Hintergrund

Zu viel Verbrauch, zu wenig Zugang: Die wichtigsten Fragen zur globalen Wasserkrise

Die Welt verbraucht zu viel Wasser. Gleichzeitig sind viele Menschen immer noch nicht ausreichend mit sauberem Wasser versorgt. Die UN-Wasserkonferenz 2026 soll Lösungen bringen. Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Wasserkrise.

Text: Friederike Bauer
Wasserkanister

Die Vereinten Nationen sprechen in einem aktuellen Bericht von „Wasserbankrott“. Was bedeutet das?

Die Menschheit verbraucht mehr Wasser, als sich auf natürliche Weise erneuert – wir steuern auf einen Wasserbankrott zu. Allein die globalen wirtschaftlichen Schäden durch Dürren belaufen sich schon heute auf 307 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Auch in früheren Jahrzehnten gab es in vielen Weltgegenden Trockenheit und Dürren, aber auf einen vorübergehenden Mangel folgte meist die Erholung. Diese Regel gilt nicht mehr. Selbst in Deutschland, eigentlich eine wasserreiche Gegend, wird die Situation kritischer.

Wie viele Menschen leiden unter Wassernot?

Jeder vierte Mensch – und damit mehr als zwei Milliarden Menschen – lebt laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation und von UNICEF noch immer ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser. Dabei sind besonders Frauen und Mädchen von der Wasserkrise betroffen. Zwar sank der Anteil zwischen 2015 und 2024 von 32 auf 26 Prozent, doch ohne entschlossenes Gegensteuern drohen ernste Konflikte um diese lebenswichtige Ressource. Der Mangel hat Gründe: Die Erde erwärmt sich, die Weltbevölkerung wächst, und Landwirtschaft und Industrie benötigen immer mehr Wasser.

Ist Wasser nicht ein Menschenrecht?

Ja, tatsächlich erklärte die UN-Vollversammlung Wasser im Jahr 2010 zu einem Menschenrecht, weil ohne das Element kein Leben möglich ist. 2015 präzisierte sie die Entscheidung. Demnach hat jede Person das Recht auf Zugang zu sauberem und bezahlbarem Wasser in ausreichender Menge. Auch eine sichere, hygienische, würdevolle und bezahlbare Sanitärversorgung mit Toiletten und Waschbecken ist seitdem ein Menschenrecht. Zuständig für die Umsetzung eines grundsätzlichen Zugangs zu Wasser sind die Einzelstaaten. Das bedeutet allerdings nicht, dass diese allen Menschen Wasser rund um die Uhr und kostenlos bereitstellen müssen.

Zwei Frauen an einer Handwasserpumpe in einer trockenen, sandigen Landschaft, eine sitzt neben Metallwasserbehältern und die andere trägt einen gestapelten Behälter auf dem Kopf.
Gerade in ländlichen Regionen sind Menschen vielerorts noch auf weit entfernte Brunnen angewiesen.

Wo ist das Menschenrecht noch nicht verwirklicht?

75 Prozent der Weltbevölkerung leben bereits heute in Ländern mit Wasserunsicherheit. Vor allem im Globalen Süden leiden Menschen unter Wassermangel und dort mehr auf dem Land als in der Stadt, weil häufig die Infrastruktur fehlt und die Bevölkerung zum Beispiel auf weit entfernte Brunnen angewiesen ist. Laut UN-Angaben sind besonders Länder in Nordafrika und Westasien von Wasserstress betroffen, das heißt, sie verfügen über zu wenig eigene Ressourcen. Die Liste der wasserärmsten Länder führen Golfstaaten wie Kuwait und Saudi-Arabien an, aber auch Libyen, Jemen, Jordanien, Pakistan, Ägypten, Sudan sowie Turkmenistan und Usbekistan finden sich auf den vorderen Plätzen. Alle bisherigen Fortschritte genügen nach UN-Angaben noch nicht, um das Ziel für nachhaltige Entwicklung SDG 6 – „sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen für alle“ – bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Die Investitionen müssten sich allein beim Trinkwasser versechsfachen.

Was soll auf der dritten Weltwasserkonferenz beschlossen werden?

Die dritte UN-Wasserkonferenz findet Anfang Dezember 2026 in den Vereinigten Arabischen Emiraten statt. Sie soll einen Appell an die internationale Gemeinschaft richten, die Menschenrechte auf Wasser und Sanitärversorgung noch bis 2030 zu realisieren und dafür die Anstrengungen zu verstärken. Wenn zu wenig passiert, riskieren wir neue Hungersnöte, Fluchtbewegungen oder Konflikte. Doch Fortschritte hängen von zusätzlichen Mitteln ab. Da öffentliche Budgets in vielen Geberländern knapp sind, werden auch neue Finanzierungsmodelle unter Beteiligung der Privatwirtschaft Thema der Konferenz sein.

Wie stärkt Deutschland die globale Wassersicherheit?

Deutschland setzt sich dafür ein, Wasser in der internationalen Politik mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Entsprechend richtet der neue Reformplan des BMZ von Anfang 2026 die internationale Zusammenarbeit stärker auf Wasserthemen aus. Dabei soll die Zusammenarbeit mit Unternehmen mehr Gewicht erhalten, sowohl in den Partnerländern als auch mit Blick auf die deutsche Wirtschaft. Gerade im Wasserbereich haben deutsche Firmen viel zu bieten – bei Technologien, Betrieb und Effizienz. Das Ziel: die deutsche Wirtschaft und die internationale Zusammenarbeit bei Wasserprojekten stärker zu verzahnen.

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