 324 Milliarden Kubikmeter Frischwasser durch Lecks, Diebstahl und schlechte Verwaltung verloren. Das entspricht etwa vier olympischen Schwimmbecken pro Sekunde – und würde reichen, um 280 Millionen Menschen ein Jahr lang mit Wasser zu versorgen. Genau hier setzt die GIZ an: In Ägypten fördert sie ein besseres Management der Wasserwirtschaft. Damit die ohnehin knappe Ressource dort nicht noch knapper wird.
Der größte „Fluss“ der Erde fließt in der Atmosphäre: Über dem Amazonas transportieren „fliegende Flüsse“ riesige Mengen Wasserdampf aus dem tropischen Regenwald und dem Atlantik durch die Atmosphäre. Der Wassertransport kann zeitweise größer sein als die Menge, die im Amazonas selbst fließt. Der Dampf fällt irgendwann als Regen auf die Erde und ist für den Wasserkreislauf unverzichtbar. Auch deshalb ist der Erhalt von Tropenwäldern wichtig.
Quelle: Weltwirtschaftsforum