Haltung zeigen
Warum sich der ehemalige Fußballstar Neven Subotic seit Jahren für Wasser in Afrika interessiert und weshalb er Grundsatzkritik an der internationalen Zusammenarbeit für überzogen hält.
„Alles geben“, lautet Neven Subotics Lebensmotto. Und danach lebt er auch wirklich: erst als Fußballspieler, jetzt als Philanthrop. Er war ein Ausnahmesportler, heute zeigt er außergewöhnliches gesellschaftliches Engagement. Während andere nach dem Ende der aktiven Zeit ihr Glück als Trainer oder Manager suchen, hat Subotic dem Fußball völlig abgeschworen. „Ich schaue nicht einmal mehr Fußballspiele im Fernsehen an.“
Dafür ist er viel zu leidenschaftlich unterwegs bei seiner neuen Aufgabe. Neven, wie ihn alle freundschaftlich nennen, konzentriert sich voll auf seine humanitäre Arbeit. Mit der Stiftung „well:fair“ schafft er nachhaltigen Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen in Ostafrika.
Mit Jürgen Klopp zum Deutschen Meister
Bekannt wurde Neven Subotic als Leistungsträger bei Borussia Dortmund. Zusammen mit Mats Hummels bildete er jahrelang eines der prägendsten Abwehrduos. Mit Trainerlegende Jürgen Klopp wurden sie zur Konkurrenz für die Bayern und 2011 sowie 2012 Deutscher Meister. Ein großartiger Erfolg: „Ich war auf dem Höhepunkt, hatte alles, was man sich nur wünschen kann, lebte im Luxus“, erzählt er.
Damals war Neven erst Anfang 20 – und hatte bereits ein sehr bewegtes Leben hinter sich. Seine Kindheit war geprägt von Umbrüchen: Geboren 1988 im jugoslawischen Banja Luka, floh die Familie wegen des drohenden Bürgerkrieges 1990 nach Deutschland. Dort lebte sie mehrere Jahre im Nordschwarzwald, wo es einen Bolzplatz und „immer irgendwen zum Kicken gab“. Nach dem Ende der Balkankriege lief ihre Duldung aus, sie sollten zurück. Die Lage war dort jedoch ungewiss, deshalb zog die Familie weiter in die USA. Zunächst nach Utah, später nach Florida. Für Neven bedeutete das: neue Sprache, neue Schule, neue Kultur und immer wieder neue Menschen.
Aber der Fußball blieb. In einem Park, wo er häufig kickte, „mit Fußballschuhen, die zwei Nummern zu groß waren“, wurde er entdeckt. Vom Trainer der amerikanischen Jugendnationalmannschaft, der sich zufällig auch dort aufhielt. Dieser erkannte sein Talent und nahm ihn ins Team auf. Das bedeutete: Internat und noch einen Wechsel. Über weitere glückliche Zufälle landete er dann bei Mainz 05, damals trainiert von Jürgen Klopp. Da war Neven gerade 17. Klopp nahm ihn später nach Dortmund mit.
Trotz dieses märchenhaften Aufstiegs kehrte Neven 2021 dem Fußball den Rücken. Da hatte er lange zuvor begonnen, sich für die großen Fragen dieser Welt zu interessieren. „Ich wollte wissen, ich wollte lernen, ich wollte verstehen.“ Und so las er Bücher über Geschichte, Politik, Weltgeschehen, aber auch über Leid, Elend und Ausbeutung. „Dabei wurde mir immer klarer, dass ich Verantwortung übernehmen wollte für die Welt, in der wir leben.“ Nicht für alles und jeden, aber er wollte seinen Beitrag leisten.
