Wasser- und Sanitärversorgung gewährleisten

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Institutionelle Entwicklung des Wassersektors IV – Sicherstellung der Grundversorgung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Jemen
Gesamtlaufzeit: 2020 bis 2023

Ausgangssituation

Jemen ist eines der wasserärmsten Länder der Welt. Die ohnehin schon kritische Versorgungssituation hat sich durch den seit März 2015 im Land herrschenden Krieg dramatisch verschlechtert. Große Teile der Infrastruktur sind beschädigt und die Stromversorgung ist weitgehend ausgefallen. Daher können Trinkwasserpumpen sowie Abwasseranlagen häufig nur noch mit Notstromaggregaten betrieben werden.

Mehr als 20,5 Millionen Jemenit*innen waren 2020 auf humanitäre Hilfe angewiesen. 17,8 Millionen hatten keinen Zugang zu einer ausreichenden Trinkwasser- und Sanitärversorgung.

Die städtischen Wasser- und Abwasserunternehmen (WAU) haben daher große Schwierigkeiten, die Bevölkerung zu versorgen, und stehen kurz vor dem Zusammenbruch: Sie sind finanziell und personell geschwächt und können wichtige Verwaltungsabläufe nicht mehr sicherstellen. Zudem haben sie  keine ausreichenden materiellen und personellen Ressourcen, um die zerstörte Infrastruktur zu warten und zu rehabilitieren. Um die krisenbedingten Herausforderungen zu bewältigen, benötigen die WAU Unterstützung durch humanitäre Akteure und Entwicklungspartner.

Gleichzeitig droht Jemen langfristig eine noch größere Wasserkrise: Mit dem Kriegsausbruch wurden Maßnahmen zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Wasserressourcen überwiegend ausgesetzt – zugunsten von Nothilfemaßnahmen für die Grundversorgung der Bevölkerung. Durch die fortschreitende Wasserknappheit ist jedoch vermehrt mit Ressourcenkonflikten zu rechnen. Diese könnten den bestehenden bewaffneten Konflikt weiter verschärfen. Um dem entgegenzuwirken, ist es dringend notwendig, Nothilfemaßnahmen um nachhaltigere Ansätze zur Krisenbewältigung und zur Förderung der Widerstandskraft zu ergänzen.

Ziel

Die Wasser- und Abwasserunternehmen im Jemen erhalten die Wasser- und Sanitärversorgung für die Bevölkerung aufrecht – trotz des herrschenden Krieges.

Vorgehensweise

Um seine Ziele zu erreichen, fördert das Projekt die Widerstandskraft und die Fähigkeiten der Beteiligten im Bereich der Wasser- und Sanitärversorgung. Es agiert dabei in drei Handlungsfeldern:

Planungs- und Monitoringinstrumente einsetzen:
Das Projekt unterstützt die jemenitischen Wasserbehörden durch eine Schadenserhebungsstudie, die den aktuellen Zustand der Wasser- und Abwassersysteme erhebt. Auf der Basis der Ergebnisse werden Investitions- und technische Unterstützungspläne zur Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der Wasser- und Sanitärversorgung entwickelt. Dies betrifft alle größeren Städte im Jemen und insgesamt rund neun Millionen Einwohner*innen. Darüber hinaus unterstützt das Projekt die Wasser- und Abwasserunternehmen dabei, krisenbezogene Leistungsindikatoren zu erheben, zu überarbeiten und auszuweiten. Auch bei der Pflege und Nutzung der Datenbanken, über die diese Indikatoren überwacht werden, erhalten die Unternehmen Unterstützung.

Wasser- und Abwasserunternehmen widerstandsfähiger machen:
Um die Krisenanfälligkeit der Unternehmen zu reduzieren, verbessert das Projekt durch unterschiedliche Maßnahmen deren Einnahmen, Leistungsfähigkeit und Betriebseffizienz. Darüber hinaus unterstützt das Projekt deren Frauenabteilungen dabei, einen gendersensiblen Aktionsplan zu erstellen und umzusetzen. Dieser zielt unter anderem darauf ab, berufstätige Frauen in ihren Rollen zu stärken.

Fähigkeiten lokaler Akteur*innen entwickeln:
Die Beteiligten sollen krisengerechte Trinkwasser- und Sanitärversorgungsmaßnahmen besser planen und umsetzen können. Dabei geht es zum Beispiel darum dieselbetriebene Generatoren durch Solarzellen zu ersetzen, Regenwasser zu sammeln statt Tanklastwagen einzusetzen, Spültoiletten  durch wassersparende Trockentoiletten zu ersetzen sowie Biogas- oder Pflanzenkläranlagen zur Abwasserbehandlung- und -nutzung zu bauen. Dafür werden Handreichungen und Fortbildungsmodule ausgearbeitet, Demonstrationsmaßnahmen durchgeführt, Projektvorschläge entwickelt und Trainings umgesetzt.

Stand: April 2021

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