Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in Lateinamerika (ComVoMujer)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in Peru, Ecuador, Bolivien und Paraguay
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Politischer Träger: Ministerium für Frauen und vulnerable Bevölkerungsgruppen, Peru
Land: Peru, Ecuador, Bolivien und Paraguay
Projektlaufzeit: 2014 bis 2017

Lateinamerika. Als Abschluss der Teilnahme am Kinder-Lernparcours „Mitmachen macht Mut – MamMut“, malen Kinder Plakate mit Botschaften gegen Gewalt an Frauen. © GIZ
Ausgangssituation

Geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen ist in Bolivien, Ecuador, Peru und Paraguay noch immer weit verbreitet. Schätzungen zeigen, dass 30 bis 50 Prozent der Frauen in der Region körperlicher Gewalt durch ihre Partner ausgesetzt sind (WHO 2010). Alle Partnerländer haben sich der Prävention, Bekämpfung und Bestrafung von Gewalt gegen Frauen verpflichtet, maßgebliche internationale Konventionen ratifiziert sowie nationale Gewaltschutzgesetze und Aktionspläne in Kraft gesetzt. Der geringe Informations- und Erfahrungsaustausch sowie die mangelnde Artikulation zwischen staatlichen, nichtstaatlichen und privatwirtschaftlichen Akteuren erschweren jedoch die Umsetzung bestehender Gesetze und Pläne.

Ziel
Staatliche, nichtstaatliche und privatwirtschaftliche Akteure in der Region kooperieren bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen.

Vorgehensweise
Das Vorhaben arbeitet in zwei Handlungsfeldern:

  1. Verbesserung des Erfahrungsaustausches und der Kooperation zwischen regionalen und nationalen Akteuren
  2. Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft

Durch Kampagnen, die Durchführung von Studien und die Verbreitung von Informationen wird ein Prozess des gesellschaftlichen Umdenkens unterstützt, der Gewalt gegen Frauen ablehnt. Gemeinsam durchgeführte Präventionsmaßnahmen von staatlichen, nichtstaatlichen und privatwirtschaftlichen Partnern sowie Universitäten und Medien wirken auch gleichzeitig innerhalb der Organisationen.

Wirkungen

  • Von wissenschaftlichen Studien zum Gütesiegel für gewaltfreie Unternehmen
    Gemeinsam mit Partnern wurden in allen vier Ländern wegweisende Studien zu den Kosten für Unternehmen durch Partnergewalt an Frauen durchgeführt. Mit den alarmierenden Zahlen wurde nicht nur das Interesse von Unternehmen geweckt, sondern auch die Zusammenarbeit mit staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren initiiert. Ein Ergebnis ist unter anderem die Einführung des staatlichen Gütesiegels „Sicheres Unternehmen frei von Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen“ in Peru und Paraguay.
  • Mit einer App Gewalt gegen Frauen verhindern
    Mehr als 400 Unternehmen in der Region setzen zahlreiche Maßnahmen um, zum Beispiel Kampagnen und Fortbildungen, und erstellen Handbücher zum Umgang mit Gewalt an Frauen. Durch eine besonders erfolgreiche Kooperation zwischen Ecuadors größtem Telekommunikationsunternehmen und ComVoMujer entstand die in allen Mobiltelefonen des Unternehmens vorinstallierte Smartphone-App „Junt@s“ („Zusammen“). Frauen können so mit nur einem Knopfdruck die Notfallzentrale oder eine vertraute Person alarmieren.
  • Mittels Online-Zertifizierung Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fortbilden
    Die Online-Zertifizierung „Sicheres Unternehmen“ hat sich als sehr effizientes Mittel bewährt, um möglichst viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Unternehmensbereichen fortzubilden. In mehr als 35 Unternehmen, Organisationen sowie bei der GIZ in Peru und Ecuador haben sich bisher mehr als 7.200 Personen zertifizieren lassen.
  • Briefe von Frauen – wortgewaltig statt gewalttätig
    Seit 2011 läuft die Anti-Gewalt-Kampagne „Cartas de Mujeres“ in der Region. In mehr als 44.000 gesammelten Briefen haben betroffene Frauen, Männer und Kinder ihrem Schmerz Ausdruck verliehen und sich dadurch in der Öffentlichkeit und bei den politisch Verantwortlichen Gehör verschafft.
  • Der Kinder-Lern-Parcours „Mitmachen macht Mut“
    ComVoMujer hat einen Parcours zur Gewaltprävention für Mädchen und Jungen von 6 bis 9 Jahren entwickelt, der nicht nur in den Partnerländern, sondern auch in Deutschland auf großes Interesse gestoßen ist. So wurden bisher rund 10.000 Kinder spielerisch an das Thema Gewalt gegen Frauen herangeführt sowie etwa 1000 Lernbegleiterinnen und -begleiter ausgebildet.
  • Das Schweigen brechen – Frauenmorde in Lateinamerika
    Mord an Frauen, nur weil sie Frauen sind, hat einen Namen: Feminizid. In Lateinamerika kommen Feminizide besonders häufig vor. Gemeinsam mit der Deutschen Welle wurde deshalb die Reportage „Das Schweigen brechen“ gedreht und seit 2014 jährlich auf Spanisch, Deutsch, Englisch und Arabisch international und in der Region ausgestrahlt.
Lateinamerika. Eine ganze Region schloss sich der Prävention von Gewalt an Frauen an: Zum Abschluss einer Kampagne in San Martín, einer Region im Norden Perus, demonstrierten Menschen am Internationalen Tag zur Bekämpfung von Gewalt an Frauen. © GIZ

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Weitere Informationen

Kontakt

Christine Brendel
christine.brendel@giz.de