„Ich wollte wissen, ich wollte lernen, ich wollte verstehen. Dabei wurde mir immer klarer, dass ich Verantwortung übernehmen wollte für die Welt, in der wir leben.“
Warum Subotic auf Wasser setzt
Sicher hätte es nahegelegen, sich für Migration oder Sport zu engagieren. Doch er suchte nach etwas „Lösbarem“, nach etwas, das einen wirklichen Unterschied macht. Nach gründlicher Recherche entschied sich Neven für Afrika, „weil dort die größte lösbare Ungerechtigkeit überhaupt herrscht“: Wassermangel. Wasser als Grundlage des Lebens, als elementares Gut – und doch so vielen bis heute verwehrt: knapp 700 Millionen Menschen. Dabei „ist unter deren Füßen fast überall Grundwasser.“ Er sah darin eine Aufgabe des Willens und der Investitionen.
Beides wollte Neven aufbringen. Deshalb gründete er aus seinem Fußballvermögen eine Stiftung, die heute „well:fair“ heißt. Der erste Teil – well – bedeutet auf Englisch Brunnen, der gesamte Name spielt aber auch auf das englische Wort welfare an: Wohlergehen. Es geht ihm um Menschenrechte und um „ein selbstbestimmtes Leben in Gesundheit und Würde“ für alle.
Von Dortmund aus steuert die Stiftung Projekte in Ostafrika – „immer partnerschaftlich und auf Augenhöhe“. Fast 1.000 Vorhaben hat sie schon umgesetzt, in Äthiopien, Kenia und Tansania. Es wurden Brunnen gebohrt, Leitungen gelegt, Schulen und Krankenstationen mit Wasser ausgestattet – und inzwischen rund 440.000 Menschen erreicht. Dass deren Zahl weiterwächst, dafür setzt sich Neven ein. Unzählige Stunden pro Woche, ohne ein Gehalt zu beziehen.
„Wir sehen den Nutzen vor Ort ganz konkret“, erzählt er von den Wirkungen und von den Menschen, die er dort trifft. Einen äthiopischen Schulleiter zum Beispiel, der ihn beeindruckt hat, weil er sich trotz guter Ausbildung für ein Leben auf dem Land entschieden hat, um Kindern Lesen und Schreiben beizubringen. Und viele weitere. Es sind solche Begegnungen, die Neven antreiben.
„In Afrika herrscht die größte lösbare Ungerechtigkeit überhaupt: Wassermangel. Und dabei ist unter den Füßen der Menschen fast überall Grundwasser.“
Subotic sieht Verantwortung des Globalen Nordens
Die Grundsatzkritik an der internationalen Zusammenarbeit kann er nicht nachvollziehen. „Nur weil nicht überall alles hundertprozentig funktioniert, muss man sie nicht gleich abschaffen.“ Sondern daran arbeiten, dass sie besser wird. Rückzug wie die USA – „auf keinen Fall empfehlenswert“. Er glaubt vielmehr, dass der Norden eine historische Verantwortung hat, Ungerechtigkeiten zu beheben.
Darin sieht er auch seinen persönlichen Auftrag, für viele Jahre. Das Ziel lautet: weitermachen, Haltung zeigen und die Stiftung auf eine nachhaltige Basis stellen. Bisher kommt das Geld hauptsächlich von ihm. Aber „wenn ich eines Tages umfalle, soll die Stiftung weiterbestehen“. Deshalb möchte er die Finanzen auf mehr Schultern verteilen. Für diese Ziele wird Neven Subotic unermüdlich arbeiten, genau wie früher im Sport – und wie immer „alles geben“.
Neven Subotics Stiftung kooperiert mit der GIZ: im Rahmen von Events, Aktionen und der „Sustainable Sanitation Alliance“. Dieses internationale Netzwerk, verwaltet von der GIZ, setzt sich für nachhaltige Sanitärversorgung weltweit ein. Es verbindet Fachleute aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und internationaler Zusammenarbeit, fördert den Wissensaustausch und entwickelt praxisnahe Lösungsansätze. Auf diese Informationen greift Neven Subotic für seine Arbeit gerne und häufig zurück, weil die Ziele übereinstimmen und „wir solches Wissen als kleine Stiftung nicht allein aufbauen könnten“.
GIZ-Kontakt: Fanni Zentai