Nachhaltige und klimasensible Landnutzung für die wirtschaftliche Entwicklung in Zentralasien

Projektkurzbeschreibung

Titel: Nachhaltige und klimasensible Landnutzung für die wirtschaftliche Entwicklung in Zentralasien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2019

Usbekistan: Eine Sanddornplanzung © GIZ

Ausgangssituation

Zentralasien leidet stärker als die meisten anderen Weltregionen unter den Folgen des Klimawandels. 80 Prozent Zentralasiens sind aride Gebiete. Es ist damit zu rechnen, dass sich Wüsten und Trockengebiete weiter ausbreiten, was mit einem überdurchschnittlichen Temperaturanstieg und Wassermangel einhergehen wird. Natürliche Ressourcen wie Weideflächen, Wälder und Wildtiere sind bereits knapp und sind durch unsachgemäße Nutzung erheblich unter Druck geraten. Die Menschen in der Region haben nur ein gering ausgeprägtes Bewusstsein für die nachhaltige Nutzung dieser Ressourcen und für die Umsetzung entsprechender Strategien. Infolgedessen besteht die Gefahr, dass die Ressourcen kurz- bis mittelfristig degradiert werden, so dass Biodiversität verloren geht. Dies wiederum dürfte die Armut im ländlichen Raum verschärfen. Die Regierungen der zentralasiatischen Länder haben diese Gefahren inzwischen erkannt, doch ihnen fehlen die zur Lösung der Probleme notwendigen Kapazitäten und Ressourcen.

Ziel

Landnutzer, staatliche Stellen und die Privatwirtschaft in Zentralasien führen wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige, integrierte Formen der Landnutzung ein und berücksichtigen dabei den Klimaschutz.

Kirgisistan, Yssykköl-Region Auf einer Studienfahrt besuchen Förster aus Tadschikistan und Usbekistan das Forstunternehmen Balykchy und diskutieren über Besonderheiten beim Beschneiden der Pflanzen © GIZ

Vorgehensweise

Teilweise führt das Programm die Maßnahmen eines Vorgängerprogramms zur nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen Zentralasiens fort und entwickelt regional angepasste Strategien für eine partizipatorische und nachhaltige Flächenbewirtschaftung. Inzwischen hat sich der Schwerpunkt des Programms verschoben und liegt nun auf der Integration verschiedener Formen der Landnutzung (z. B. Bewirtschaftung von Weide- und Waldflächen) sowie deren wirtschaftlicher Bewertung auf Makro- und Mikroebene. In Zusammenarbeit mit mehreren anderen Projekten in Zentralasien reichen die Programm-Maßnahmen von der direkten Unterstützung für Gemeinden und den intersektoralen politischen Dialog bis hin zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und regionaler Partnerschaften.

Das Programm ist auf sechs Gebieten tätig:

