Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in Lateinamerika (ComVoMujer)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in Peru, Ecuador, Bolivien und Paraguay
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Peru, Ecuador, Bolivien und Paraguay
Projektlaufzeit: 2009 bis 2016

Ausgangssituation
Geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen ist in der Andenregion und Paraguay noch immer weit verbreitet. Schätzungen zeigen, dass 30 bis 50 Prozent der Frauen in Bolivien, Peru und Ecuador körperlicher Gewalt durch ihre Partner ausgesetzt sind (WHO 2010).

Alle Länder der Andenregion sowie Paraguay haben sich der Prävention, Bekämpfung und Bestrafung von Gewalt gegen Frauen verpflichtet, maßgebliche internationale Konventionen ratifiziert sowie nationale Gewaltschutzgesetze und Aktionspläne gegen geschlechtsspezifische Gewalt in Kraft gesetzt. Der geringe Informations- und Erfahrungsaustausch sowie die mangelnde Artikulation zwischen staatlichen, nicht staatlichen und privatwirtschaftlichen Akteuren erschweren jedoch die Umsetzung bestehender Gesetze und Aktionspläne.

Ziel
Staatliche, nicht staatliche und privatwirtschaftliche Akteure in der Region kooperieren bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen.

Vorgehensweise
Das Vorhaben arbeitet in zwei Handlungsfeldern:

  1. Verbesserung des Erfahrungsaustausches und der Kooperation zwischen regionalen und nationalen Akteuren
  2. Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft

Das Vorhaben nutzt mehrere Strategien. Durch Kampagnen, Medienbeteiligung, Studien und Informationen werden soziokulturelle Denk- und Verhaltensmuster beeinflusst, die Gewalt gegen Frauen und die gesellschaftliche Ungleichheit der Geschlechter legitimieren. Verschiedene staatliche, nicht staatliche und privatwirtschaftliche Akteure werden bei der Umsetzung von präventiven Ansätzen unterstützt und durch zielgruppenorientierte, partizipative Bearbeitung des Themas geschult.

Wirkungen – Was bisher erreicht wurde

  • Länder lernen voneinander
    Die mit den Wasserversorgungsunternehmen in Peru begonnene Präventionskampagne „Dreh der Gewalt an Frauen den Hahn zu“ wurde in Bolivien, Paraguay und Ecuador übernommen. In Peru wurden 15 Millionen, in Paraguay und Bolivien über 1 Million Menschen bis Ende 2012 erreicht. Die Kampagne wurde in Ecuador wiederholt, wo sie mehr als eine halbe Menschen erreichte.
  • Neue regionale Dialoge reflektieren die Interessen indigener und afroamerikanischer Frauen
    Die Regionalkonferenz „Vom Austausch zur Veränderung“ 2012 in Lima, Peru, war ein wichtiger Meilenstein in der Kooperation der Counterparts von ComVoMujer. Beim Treffen des Consejo Asesor Andino de Altas Autoridades de la Mujer e Igualdad de Oportunidades (CAAAMI) wurde eine gemeinsame Erklärung zum Thema Gewalt gegen Frauen abgegeben, die explizit auch die Bedürfnisse indigener und afroamerikanischer Frauen in ländlicher Gegenden beinhaltete.
  • Frauen haben ein Recht auf ein gewaltfreies Leben
    Nach dem Regionaldialog „Stimmen der Würde“ indigener Führerinnen aus den Programmländern, sowie einem Hearing südamerikanischer indigener Führerinnen und der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS), wurde die Erklärung für das Recht von Frauen auf ein gewaltfreies Leben in die politischen Agenden der Organisationen aller Beteiligten aufgenommen.
  • Von der wissenschaftlichen Studie zum Gütesiegel für gewalt-und diskriminierungsfreie Unternehmen
    Zusammen mit der peruanischen Universität San Martin de Porres ermittelten wegweisende Studien die Kosten für Unternehmen durch Partnergewalt an Frauen. Mit den alarmierenden Zahlen wurde das Interesse von Unternehmen in der Andenregion und Paraguay geweckt sowie die Zusammenarbeit mit staatlichen und nicht staatlichen Akteuren aktiviert. Das peruanische Frauenministerium führte das Gütesiegel „Sicheres Unternehmen frei von Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen“ ein, das erstmals im Dezember 2013 an 6 Firmen verliehen wurde.
  • Zusammenarbeit mit dem Privatsektor
    Mehr als 100 Unternehmen und 4 Unternehmensgremien setzten zahlreiche Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen um: nationale Kampagnen mit dem ecuadorianischen Blumensektor, der Telefongesellschaft VIVA in Bolivien und dem Pharmaunternehmen Bagó in Peru sowie Schulungsmaßnahmen in Betrieben, die mehr als 5.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erreichten.
  • Öffentlichkeitsarbeit – Worte die Leben verändern
    Die Kampagne „Cartas de Mujeres“ (Briefe von Frauen) war eine beispielhafte Zusammenarbeit aller gesellschaftlichen Gruppen: 15.000 Briefe in Peru und 11.000 Briefe in Ecuador machten Erfahrungen und Reflexionen zu Gewalt an Frauen von Männern, Kindern und Frauen öffentlich und klagten an.
  • Gewalt gegen Frauen als Thema politischer Agenden, Pläne und Gesetzesvorhaben
    In Bolivien wurde, gemeinsam mit anderen Akteuren, die Verabschiedung von zwei wichtigen Gesetzen erreicht und diese bekannt gemacht: dem integrierten Gewaltschutzgesetz für Frauen sowie dem Gesetz gegen politische Verfolgung und Gewalt an Frauen in politischen Ämtern.
    Die Regionalregierung von Ica, Peru, hat zusammen mit ComVoMujer einen Gewaltschutzplan als Teil des regionalen Entwicklungsplans erarbeitet.
    In Ecuador wurden verschiedene Frauenorganisationen bei der Präsentation eines Gesetzentwurfes zum Thema Gewalt an Frauen in politischen Ämtern unterstützt.

Siegel 'Sicheres Unternehmen, frei von Gewalt und Diskriminierung gegenüber Frauen'

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Weitere Informationen

Kontakt

Christine Brendel
christine.brendel@giz.de