Erneuerbare Energie und Energieeffizienz

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Erneuerbare Energie und Energieeffizienz
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Bangladesch
Politischer Träger:
Ministry of Power, Energy, and Mineral Resources (MPEMR)
Gesamtlaufzeit: 2007 bis 2016

Ausgangssituation
Nur 53 Prozent der 160 Millionen Einwohner Bangladeschs sind an das Stromnetz angeschlossen, das von zahlreichen Stromausfällen betroffen ist. In den ländlichen Gebieten, in denen mehr als 70 Prozent der Bevölkerung leben, haben sogar nur 43 Prozent Zugang zur öffentlichen Stromversorgung. Lediglich 10 Prozent der Gesamtbevölkerung, überwiegend Bewohner der wenigen städtischen Ballungsräume des Landes, haben Zugang zu Erdgas. Die übrige Bevölkerung ist zur Deckung ihres Energiebedarfs auf Biomasse angewiesen. Dazu zählen vor allem Holz, Biomasse-Briketts, Kuhdung sowie Rest-Biomasse aus der Landwirtschaft, die die Menschen vor Ort sammeln. Der Primärenergiebedarf des Landes wird zu 68 Prozent durch Biomasse gedeckt, wobei mehr als 90 Prozent der Haushalte zum Kochen Holz als Brennstoff nutzen.

Laut der jüngsten Umfrage zu Einkommen und Ausgabeverhalten der Haushalte (Household Income and Expenditure Survey 2010) leben etwa 32 Prozent der Bevölkerung unterhalb der in Bangladesch geltenden Armutsgrenze. Der Weltbank zufolge mussten im selben Jahr 76 Prozent der Bevölkerung mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag auskommen. Aufgrund der wenig entwickelten Wirtschaft können sich viele Haushalte keine moderne Energieversorgung leisten. Sie sind auf ineffiziente, die Gesundheit gefährdende Kerosinlampen, umweltschädliche Trockenbatterien für Radios und überteuerte Dienstleistungen zum Aufladen von Mobiltelefonen angewiesen. Rauch und Ruß aus Kerosinlampen und traditionellen Herden verursachen Augen- und Atemwegserkrankungen. Gleichzeitig müssen mittelgroße und große Fabriken tagtäglich genügend Notstromkapazitäten vorhalten, um Stromausfälle überbrücken zu können. Kleine und kleinste Unternehmen stellen mit Einbruch der Dunkelheit die Produktion ein.

Die Entwicklung nachhaltiger, dezentraler Energiedienstleistungen, die eine zuverlässige und effiziente Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen gewährleisten, ist entscheidend für die Verringerung der Armut, die Verbesserung der öffentlichen Gesundheit und den Schutz der Umwelt.

Ziel
Haushalten und Unternehmen stehen eine Reihe dezentraler erneuerbarer Energiequellen zur Verfügung und die Energie wird effizienter genutzt. Immer mehr arme Familien können ihre gesundheitsschädlichen traditionellen Herde und Kerosinlampen ersetzen und müssen kein verunreinigtes Wasser mehr trinken.

Bangladesch. Im Solarbetrieb aufladbare Taschenlampe. © GIZ

Vorgehensweise
Das Programm „Erneuerbare Energie und Energieeffizienz“ wurde vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Auftrag gegeben. Es verfolgt einen Mehrebenenansatz und arbeitet mit einer Vielzahl von Partnern zusammen.

Der wichtigste Partner auf politischer Ebene ist das Ministerium für Energie und Bodenschätze. Die GIZ berät das Ministerium über Möglichkeiten zur Verbesserung der rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen für den Energiesektor. Dazu gehören die Entwicklung einer Energiepolitik und die Festlegung von Vorschriften und Regeln zur Energieeinsparung. Außerdem hat das Programm die neu gegründete Behörde für die nachhaltige Entwicklung des Energiesektors (SREDA) von Anfang an unterstützt.

Bei der Entwicklung und Anpassung wichtiger Technologien arbeitet das Programm mit Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Regierungsprogrammen zusammen. Zudem kooperiert es mit der Normen- und Teststelle des Landes bei der Entwicklung neuer Normen für energieeffiziente Elektrogeräte.

Um die Ausbreitung und Anpassung neuer Technologien zu beschleunigen, arbeitet die GIZ mit öffentlichen Institutionen zusammen, darunter die Infrastructure Development Company Ltd. (IDCOL), viele nichtstaatliche Organisationen der Region sowie kleine und mittlere Unternehmen. Gleichzeitig sensibilisiert das Programm die Finanzinstitutionen für den Bedarf an geeigneten Finanzierungsmechanismen, die erneuerbare Energien und eine Steigerung der Energieeffizienz fördern.

