Mehr Tempo für globale Energie- und Klimaziele
Die GIZ unterstützt Länder des Globalen Südens dabei, ihre Energieversorgung sicherer und grüner zu gestalten sowie ein attraktives Investitionsumfeld für europäische Investoren zu schaffen. Mit dem Programm Globale Energiewende (GET.pro) bündelt Europa dafür seine Kräfte.
In vielen Ländern des Globalen Südens fehlen Infrastruktur, technisches Know-how und Finanzierungskenntnisse, um erneuerbare Energien entscheidend auszubauen. Mit Folgen: Energieimporte erzeugen Abhängigkeiten und vorhandene Potenziale bleiben ungenutzt. Um die weltweiten Energie- und Klimaziele zu erreichen, müssen die internationale Gebergemeinschaft und Partnerländer eng zusammenarbeiten. GET.pro ist Europas Antwort darauf und bietet eine Win-win-Lösung für beide Seiten.
Das Programm GET.pro wurde von der Europäischen Union und Deutschland sowie Norwegen, den Niederlanden, Schweden und Österreich ins Leben gerufen. Umgesetzt wird es von der GIZ. GET.pro adressiert die Kernelemente einer nachhaltigen, sozial gerechten Energiewende: Das Programm fördert den politischen Dialog zwischen Europa und seinen Partnerregionen, berät Regierungen zu förderlichen Rahmenbedingungen und unterstützt Unternehmen dabei, Finanzierungen für ihre Projekte zu erhalten. Andere GIZ-Vorhaben können auf die erfolgreich etablierten Leistungspakete zugreifen.
Team-Europe-Vorreiter
GET.pro ist weltweit in 57 Ländern tätig, mit besonderem Fokus auf Afrika und Lateinamerika. Das Programm hat Partnerregierungen bei über 130 Transformationsprozessen für die Energiewende beraten und 675 Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Investitionsvorhaben unterstützt. In 141 Fällen wurden Verträge mit Finanzierern und Investoren abgeschlossen. Damit werden 573 Millionen Euro an Investitionen in nachhaltige Energien mobilisiert und 7,6 Millionen Menschen erhalten Zugang zu einer nachhaltigeren und stabileren Stromversorgung oder überhaupt erstmals einen Anschluss ans Stromnetz.
Als führendes Team‑Europe‑Vorhaben fördert das Programm die Positionierung gemeinsamer europäischer Werte und Interessen auf internationaler Bühne. Es leistet einen tatkräftigen Beitrag zur Global-Gateway-Initiative der EU mit dem Ziel, nachhaltige Infrastrukturprojekte in Partnerländern zu fördern.
GET.pro nutzt drei sich ergänzende Instrumente, die zentrale Elemente der Energiewende stärken:
- GET.pro fördert über das Sekretariat der Afrika-EU-Energiepartnerschaft (AEEP) seit 2007 den politischen Dialog zwischen beiden Kontinenten.
- GET.transform berät Regierungen und öffentliche Institutionen dabei, bessere Rahmenbedingungen für Investitionen in die Energiewende zu schaffen.
- GET.invest mobilisiert private Investitionen in erneuerbare Energien. Es begleitet Unternehmen von der Projektidee bis zur Finanzierung, vernetzt sie mit geeigneten Banken und unterstützt sie bis zum Startschuss für die Umsetzung.
In Peru hat GET.transform den Netzbetreiber COES dabei unterstützt, das Stromsystem für einen höheren Anteil erneuerbarer Energien auszurichten. Dazu analysierten und optimierten Expert*innen die Arbeitsabläufe und führten anschließend ein neues, von einem deutschen Unternehmen entwickeltes Vorhersagesystem ein.
Der Netzbetreiber kann nun zuverlässiger einschätzen, wie viel Reserveenergie notwendig ist, um Schwankungen aus Wind- und Solarenergie auszugleichen. Dadurch kann der Anteil erneuerbarer Energien gesteigert und es können zusätzliche Investitionen mobilisiert werden.
