Katastrophenrisikomanagement

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Katastrophenrisikomanagement
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: China
Politischer Träger: Chinese Academy of Governance
Gesamtlaufzeit: 2009 bis 2012

Ausgangssituation
China ist eines der am stärksten von Katastrophen betroffenen Länder der Welt. Zahlreiche hydrometeorologische und geologische Naturgefahren, aber auch Unfälle in Industrieanlagen und Gefährdungen der öffentlichen Gesundheit verursachen immer wieder große volkswirtschaftliche Schäden. Schätzungen beziffern diese Schäden auf sechs bis acht Prozent des BIP. Seit geraumer Zeit gibt es zahlreiche Bestrebungen, das Katastrophenrisikomanagement in China zu reformieren. Die Verfassung wurde an die neuen Herausforderungen angepasst und in der Folge wurde im Jahr 2007 ein allgemeines Katastrophenhilfegesetz („Emergency Response Law“) verabschiedet. Weiterhin wurden auf allen administrativen Ebenen funktionale und sektorale Notfallpläne erstellt. Großkatastrophen wie das Wenchuan-Erdbeben im Mai 2008 zeigen aber, dass das Management in der Akutphase nach Katastrophen noch unzureichend ist. Die vertikale wie horizontale Koordination und Kommunikation sind teilweise schwerfällig und lückenhaft, so dass es zu Verzögerungen in der Hilfe für die betroffenen Menschen kommt.

Ziel
Die chinesische Verwaltung wendet zunehmend ein kohärentes, effektives und effizientes System des Katastrophenrisikomanagements auf mehreren administrativen Ebenen an.

Vorgehensweise
Das Projekt Katastrophenrisikomanagement besteht aus zwei Komponenten. Während die erste Komponente bei der Optimierung des nationalen Systems des Katastrophenrisikomanagements mit dem Schwerpunkt auf Risikoanalysen und Notfallplanung berät, unterstützt die zweite Komponente beim Aufbau des neugegründeten „National Institute of Emergency Management“ (NIEM) und führt zwei Pilotvorhaben zur Stärkung der Ersthilfe nach Katastrophen durch.

Hierbei werden gemeinsam mit der Chinesischen Erdbebenbehörde (CEA) in Pilotlehrgängen in Sichuan Multiplikatoren für qualifizierte Ersthelfer auf der Basis eines UN-INSARAG Konzeptes (International Search and Rescue Advisory Group of the United Nations) ausgebildet. In der Stadt Tianjin wird ein integriertes Katastrophenhilfsteam aufgebaut, das nach Katastrophen schneller und abgestimmter reagiert.

Durch die Beratung des NIEM und verschiedener Provinzverwaltungsschulen trägt das Projekt zu einer Implementierung der in der ersten Komponente angestrebten Veränderungen bei. Das NIEM und die Provinzverwaltungsschulen arbeiten eng mit den „Emergency Management Offices“ (EMO) der verschiedenen Ebenen zusammen. Da die EMO ressortübergreifend und auf allen Ebenen unmittelbar der Führung der Exekutive zugeordnet sind, können sie wesentlich zur Durchsetzung eines flexiblen und klar strukturierten Systems beitragen.

Durch die Einbindung weiterer zentraler Akteure, wie die Chinesische Erdbebenbehörde, die deutsche Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (BA THW) und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sowie die Vereinten Nationen und das Internationale Rote Kreuz, wird ein dauerhafter, qualifizierter Austausch etabliert.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde
Die Grundstruktur des NIEM wurde etabliert. Das NIEM bietet bereits verschiedene Fortbildungen zum Krisenmanagement für Führungskräfte aus der Verwaltung an. Im Gegensatz zu früheren Schulungen im Katastrophenmanagement, die als Vorlesungen gestaltet waren, wenden die Dozenten heute neue Lehrmethoden an und gestalten den Unterricht durch Übungen und Fallbeispiele praxisorientiert. Die Teilnehmer werden so darin geschult, in akuten Katastrophensituationen schneller und strukturierter zu agieren.

Auf der Basis der Workshops und Fortbildungen etablierte die Stadt Yiyang (Hunan) jährliche Übungen aller Beteiligten im Katastrophenrisikomanagement, die von den Bürgermeistern und operativen Kräften durchgeführt werden.

Nach dem Erdbeben in der Provinz Qinghai im April 2010 waren die neu ausgebildeten Erdbebenhelfer sehr schnell vor Ort und konnten aufgrund ihrer Ausbildung gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung deutlich mehr Menschen aus den Trümmern retten als ein herkömmliches Rettungsteam. Die Anzahl der Retter in den ersten Stunden nach einem Erdbeben wird nachhaltig erhöht.

Die Stadt Tianjin baut aufgrund der Beratung durch das Projekt ein integriertes Katastrophenhilfeteam bestehens aus allen operativen Akteuren auf. Dabei werden die Fähigkeiten der Feuerwehr zur technischen Hilfeleistung nach Katastrophen erweitert und gestärkt. Ausgehend davon wurde der Kontakt zwischen Einsatzkräften und Verwaltung intensiviert. Gemeinsam werden standardisierte Koordinationsmechanismen entwickelt, die eine einheitliche Führung in Notsituationen ermöglichen. Damit nimmt Tianjin landesweit eine Vorreiterrolle in der Verbesserung der Reaktionsfähigkeit und Koordination ein.

Gemeinsam mit dem „Emergency Management Office“ wendet der Bezirk Jiulongpo der regierungsunmittelbaren Stadt Chongqing eine neue Methode im Risikomanagement und der Notfallplanung an. Die vorliegenden Gefährdungs- und Risikodaten werden systematisiert und ergänzt. Dies ermöglicht erstmals einen kohärenten Überblick über bestehende Schutzlücken und erlaubt eine optimierte Ressourcenallokation. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Notfallplanung ein.

Kontakt

Jürgen Steiger
juergen.steiger@giz.de