Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Bangladesch
Politischer Träger:
Ministry of Power, Energy, and Mineral Resources (MPEMR)
Gesamtlaufzeit: 2007 bis 2018

Ausgangssituation
Die zuverlässige und effiziente Lieferung moderner Energiedienstleistungen trägt entscheidend zur Armutsminderung sowie zur Beschleunigung der wirtschaftlichen Entwicklung bei. Bis 2021 soll Bangladesch ein Land mit mittlerem Einkommensstatus und flächendeckender Elektrifizierung werden. Voraussetzung dafür sind jedoch umfangreiche Investitionen, um die unzureichende Infrastruktur des Landes, insbesondere im Energiesektor, auszubauen. Da die Nachfrage nach Energie jedes Jahr um 10 Prozent zulegt, muss jetzt gehandelt werden, damit das Wirtschaftswachstum nicht abgewürgt wird. Um den rasanten Industrialisierungsprozess zu bewältigen sowie Industrie und Haushalte energieeffizienter zu machen, muss Bangladesch auf erneuerbare Energien setzen.

Engpässe in der Energieversorgung sind zurzeit eine der Hauptursachen dafür, dass die Wirtschaft des Landes ihr Wachstumspotenzial nicht ausschöpfen kann. Dies gilt insbesondere für den ländlichen Raum, dessen Bevölkerung auf eine zuverlässige Energieversorgung angewiesen ist, um am steigenden Wohlstand des Landes teilzuhaben. Die Regierung von Bangladesch ist sich dieses Problems bewusst und hat bereits verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Stromversorgung ergriffen. Derzeit verfügt das Land über Stromerzeugungskapazitäten von 13.000 Megawatt (Oktober 2016), 78 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zum öffentlichen Stromnetz. Bei Bedarfsspitzen können zurzeit bis zu 9.000 Megawatt (30. Juni 2016) bereitgestellt werden. Die Stromerzeugungskapazität pro Kopf beträgt 407 Kilowatt (August 2016). Dennoch sind ebenso zuverlässige wie erschwingliche und moderne Energiedienstleistungen für Haushalte und Industrie nach wie vor eine Herausforderung für das Land.

Lediglich rund sechs Prozent der Gesamtbevölkerung haben Zugang zu Erdgas, das hauptsächlich in den Ballungsräumen bezogen werden kann. Die übrige Bevölkerung ist zur Deckung ihres Energiebedarfs auf Biomasse angewiesen. Dazu zählen vor allem Holz, Briketts aus Biomasse, Kuhdung sowie Restbiomasse aus der Landwirtschaft. Dementsprechend werden 63 Prozent des Primärenergiebedarfs durch Biomasse gedeckt und etwa 35 Prozent aller Haushalte nutzen Feuerholz zum Kochen. Die Entwicklung nachhaltiger, zuverlässiger, effizienter und dezentraler Energiedienstleistungen aus erneuerbaren Energiequellen ist entscheidend für die Verringerung der Armut, die Verbesserung der öffentlichen Gesundheit und den Schutz der Umwelt.

Ziel
Die Voraussetzungen für die Verbreitung von erneuerbaren Energien und zur Steigerung der Energieeffizienz in Bangladesch sind geschaffen.

Eine Frau an einem Brunnen. © GIZ

Vorgehensweise
Das Programm wird vom Ministry of Power, Energy, and Mineral Resources (MPEMR) sowie vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH ist mit der Programmdurchführung beauftragt und berät das MPEMR bei der Verbesserung der rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen, einschließlich der Entwicklung von Strategien zur Förderung erneuerbarer Energien und der Formulierung von Regeln und Vorschriften für Energieeinsparungen.

Als einer der ersten Unterstützer der neu gegründeten Behörde zur Entwicklung nachhaltiger, erneuerbarer Energien (SREDA) hat das Programm die Schwerpunkte seiner Strategie auf den Ausbau der erneuerbaren Energien, die Steigerung der Energieeffizienz und die Formulierung von Konzepten für Nutzung und Verbreitung gelegt. Die Programmbeiträge – darunter Pilotmaßnahmen, um die Nachhaltigkeit des Marktes zu gewährleiten – umfassen Aktivitäten zur Stärkung der technischen und personellen Ressourcen sowie die Entwicklung innovativer Finanzierungsmechanismen und rechtlicher Rahmenbedingungen. Darüber hinaus arbeitet das Programm eng mit den Akteuren auf der Angebots- und der Nachfrageseite sowie mit Finanzinstitutionen und Aufsichtsbehörden zusammen.