„Für uns als Netzbetreiber ist eine präzise Vorhersage des Bedarfs und der Bereitstellung von Strom aus erneuerbarer Energie unverzichtbar. Sie ermöglicht eine optimale Ressourcenverteilung, um den Strombedarf des Landes zuverlässig zu decken. Mit Unterstützung von GET.transform stärken wir unsere technischen Kapazitäten und erweitern die Kontrollmöglichkeiten, um Schwankungen bei den sauberen Energiequellen besser bewältigen zu können.“
Die Erkenntnisse aus Peru überträgt GET.pro kosten- und zeiteffizient auf andere Länder – etwa auf Panama. Hier unterstützen die gleichen Expert*innen aktuell dabei, ein Prognosesystem ähnlich dem in Peru einzuführen.
Auf Barbados hat GET.invest das Unternehmen HDF Energy dabei unterstützt, Investoren für ein Energieprojekt zu mobilisieren, das Lösungen für gleich zwei zentrale Probleme der Karibikinsel kombiniert: den mangelnden Zugang zu sauberer, bezahlbarer Energie und die Knappheit an landwirtschaftlichen Flächen. Auf einer Grasfläche im Südosten der Insel werden künftig eine Photovoltaikanlage und ein Wasserstoffspeichersystem saubere Energie für 16.000 Menschen liefern. Das Rasenmähen übernehmen über 1.800 Schafe: Sie halten den Boden fruchtbar und dienen zugleich als Nahrungsquelle. Heute gilt das Projekt als Vorbild für Inselstaaten weltweit.
Erst Rahmenbedingungen schaffen, dann Investitionsprojekte umsetzen
In Lesotho arbeitet die Regierung seit 2020 mit der GIZ über das Politikinstrument GET.transform an einer neuen Energiepolitik, die erneuerbare Energien priorisiert und transparente Verfahren für Investoren schafft. Außerdem unterstützt GET.transform bei Verhandlungen zwischen Regierungen und Investoren, um faire und wirtschaftlich tragfähige Tarife sicherzustellen. Und wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kommen auch die Investoren: Ein belgisches Unternehmen plant dank Vernetzung und Finanzberatung durch GET.invest ein 100-Megawatt-Windenergieprojekt – und hat das Vorhaben bereits bei der EU-Initiative Global Gateway eingereicht. Klappt das, stehen im ersten Windpark Lesothos Windräder aus Europa, nicht aus China.
Unterstützung für Energie-Start-ups
Für die Energiewende braucht es aber auch neue Technologien und Geschäftsmodelle, gerade aus Ländern des Globalen Südens. Während GET.pro sich auf bereits marktreife Technologien fokussiert, unterstützt das Vorhaben CATAL1.5°T Klima-Start-ups in Lateinamerika und Westafrika dabei, aus einer Idee ein Geschäft zu machen. So wandelt ein Unternehmen in Guinea nun dank der Hilfe der GIZ täglich bis zu acht Tonnen Kunststoffabfälle aus der Industrie in wiederverwendbares Granulat um. Das Projektteam schulte das Management, half beim Businessplan, beschaffte Schutzkleidung für Mitarbeitende und unterstützte nicht zuletzt die Anschaffung der neuen Kunststoff-Recyclinganlage finanziell. CATAL1.5°T organisiert außerdem sogenannte Climathons in vielen Ländern Lateinamerikas und Westafrikas. Zu den zweitägigen Ideen-Marathons melden sich Start-ups, Erfinder*innen und Fachleute an. Gemeinsam arbeiten sie an konkreten Lösungen für Klimaprobleme. Sind diese erfolgversprechend, unterstützt das Projekt dann dabei, die Idee bis zur Marktreife weiterzuentwickeln.
Bislang hat das Vorhaben 150 Unternehmen unterstützt und 5,4 Millionen Euro privates und öffentliches Kapital mobilisiert. Die unterstützen Start-ups werden mit ihren Technologien bis 2030 rund 910.000 Tonnen CO2 einsparen und sind auch in anderer Hinsicht eine Investition in die Zukunft: Denn aus den Ideen von heute entstehen die Erfolgsgeschichten von morgen.