Förderung der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung in Kirgisistan
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kirgisistan
Politischer Träger: Ministerium für Wirtschaft (Ministry of Economy)
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2019

Eine Produzentin von Tomaten in Dshalal-Abad. Sie profitiert von der Wertschöpfungskette der Tomatenproduktion - angefangen vom Bauern über Verarbeitung und Absatz, da sie ihre Produkte zu fairen Preisen verkaufen kann. Foto: GIZ

Ausgangssituation

Die Unternehmenslandschaft in Kirgisistan besteht größtenteils aus Kleinst- und Kleinbetrieben. Die Landwirtschaft trug im Jahr 2015 zu 18 Prozent des Bruttoinlandproduktes in Höhe von 6,5 Milliarden Dollar bei. Rund 30 Prozent der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft. Die niedrige Produktivität der Landwirte und der verarbeitenden Betriebe führt zu geringer internationaler Wettbewerbsfähigkeit und geringen Einkommen bei gleichzeitiger Übernutzung der natürlichen Ressourcen. Die Integration in regionale und globale Wertschöpfungsketten ist nur über qualitativ hochwertige Produkte erreichbar. Neue Möglichkeiten zur Exportförderung bietet der Beitritt zur Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) und die Aufnahme in das Allgemeine Zollpräferenzsystem GSP+ der EU. Um diese Möglichkeiten nutzen zu können, muss das Land gesetzliche Rahmenbedingungen anpassen und Umweltrisiken vermindern. Darüber hinaus benötigen die Mitarbeitenden in Institutionen, Behörden und Unternehmen das erforderliche Wissen und die notwendigen Strukturen und Prozesse, um die notwendigen Verände-rungen in der Praxis umzusetzen. So erfordert die EAWU-Gesetzgebung beispielsweise in der lebensmittelverarbeitenden Industrie die Einführung von Qualitätsmanagementsystemen (QMS), die zugleich gesetzlicher Standard der EU für Lebensmittelsicherheit sind.

Politiken und Strategien zur Durchführung von Reformvorhaben, die auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit abzielen, sind bislang meist fragmentarisch und nicht konsistent. Zudem werden sie nur unzureichend umgesetzt und häufig nicht an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Privatwirtschaft ausgerichtet. Die Privatwirtschaft ist somit kaum in der Lage, sich an die neuen Anforderungen anzupassen. Sie kann die Potentiale für mehr Beschäftigung und höhere Einkommen ihrer Mitarbeitenden nicht realisieren, die durch Berücksichtigung von Elementen der Green Economy und sauberer Produktion entstehen könnten.

Ziel

Die Förderung einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung unter Berücksichtigung von Elementen der Green Economy führt zu höherem Einkommen und mehr Beschäftigung in Kirgisistan.

Vorgehensweise

Das Projektteam fördert Wertschöpfungsketten verschiedener Branchen und erhöht so deren Wettbewerbsfähigkeit. Im Bereich Agro-Ökotourismus, Viehzucht, Obst und Beeren, Walnüsse, Zuckerrüben vermittelt es durch Schulungen und Trainings Know-how. Technische und kaufmännische Weiterbildungen für Mitarbeitende der Handelskammer, von Fachverbänden und Akteuren aus Produktion, Logistik und Handel erhöhen deren Kompetenzen auch im Hinblick auf Ressourceneffizienz und Bio-Qualität. Messeauftritte ausgewählter Unternehmen, wie bei der Bio-Fach in Nürnberg, werden durch die Plattform Import Promotion Desk gefördert. Die Consulting AFC unterstützt die Wertschöpfungskettenförderung und Lebensmittelsicherheit.

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) der Schweiz unterstützt die Projektaktivitäten finanziell in der Provinz Dschalal-Abad. Dadurch ist es möglich, die wirtschaftliche Entwicklung in der Provinz zu fördern. Trainings und Schulungen für staatliche, zivilgesellschaftliche und privatwirtschaftliche Akteure erhöhen deren institutionelle und individuelle Kompetenzen. Das Projektteam organisiert unterschiedliche Dialogformate zwischen diesen Akteuren bis auf Gemeindeebene, auf denen auch Themen wie ökologische Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz angesprochen werden. Darüber hinaus fördert das Team Unternehmensdienstleistungen sowie „grüne“ Start-up Initiativen. Die Consulting GFA unterstützt diese Aktivitäten in Dschalal-Abad.

Das Projektteam berät Banken, auf die Bedürfnisse der Kleinst- und Kleinbetriebe und landwirtschaftliche Produzenten, zugeschnittene Finanzdienstleistungen zu entwickeln. So können sie kleine Kredite aufnehmen, um zu expandieren oder um ertragserhöhende landwirtschaftliche Produktionsmittel zu kaufen. Zudem wird die Umsetzung der nationalen Strategie für finanzielle Grundbildung unterstützt. Landwirte und Landfrauen werden in grundlegendem betriebs- und haushaltswirtschaftlichen Denken und Rechnen geschult.

Mit dem Wirtschaftsministerium erarbeitet das Projekt Reformen zugunsten ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltigen Wachstums, um die Transformation von einer konventionellen Wirtschaftsform zu Green Economy zu unterstützen. Dabei wird die Agentur für Investitions- und Exportförderung beraten und die Umsetzung der Nationalen Exportstrategie und der OECD-Wettbewerbsempfehlungen begleitet.

Mitarbeitende des Unternehmens “Farmers Organic Garden”: der Betrieb verarbietet lokale Produkte und führt internationale Standards für Lebensmittelsicherheit ein. © GIZ

Wirkungen

Die vom Projekt erzielten, sozial und ökologisch nachhaltigen Wirkungen leisten einen Beitrag zum Übergang zu Green Economy. So wurden im Agrotourismus 60 bäuerliche Haushalte geschult, internationale Gäste aufzunehmen und ressourcenschonende Dienstleistungen anzubieten. Das Konzept wurde gemeinsam mit einem kirgisischen Anbieter auf der internationalen Fachmesse für Reise und Touristik in Berlin präsentiert und eine Internetseite zum Agrotourismus in Kirgisistan etabliert. Ein kirgisischer Walnuss Zulieferer erhielt mit Unterstützung des Projekts eine Fairtrade Zertifizierung und beliefert einen niederländischen Käufer jährlich mit 20-30 Tonnen getrockneten Walnüssen. Zuckerrübenanbauer konnten mit verbessertem Saatgut des deutschen Unternehmens KWS Saat AG und moderner Produktionstechnik ihre Erträge im Schnitt von 32 auf 58 Tonnen pro Hektar steigern. Durch den Vertragsanbau mit einer Zuckerfabrik bietet Zuckerrübenanbau ein sicheres Einkommen. Die Verträge dienen als Bürgschaft für die Aufnahme des mit der KfW Entwicklungsbank entwickelten Kredits „Sweet Loan“.

Bild Investitionsforum: Investitionsforum in Bischkek im Dezember 2016: kirgisische Unternehmen präsentierten ihre besten Businessideen potentiellen Investoren. © GIZ

Zudem hat das Projekt 400 Bauern hinsichtlich Tiergesundheit und Hygienestandards geschult, um das in der Region stark nachgefragte Rindfleisch aus Hochweidehaltung für den Export zu qualifizieren. Zudem werden in 30 Bauernbetrieben international anerkannte Standards eingeführt. Ein Halal Schlachthof nach internationalen Normen hat bereits eröffnet und zwei weitere sind in Planung, so dass das Fleisch in den islamisch geprägten Ländern der Region abgesetzt werden kann.