  • Wälder: Im Rahmen eines Konzepts zur gemeinsamen Bewirtschaftung verpachtet die nationale Forstbehörde Land an private Pächter, die die Flächen nachhaltig nutzen. Das Programm unterstützt Einzelpersonen und nationale Institutionen beim Abschluss von Pachtverträgen und der Gestaltung integrierter Bewirtschaftungspläne. Dabei führt das Programm fachliche Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen durch, die sich sowohl an die Pächter als auch an die Mitarbeiter der Forstverwaltung richten, und fördert die Wiederaufforstung degradierter Flächen.
  • Weideflächen: Um die Nutzer zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Weideflächen zu ermutigen, fördert das Programm in der Region den Austausch von Erfahrungen und lokal angepassten Problemlösungsstrategien. Außerdem sensibilisiert das Programm die Nutzer von Weideflächen für das Nachhaltigkeitskonzept, unterstützt Weidekomitees und fördert den Dialog zwischen Landnutzern sowie lokalen und zentralstaatlichen Behörden.
  • Umweltökonomie: Das Programm unterstützt die Partner bei Bewertung von natürlichen Ressourcen und Ökosystemdienstleistungen und führt zu diesem Zweck Kosten-Nutzen-Analysen für die verschiedenen Formen der Landnutzung durch. Dabei werden der Degradierung von Land durch menschliche Aktivitäten die Vorteile einer nachhaltigen Landbewirtschaftung gegenübergestellt. Auf nationaler Ebene wird die Umweltökonomie als Maßnahme eingeführt, die das Zusammenspiel zwischen der Umwelt und der Wirtschaftstätigkeit in jedem Land offenlegt. Im Rahmen des Programms werden die dafür zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der wirtschaftlichen Bewertung des Umweltaspekts der Landnutzung geschult. Dadurch sollen politische Entscheider in die Lage versetzt werden zu erkennen, welche Formen der Landnutzung ökonomisch und ökologisch nachhaltig sind.
  • Anpassung an den Klimawandel: Die Partner in allen Ländern werden in Bezug auf die Erstellung und Überarbeitung ihrer Klimaschutzpläne beraten. Das Programm testet landesspezifische Herangehensweisen an eine ökosystembasierte Anpassung. Außerdem werden die auf nationaler Ebene politischen Entscheidungsträger bei den internationalen Klimaschutzverhandlungen und der Vorbereitung einer internationalen Klimafinanzierung unterstützt.
  • Wissensmanagement: Das Programm hat ein neues Tool für das regionale Wissensmanagement in die Plattformen seiner sechs Partner in Zentralasien integriert. Das Tool mit dem Namen K-Link verknüpft automatisch alle ihre online verfügbaren Umweltinformationen und bietet so allen Ländern einen leichteren Zugang zu Wissen.
  • Umweltbildung und Sensibilisierung: Im Zusammenarbeit mit der American University of Central Asia unterstützt das Programm die Entwicklung von Curricula, die darauf ausgerichtet sind, in der jungen Generation die für eine sinnvolle Landnutzungsplanung und die Anpassung an den Klimawandel erforderlichen Kapazitäten aufzubauen. Außerdem leistet das Programm einen Beitrag zu Fernsehsendungen, die bei Kindern und Jugendlichen ein Bewusstsein für eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen schaffen sollen.

Wirkung

In Kirgisistan begann im Juni 2015 die pilothafte Umsetzung der Reformen des Waldsektors. Sechs Forstunternehmen testen nun innovative und angepasste Mechanismen für eine dezentrale, partizipatorische Bewirtschaftung. Die Maßnahmen werden auf nationaler Ebene vom Koordinations- und Beirat abgestimmt, in dem staatliche und internationale Organisationen sowie die Zivilgesellschaft vertreten sind.

Die Kommission für Forst und Fauna im kasachischen Landwirtschaftsministerium hat mit der Entwicklung von Mechanismen zur Förderung privater Aufforstungsinitiativen begonnen.

In den usbekischen Regionen Samarkand und Kaschka-Darja haben Forstunternehmen zu Demonstrationszwecken zwei Gebiete ausgewählt, in denen im Rahmen eines Pilotprojekts Sanddorn angepflanzt wird. Diese Kulturpflanze bietet den Einheimischen die Möglichkeit Rohstoffe für pharmazeutische Zwecke zu erzeugen und neben den Früchten der Pflanze auch Sanddornöl zu verkaufen. Dadurch können sich die Menschen neue Einkommensquellen erschließen.

Das tadschikische Netzwerk für Weidemanagement bringt in- und ausländische Stakeholder, darunter staatliche und nicht staatliche Experten und Praktiker, miteinander in Kontakt. Die Plattform dient als Dialogforum und fördert den Wissensaustausch zwischen ihren Mitgliedern.

Im Rahmen der Initiative Economics of Land Degradation hat das Programm in enger Zusammenarbeit mit staatlichen Forschungseinrichtungen in allen fünf zentralasiatischen Ländern Analysen zur Bewertung der Auswirkungen der Flächendegradierung durchgeführt. Diese haben gezeigt, dass sowohl die Wirtschaft als auch die Bevölkerung der Region von einer nachhaltigen Flächenbewirtschaftung erheblich profitieren.

Tadschikistan, Duschanbe Sitzung des nationalen Netzwerks der Weidenutzerorganisationen © GIZ

Das regionale Weidenetzwerk nahm im März 2016 seine Arbeit als Plattform für den Informationsaustausch auf. Alle Mitglieder haben Zugriff auf das ebenso moderne wie komfortable Online-Datenmanagementsystem sowie Tools wie K-Link, die von dem Programm entwickelt wurden. Die Consultingfirma AFC unterstützt die Umsetzung des Vorhabens.