Porträt einer lächelnden Frau mit langen dunklen Haaren, gelbem Blazer und schwarzem Oberteil vor unscharfem grünen Parkhintergrund bei Tageslicht.
Interview

„Rechtsprechung mit KI für alle zugänglich machen“

Die GIZ hat gemeinsam mit Partnern ein KI-Werkzeug entwickelt, das einen breiten Zugang zu juristischem Wissen ermöglicht. Emily Watson vom GIZ-Team am Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte erklärt im Interview, warum es als Modell für den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte dienen kann.

Wie funktioniert das KI-Tool Themis IA?

Es wurde von der GIZ gemeinsam mit dem Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte entwickelt. Ziel ist, alle Entscheidungen des Gerichts zu systematisieren und für alle zugänglich zu machen. Das gilt insbesondere für Urteile, die die Artikel der Amerikanischen Menschenrechtskonvention auslegen.

Gestützt auf künstliche Intelligenz und Sprachverarbeitung erkennt Themis IA automatisch jene Stellen, in denen der Gerichtshof die Konvention auslegt. Das Tool ordnet die Ergebnisse nach juristischen Begriffen und verknüpft sie mit dem Schlagwortverzeichnis „Thesaurus der Menschenrechte“.

Themis IA zeigt auf einen Blick, was der Gerichtshof zu einem bestimmten Recht gesagt hat – ein großer Fortschritt für Forschung, Lehre und Praxis.

Worin liegt der Unterschied zu einer „normalen“ Suchmaschine?

Themis IA macht die Rechtsprechung leicht zugänglich und beseitigt technische Hürden. Anders als klassische Suchmaschinen erkennt die Plattform den rechtlichen Kontext, extrahiert Standards und Präzedenzfälle und sorgt so für mehr Kohärenz in der Rechtsprechung.

Der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte nutzt Themis IA intern zur Vorbereitung von Urteilen und extern als Werkzeug für Forschung und Ausbildung im Menschenrechtsschutz.

Wie wird Themis IA verwendet?

Mit inzwischen mehr als 2.000 monatlichen Zugriffen wird Themis IA zur Referenz für juristische Innovation in Lateinamerika. Es demokratisiert die Rechtsprechung, indem es sie Richterinnen und Richtern, Prozessbeteiligten, der Wissenschaft, Studierenden und der breiten Öffentlichkeit zugänglich macht – und dabei die technischen Hürden beseitigt, die juristische Recherche bisher erschwert haben. Die Plattform ist kostenlos und über die Website des Gerichtshofs für alle erreichbar.

Können andere Gerichtshöfe von dieser Erfahrung profitieren?

Auf jeden Fall! Der Interamerikanische Gerichtshof ist derzeit das einzige regionale Menschenrechtsgericht, das ein digitales System aus drei vernetzten Tools geschaffen hat: der Jurisprudenz-Datenbank, dem Menschenrechts-Thesaurus und Themis IA.

Das Modell beruht auf internationaler Zusammenarbeit und ethischem KI-Einsatz und kann als Vorlage für andere Gerichte dienen: in Europa, in Afrika. Themis IA zeigt, wie Technologie verantwortungsvoll eingesetzt werden kann – im Dienst einer offenen, zugänglichen und modernen Justiz.

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