Perinatale Gesundheit in Kirgisistan

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung der perinatalen Gesundheit in Kirgisistan
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kirgisistan
Politischer Träger: Gesundheitsministerium der Kirgisischen Republik
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2018

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Ausgangssituation

Kirgisistan ist eines von weltweit zwei Dutzend Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen, die das Millenniums-Entwicklungsziel 4 erreicht und die Kindersterblichkeit von 65 Todesfällen auf 100.000 Lebendgeburten im Jahr 1990 auf 21 Todesfälle je 100.000 Lebendgeburten im Jahr 2015 gesenkt haben. Bei der Verringerung der Müttersterblichkeit wurden jedoch deutlich geringere Fortschritte erzielt. Derzeit weist Kirgisistan eine der höchsten Müttersterblichkeitsraten Osteuropas und Zentralasiens auf.

Trotz der Entschlossenheit der kirgisischen Regierung, in diesem Punkt Verbesserungen zu erzielen, stellt die Senkung der Mütter- und Kindersterblichkeitsraten nach wie vor eine Herausforderung dar. So fehlt es an ausreichend qualifiziertem Personal, um Frauen in einer Hochrisikoschwangerschaft sowie schwer kranke Früh- und Neugeborene angemessen zu versorgen. Sowohl die Diagnose- als auch die Therapiemöglichkeiten sind begrenzt und werden hauptsächlich für schwer kranke Mütter und Neugeborene eingesetzt. Abgesehen davon funktioniert das System zur Überweisung von Patientinnen und Patienten zwischen den verschiedenen Ebenen des Gesundheitssystems nicht so wie vorgesehen. Wie aus verschiedenen Länderberichten hervorgeht, wären die meisten mütterlichen Sterbefälle vermeidbar, doch führen institutionelle, personelle und organisatorische Einschränkungen dazu, dass viele Frauen keinen Zugang zu notwendigen perinatalen Präventions- und Notfallleistungen haben.

2011 haben Deutschland und Kirgisistan die Verbesserung der Gesundheit von Müttern und Kindern als Schwerpunkt für die Entwicklungszusammenarbeit benannt. In diesem Zusammenhang wurde zwischen den beiden Ländern der Aufbau eines nationalen Perinatalzentrums auf Grundlage des derzeit bestehenden Geburtshauses im nationalen Mutter-Kind-Gesundheitszentrum (NMCHC) in Bischkek vereinbart. Das künftige Perinatalzentrum soll die erste auf Schwangere und Neugeborene spezialisierte Einrichtung des Landes und ein Kompetenzzentrum für die Perinatalversorgung werden. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat sowohl Maßnahmen der finanziellen als auch der technischen Zusammenarbeit in Auftrag gegeben. Ziele sind der Aufbau und die Ausstattung des künftigen nationalen Perinatalzentrums sowie die Stärkung der entsprechenden Kapazitäten.

Ziel

Inzwischen wurden in der Programmregion die institutionellen, personellen und organisatorischen Voraussetzungen für eine bedarfsgerechte medizinische Versorgung von Frauen mit Hochrisikoschwangerschaften und schwer kranken Früh- und Neugeborenen geschaffen.

Vorgehensweise

Das von der GIZ durchgeführte Projekt Förderung der perinatalen Gesundheit in Kirgisistan fügt sich ein in das nationale Gesundheitsprogramm Den Sooluk (2012-2018) ein und unterstützt das kirgisische Gesundheitsministerium sowie das nationale Mutter-Kind-Gesundheitszentrum. Das GIZ-Projekt und das kirgisische Gesundheitsprogramm entwickeln und verbessern gemeinsam die Systeme, Prozesse und Verfahren, die für den Betrieb des nationalen Perinatalzentrums gemäß internationalen Standards benötigt werden. Dabei konzentriert sich das GIZ-Projekt auf drei Handlungsfelder:

