Mit KI zu effektivem Klimaschutz
Kenia strukturiert mit Unterstützung der GIZ seinen Kohlenstoffmarkt digital. Das bietet auch für deutsche und europäische Firmen mehr Transparenz für Investitionen in Klimaschutzprojekte.
Kenia macht den Anfang: Das neue Nationale Kohlenstoffregister könnte anderen afrikanischen Staaten den Weg in internationale Kohlenstoffmärkte ebnen. Die GIZ hat gemeinsam mit dem lokalen Partner Verst Carbon das neue staatliche Kohlenstoffregister (National Carbon Registry, NCR) für Kenia entwickelt. Es wurde im Februar 2026 gelauncht.
Die Erfahrungen aus Kenia fließen nun in die Entwicklung einer Künstlichen Intelligenz ein. Sie soll innerhalb von Minuten maßgeschneiderte nationale Kohlenstoffregister erstellen. Diese digitale Lösung kann es Ländern künftig ermöglichen, Kohlenstoffzertifikate zu autorisieren und deren Nutzung und Handel transparent nachzuverfolgen. Emissionsminderungen lassen sich so nach Artikel 6 des Pariser Klimaabkommens berichten. Damit wird ein bislang komplexer, ressourcenintensiver Prozess deutlich einfacher. Und mehr afrikanische Staaten können Zugang zu internationalen Kohlenstoffmärkten erhalten.
In Kenia haben GIZ-Teams aus dem Klima- und Digitalbereich eng beim Nationalen Kohlenstoffregister zusammengearbeitet. Das Digitalzentrum, die Dachorganisation für digitale Projekte der GIZ in Kenia, hat die Beratung des Projekts „Förderung von Klimastrategien und NDC-Umsetzung auf Distriktebene“ ergänzt. Das Zentrum setzt zudem die Initiative Datenmärkte des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Europäischen Union in Kenia um.
Kontakte: Andrea Denzinger und Katharina Mengede
Kenia gilt als einer der Vorreiter beim Klimaschutz in Afrika. Das Land hat frühzeitig verbindliche politische Rahmenbedingungen geschaffen, um Emissionen zu mindern und nachhaltige Entwicklung zu fördern. Mit dem Nationalen Kohlenstoffregister erfasst Kenia etwa Klimaschutzprojekte, deren CO₂-Emissionen international gehandelt werden.
Das ist die Basis für ein System, in dem Klimaschutz dort stattfindet, wo er am effizientesten ist: Projektentwickler reichen Klimaschutzprojekte ein, die nach staatlicher Prüfung und Autorisierung im NCR erfasst werden. Auf dieser Basis können die erzielten Emissionsminderungen als Kohlenstoffzertifikate international gehandelt werden. Dank standardisierter und verlässlicher Erfassung der Projekte profitieren sowohl Verkäuferländer wie Kenia als auch Käuferländer und Unternehmen.
Den Privatsektor einzubinden, ist eine wichtige Voraussetzung, um internationale Klimaziele zu erreichen. Emissionen, die besonders schwer zu vermeiden sind, können über den Emissionshandel kompensiert werden.
Lesbare Klimadaten als Basis für den Einsatz von KI
Das kenianische Kohlenstoffregister ist aber mehr als ein digitales Verwaltungstool. Es liefert Daten so, wie sie eine KI benötigt: strukturiert und vertrauenswürdig. Das Register bündelt Klimadaten, schafft staatliche Kontrolle über sensible Informationen und legt so den Grundstein für automatisierte Prüfprozesse, Analysen und Prognosen.
Kohlenstoffregister für Afrika
Der nächste Schritt ist bereits in Arbeit: Mit dem Afrikanischen Kohlenstoffregister (African Registry for Carbon, ARC) entwickelt die GIZ mit ihren Partnern das kenianische Modell für den gesamten Kontinent weiter. Konkret handelt es sich um eine frei zugängliche IT-Lösung, die anderen Ländern zur Nutzung angeboten wird.
„Wir beginnen mit ostafrikanischen Ländern, weil die Voraussetzungen hier vergleichbar sind“, sagt Katharina Mengede, Leiterin Digitalwirtschaft im Digitalzentrum Kenia. So entsteht ein öffentliches digitales Gut, das afrikanischen Staaten eine lizenzfreie Alternative zu teuren kommerziellen Registern bietet – modular aufgebaut, anpassbar an nationale Gesetze, aber grenzüberschreitend nutzbar. Es unterstützt die Länder dabei, ihre nationalen Klimaschutzziele zu erreichen.
Und das Team denkt schon weiter. „Mit ARC Studio arbeiten wir an einem KI-basierten Tool, das Kohlenstoffregister binnen Minuten entwickelt – also ähnlich wie ChatGPT arbeitet“, sagt Mengede. Statt monatelanger Entwicklungsarbeit könnten Länder ihre regulatorischen Anforderungen, Zuständigkeiten und Datenflüsse eingeben – und erhielten umgehend ein maßgeschneidertes Register. Voraussetzung dafür ist, dass Gesetze und Prozesse bereits vorliegen.
Noch ist das Zukunftsmusik. Aber die Richtung ist klar: hin zu KI-gestützter Infrastruktur. KI im Klimaschutz beginnt nicht mit Algorithmen, sondern mit Datenordnung. Wer Daten souverän verwaltet, gewinnt Handlungsspielräume – für Klimafinanzierung und für internationale Märkte.