Ziele des Programms sind:

  • Entwicklung der erforderlichen Rahmenbedingungen zur Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. Dies soll durch das politische Interessenvertretung sowie die Unterstützung der institutionellen Entwicklung der SREDA erreicht werden.
  • Entwicklung technischer, angepasster Lösungen für nachhaltige Energieversorgung; Entwicklung von Geschäftsszenarien durch erfolgreiche Pilotprojekte
  • Förderung der Marktakzeptanz von erfolgreichen Geschäftsmodellen durch Ausbau der Leistungsfähigkeit der Akteure, verbesserten Zugang zu Finanzierungen sowie Nutzen von dauerhaftem Eigentum
Bei der Entwicklung und Anpassung maßgeblicher Technologien arbeitet das Programm mit Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie mit staatlichen Programmen zusammen. Um die Verbreitung und Anpassung neuer Technologien zu beschleunigen, kooperiert die GIZ mit staatlichen Institutionen wie der Infrastructure Development Company Limited (IDCOL), zahlreichen regionalen Nichtregierungsorganisationen sowie kleinen und mittleren Unternehmen. Gleichzeitig sensibilisiert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Finanzinstitutionen wie die Zentralbank von Bangladesch, das Bangladesh Institute of Bank Management (BIBM) und Geschäftsbanken für den Bedarf an geeigneten Finanzierungsmechanismen, die erneuerbare Energien und eine Steigerung der Energieeffizienz fördern.

Außerdem kooperiert das Programm mit Organisationen wie dem britischen Department for International Development (DFID), der United States Agency for International Development (USAID), der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB), dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), der Global Alliance for Clean Cookstoves (GACC), der International Finance Corporation (IFC), der KfW Entwicklungsbank und der Weltbank.

Die GFA Consulting Group unterstützt die Umsetzung des Vorhabens im Bereich erneuerbare Energien.

Wirkungen
Das Programm hat entscheidend zur Gründung der staatlichen Behörde zur Entwicklung nachhaltiger, erneuerbarer Energien (SREDA) 2014 beigetragen. Dabei hat das Programm dafür gesorgt, dass die Behörde über die notwendige Leistungsfähigkeit zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben verfügt. Darüber hinaus hat sich das Programm stets für die Schaffung erforderlicher gesetzliche Rahmenbedingungen zur Förderung von erneuerbaren Energien und Energiespartechnik eingesetzt. Durch diese Maßnahmen wurde viel erreicht.

Bis jetzt hat die GIZ den Bau von etwa 1.500 Biogasanlagen auf Schlachthöfen, in Milchviehbetrieben und auf Geflügelfarmen gefördert. Die Anlagen erzeugen in gewerbsmäßigem Umfang Strom und stellen mittlerweile eine Kapazität von 5 Gigawatt bereit (Stand: Dezember 2013). Biogas ist eine wertvolle erneuerbare Energiequelle, denn damit lassen sich die Geruchsbelastung und der Verbrauch der üblicherweise zum Kochen verwendeten Biomasse verringern. Das Local Government Engineering Department (LGED) und die GIZ haben deshalb vor kurzem eine Vereinbarung über die Finanzierung von Versuchsanlagen geschlossen. Im Rahmen dieser Vereinbarung sollen in Shaheb Bazar in der Kommune Rajshahi und in Tongi in der Kommune Gazipur Biogasanlagen auf dem Gelände von Schlachthöfen entstehen. Um die Projekte voranzubringen, hat die GIZ mit den Stadtverwaltungen von Rajshahi und Gazipur jeweils eine Grundsatzvereinbarung unterzeichnet, in der sie sich zur technischen Unterstützung verpflichtet.

Seit 2010 hat die GIZ 122 alleinstehende, klimaverträgliche und kohlenstoffarme Solarpumpen zur Trinkwassergewinnung errichtet und so dafür gesorgt, dass mehr als 500.000 Menschen in sechs Küstendistrikten nachhaltig mit sicherem Trinkwasser versorgt werden. Darüber hinaus ist die GIZ auch das Problem der Binnenmigration angegangen und hat Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensverhältnisse und zur Sicherung von Umweltverträglichkeit aufgezeigt. Die GIZ will Akteure des privaten Sektors an der Verwaltung der Anlagen durch die Kommunen beteiligen, damit die Systeme nachhaltig betrieben werden. Die Solarpumpen zur Trinkwasserversorgung werden dem Department of Public Health Engineering (DPHE) übergeben.

In Keraniganj Upazilla hat die GIZ in einer Machbarkeitsstudie Möglichkeiten für energetische Abfallverwertung überprüft. Auf Grundlage dieser Studie setzt das Bangladesh Power Development Board (BPDB) derzeit ein Pilotprojekt um. Verläuft das Projekt erfolgreich, werden gegebenenfalls ähnliche Projekte in anderen Gebieten oder Kommunen auf den Weg gebracht. Dies würde den Primärenergieverbrauch deutlich verringern und große Vorteile für die Umwelt bringen.