Stärkung von Personalplanung und -gewinnung

In diesem Handlungsfeld sollen die Voraussetzungen für die Personalplanung, -gewinnung und -entwicklung in den Berufsgruppen geschaffen werden, die für das künftige nationale Perinatalzentrum relevant sind. Dazu gehören beispielsweise Mediziner, Krankenpfleger, Verwaltungsfachkräfte und Personal in unterstützender Funktion. Zu den Unterstützungsmaßnahmen zählen die Fort-/Weiterbildung der für das Personalmanagement verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums sowie des Zentrums für Kindergesundheit in den Bereichen Planung, Verwaltung und Finanzierung sowie die Formalisierung von transparenten und gendersensiblen Personalgewinnungs- und -managementverfahren.

Verbesserung der Qualität der Gesundheitsversorgung sowie der Management- und Unterstützungsleistungen

Im zweiten Handlungsfeld strebt das Projekt eine Verbesserung der Qualität in der Gesundheitsversorgung und im Management der Entbindungsklinik des nationalen Mutter-Kind-Gesundheitszentrums an. Zu diesem Zweck werden Mediziner, Krankenpfleger sowie Verwaltungsfach- und Hilfskräfte in den Grundlagen der multidisziplinären Teamarbeit in der Perinatalmedizin geschult, wobei der Schwerpunkt auf Patientenorientierung und Patientenrechten liegt. Darüber hinaus organisiert das Projekt eine unterstützende Supervision am Arbeitsplatz und bietet Möglichkeiten für den fachlichen Austausch, die mit Kooperationsvereinbarungen zwischen verschiedenen Krankenhäusern verbunden sind.

Stärkung des Überweisungssystems in der Perinatalversorgung

Im Rahmen des Projekts unterstützt die GIZ das Gesundheitsministerium und NMCHC bei der Bereitstellung der Informationen, die zur Anpassung des Überweisungssystems für Schwangere und schwer kranke Früh- und Neugeborene im Einzugsgebiet des Perinatalzentrums benötigt werden. Dazu müssen unter anderem die Stellung des neuen Perinatalzentrums innerhalb des nationalen Gesundheitssystems bestimmt und die Überweisungssystematik sowie die Logistik in der medizinischen Versorgung verbessert werden.

Wirkung

Die Förderung der perinatalen Gesundheit in Kirgisistan baut auf den Ergebnissen des Regionalprogramms Gesundheit in Zentralasien (2012-2015) auf und führt die von dem Regionalprogramm begonnene Arbeit fort. Die durch das Projekt der technischen Zusammenarbeit unterstützen Maßnahmen in den Bereichen Politikberatung und Capacity Development haben zu Verbesserungen bei der Organisation und Erbringung von Leistungen auf dem Gebiet der perinatalen Gesundheit beigetragen:

  • Überweisungssystem. Die Kriterien für die Überweisung von Patientinnen wurden so geändert, dass Hochrisikoschwangerschaften jetzt in Einrichtungen betreut werden, die hierfür über die bessere Ausstattung verfügen. Dadurch konnten die Überlebenschancen von Frühgeborenen erheblich verbessert werden. Darüber hinaus ist der Anteil an medizinisch indizierten Fällen im Mutter-Kind-Gesundheitszentrum in Bischkek gestiegen.
  • Infektionsverhütung. Bei der Verhütung, Kontrolle, Überwachung und Dokumentation von Krankenhausinfektionen von Müttern und Neugeborenen im Mutter-Kind-Gesundheitszentrum wurden ebenfalls Fortschritte erzielt.
  • Versorgungsqualität. Mit der technischen Unterstützung durch das Projekt hat sich das NMCHC zur führenden Einrichtung des Landes bei der Einführung von zwei Qualitätssicherungsinstrumenten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt: der vertraulichen Untersuchung von mütterlichen Sterbefällen (Confidential Enquiry into Maternal Death) sowie der Überprüfung von Beinahe-Todesfällen (Near-miss Case Review).