Das Programm kooperiert mit Organisationen wie dem britischen Department for International Development (DFID), der United States Agency for International Development (USAID), der Asian Development Bank (ADB), dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), der Global Alliance for Clean Cookstoves (GACC), der International Finance Corporation (IFC), der KfW Entwicklungsbank und der Weltbank.

Die Consultingfirma GFA unterstützt die Umsetzung des Vorhabens im Bereich Erneuerbare Energien.

Wirkungen
2003 startete IDCOL ein Programm für Solarkleinanlagen. Bis 2014 wurden mehr als 3 Millionen Anlagen installiert, etwa 420.000 von ihnen seit 2006 mit Unterstützung der GIZ. Mit diesem Programm, das weltweit zu den erfolgreichsten seiner Art zählt, wurde viel erreicht:

  • Handel und Handwerk erzielen höhere Einkünfte; Werkstätten und Geschäfte können auch nach Einbruch der Dunkelheit geöffnet bleiben.
  • Kommunale Gesundheitszentren können Impfstoffe und andere Arzneimittel gekühlt lagern.
  • Kinder können ihre Hausaufgaben jetzt auch abends erledigen.
  • Menschen im ländlichen Raum informieren sich per Mobiltelefon über die Marktpreise, die ihre Produkte erzielen, und halten Kontakt zu Verwandten in der Stadt oder im Ausland.

Mit Unterstützung der GIZ wurden auf Schlachthöfen, in Milchviehbetrieben und auf Geflügelfarmen rund 1.500 Biogasanlagen errichtet. Sie produzieren mittlerweile in gewerbsmäßigem Umfang Biogas zum Kochen und zur Stromerzeugung. Bis Dezember 2013 wurden mit Biogasanlagen etwa 5 Gigawattstunden Strom erzeugt. Durch den Einsatz von Biogas geht der Verbrauch traditionell zum Kochen verwendeter Biomasse zurück. Ein Nebenprodukt der Biogaserzeugung ist keimfreier Dünger, der hilft, die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. Etwa 100 Einrichtungen wie Internate und Madrassas (religiöse Schulen) nutzen inzwischen menschliche Exkremente zur Biogasgewinnung.

In enger Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Umwelt und Forstwirtschaft Bangladeschs hat die GIZ ein Schulungsprogramm eingeführt und gefördert, in dessen Rahmen 5.800 Ladenbesitzer den Bau von Herden erlernen und mehr als 1.200 freiwillige Helferinnen und 500 Werber die weitere Verbreitung verbesserter energieeffizienter Herde unterstützen. Dadurch konnten mittlerweile mehr als 1,58 Millionen Herde installiert werden. Je nach Bauweise, Betriebsdauer und Brennstoffqualität verbrauchen energieeffiziente Herde 30 bis 50 Prozent weniger Brennmaterial als herkömmliche Herde. Sie verfügen über einen Rauchabzug, der die Gesundheitsrisiken für Nutzer – überwiegend Frauen mit kleinen Kindern – erheblich verringert. Immer mehr Menschen interessieren sich für den Kochherd-Markt, der in Bangladesch entstanden ist.

Im Rahmen eines Pilotprojekts wurde in Reismühlen mit Erfolg ein verbessertes Garsystem für Parboiled-Reis eingeführt, bei dem der Reis teilweise in der Spelze gegart wird. Durch die Verbesserung des alten Systems konnte der Verbrauch von Reisspelzen um mehr als 50 Prozent gesenkt werden. Bislang haben 65 Reismühlenbesitzer das neue System eingeführt.

2010 begann man, teilweise in Zusammenarbeit mit dem Katastrophenschutzprogramm des bangladeschischen Ministeriums für Katastrophenschutz und Nothilfe, in Gegenden mit arsenbelastetem oder stark salzhaltigem Trinkwasser solarbetriebene Pumpen zur Trinkwasserversorgung zu installieren. Inzwischen gibt es 106 solcher Pumpen, die im Südwesten des Landes Haushalte mit sauberem Trinkwasser versorgen. Die bis jetzt errichteten Anlagen reinigen und verteilen bis zu 1,9 Millionen Liter Trinkwasser täglich. 2014 wurde mit dem Bau weiterer Anlagen begonnen. Ziel der GIZ ist es, gemeindebasiertes Management und Privatsektorbeteiligung miteinander zu verbinden, um sicherzustellen, dass die Anlagen nachhaltig bewirtschaftet werden.

Durch die Beratung des Ministeriums haben sich die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen im Energiesektor verbessert. So haben nicht nur Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien stärkere Verbreitung gefunden. Auch der Energieeffizienzgrad in Betrieben und Haushalten steigt stetig an.

 © GIZ

Kontakt

Mudabbir Anam
mudabbir.anam@giz.de