2015 hat die GIZ im Rahmen des Energie-Contractings ein Pilotprojekt zum Einsatz von LED-Röhren in einer Fabrik für Konfektionsbekleidung durchgeführt. Es sollte gezeigt werden, dass LEDs großes Energieeinsparpotenzial bieten und Energie-Contracting auch für Bangladesch sinnvoll ist. Dabei wurde auch ein Standard definiert, um zu gewährleisten, dass die LEDs die Mindestanforderungen an die Beleuchtung von Textilfabriken erfüllen. Ferner hat das Programm Maßnahmen zur Finanzierung von Pilotprojekten durchgeführt, die die Kompetenzen der wichtigsten Akteure in Sachen Energie-Contracting erweitern sollen.

2014 hat die GIZ gemeinsam mit anderen Partnerorganisationen begonnen, die Nutzung von Kochstellen mit Wärmespeicherung zu fördern. Die GIZ fördert dazu die Kompetenzen die Hersteller, vor allem im Hinblick auf die Marktentwicklung, und schult die Anwender im Gebrauch der Kochstellen. Mit Unterstützung der GIZ haben sechs Hersteller inzwischen 15.000 Kochstellen gefertigt und etwa 14.000 davon verkauft. Seit 2014 konnten durch die effizienten Kochstellen etwa 1.900 Tonnen Öläquivalent eingespart werden. Im Vergleich zu herkömmlichen Kochstellen sind mit den von der GIZ geförderten, je nach Gargut, Brennstoffeinsparungen von bis zu 48 Prozent möglich. Gleichzeitig verkürzen die neuen Kochstellen die Garzeiten und verringern den CO2-Ausstoß sowie die Luftverschmutzung, wovon insbesondere Frauen profitieren.

Eine weitere Aktivität der GIZ in Bangladesch ist die Förderung verbesserter Anlagen für Parboiled-Reis. Nach dem Bau von 14 Demonstrationsanlagen in den 50 Reisverarbeitungs-Clustern des Landes sind nunmehr 75 Anlagen in Betrieb. 15 davon wurden mit Unterstützung der GIZ gebaut. Dank der technischen Unterstützung und der Maßnahmen zur Verbesserung der Ressourcen durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit wurden mehr als 50 Techniker für Dienstleistungen in den Reisverarbeitungs-Clustern geschult. Die Anlagen helfen, Energie zu sparen, und mindern die Gesundheitsbelastung am Arbeitsplatz, was vor allem Frauen zugutekommt.

In Bezug auf die Energiesituation hat die GIZ modellhaft ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zu einem Oberlicht für Industriehallen durchgeführt. Aus lokal verfügbaren Materialien soll ein kostengünstiges, an die individuellen Anforderungen angepasstes Oberlicht hergestellt werden, das Tageslicht in Fabrik- und Werkshallen hineinlässt. Ergebnis des Vorhabens war ein röhrenförmiges Oberlicht mit einem Durchmesser von 14 Zoll für die Baumwollindustrie und ein Oberlicht mit 22 Zoll Durchmesser für kleine und mittlere Unternehmen. Mithilfe dieser Neuentwicklungen können die Firmen jetzt zehn bis zwölf Stunden pro Tag das kostenlose Tageslicht nutzen und das Kunstlicht ausgeschaltet lassen. Die GIZ führt derzeit eine Marktstudie durch, um die Marktaussichten des Produkts zu prüfen.

Die GIZ hat eine weitere Machbarkeitsstudie durchgeführt, um die Energiesparziele des Energieministeriums zu unterstützen. In dieser Studie soll ermittelt werden, inwiefern die Abwärme aus Kraftwerken genutzt werden kann, um Strom für Wasser-Lithiumbromid-Absorptionskältemaschinen zu erzeugen, die an geeigneten Lagerstandorten aufgestellt sind. Die Ashuganj Power Station Company Ltd (APSCL) will die Empfehlungen dieser Studie für ein Pilotprojekt nutzen: Das Unternehmen will in der Nähe seines Kraftwerks ein Kühlhaus mit einer Lagerkapazität von 5.000 Megatonnen errichten, das mit der Abwärme der 50 Megawatt-Hubkolbenmotoren im Kraftwerk betrieben werden soll. Mithilfe neuer Technologien, Energiequellen und Kühlmethoden sollen wirtschaftliche Lösungen zur Modernisierung des Kühlsektors in Bangladesch entwickelt werden.

Die Beratungen der GIZ für das Partnerministerium haben zur Verbesserung der rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen im Energiesektor beigetragen. Insgesamt hat die deutsche Entwicklungszusammenarbeit nicht nur die Nutzung erneuerbarer Energien erfolgreich gefördert, sondern auch dazu beigetragen, dass Industrie und Haushalte immer mehr Energie einsparen.

 © GIZ

Kontakt

Mudabbir Anam
mudabbir.anam@giz.de