Energiesektorreformprogramm – Energiepolitik und Energieeffizienz

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Energiesektorreformprogramm: Energiepolitik und Energieeffizienz
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: China
Politischer Träger: National Energy Administration (NEA)
Gesamtlaufzeit: 2008 bis 2013

Ausgangssituation
China steht weltweit an erster Stelle der CO2-Erzeuger. Im chinesischen Energiesektor führt die ineffiziente Nutzung von elektrischer und fossiler Energie zu hohen Umwelt- und Klimabelastungen und einem erhöhten Ressourcenverbrauch. Auf den mittleren und unteren Verwaltungsebenen fehlen Fachkenntnisse und ganzheitliche Sichtweisen. Die zahlreichen Gesetze zum Schutz der Umwelt greifen nicht im gewünschten Umfang, da effektive und zeitnahe Feedback- und Korrekturmechanismen zu ihrer Umsetzung fehlen. Marktwirtschaftliche Steuerungsinstrumente (Tarife, Abgaben, Steuern) werden zu wenig eingesetzt, um Anreize zum Ressourcensparen und zum Einsatz umweltschonender Technologien zu schaffen.

Ziel
Die Energiepolitik von Schlüsselinstitutionen auf nationaler und auf subnationaler Ebene orientiert sich am Leitbild der Nachhaltigkeit. Maßnahmen zur Erhöhung der Ressourcen- und Energieeffizienz werden erfolgreich umgesetzt.

Vorgehensweise
Im Rahmen des Programms werden Verordnungen und Richtlinien sowie Strategien und Konzepte entwickelt, um einen Beitrag zur nachhaltigen Energienutzung im chinesischen Industriesektor zu leisten. Durch eine Förderung der Kreislaufwirtschaft soll beispielsweise im Kokereisektor eine effizientere Nutzung und Weiterverarbeitung der Nebenprodukte erreicht werden. Durch Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen steigt die Beratungskompetenz der involvierten Institutionen. In Zukunft sollen Energieauditoren und Energiemanager die Unternehmen selbstständig beraten.

Die chinesischen Partner erhalten Zugang zu deutschen Experten aus Wirtschaft, Politik, Forschung und Beratung. Um diese Beratungsleistungen anbieten zu können, arbeitet das Vorhaben unter anderem mit dem ISI Fraunhofer Institut in Karlsruhe zusammen, sowie mit der Energieagentur Nordrhein-Westfalen, der Universität Heidelberg, der Beratungsfirma Siemens Industrial Solutions und den Firmen DMT, Uhde und RAG Immobilien.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde
State Grid Corporation of China (SGCC) wurde dabei begleitet, einen eigenen Bereich „Energieservicesystem“, mit über 1.000 Mitarbeitern, zu gründen und zu etablieren. Damit trug das Programm dazu bei, dass sich SGCC von einem reinen Energieversorger zu einem Energiedienstleister wandelte. In verschiedenen Provinzen wurden 27 ESCos gegründet sowie eine Dachorganisation, die für Großprojekte zuständig ist. In diesem Rahmen wurden die Mitarbeiter der neu gegründeten ESCOs geschult, die nun selbstständig Beratungen in Unternehmen durchführen und Energie-Contracting-Projekte umsetzen.

Die bisher vom Programm umgesetzten 15 Energieaudits in großen Industriebetrieben ergaben ein wirtschaftlich erschließbares jährliches Einsparungspotenzial von 429 Gigawattstunden (GWh) Strom, 37.740 Tonnen Steinkohleeinheiten (SKE), 1,8 Terajoule (TJ) Fernwärme, 3.800 Tonnen Prozessdampf, 2,55 Millionen Normkubikmeter (Nm³) Erdgas und zehn Millionen Normkubikmeter Koksofengas.

Mit Unterstützung des Programms hat SGCC rund 500 sogenannte Energieeffizienznetzwerke gegründet, die Zugang zu über 5000 großen Industriebetrieben bieten. Die beteiligten Unternehmen haben Energieeffizienzmaßnahmen von 665 GWh pro Jahr umgesetzt. Die Spitzenlast wurde um 185 Megawatt reduziert. SGCC hat eine Empfehlung zur Messung und Verifizierung (M&V) von Energieeinsparungen bei Energie-Contracting-Projekten eingereicht. Das zuständige Ministerium, National Development and Reform Commission (NDRC), hat eine entsprechende Richtlinie erlassen. SGCC hat daraufhin bereits sechs M&V-Zentren genehmigt.

NDRC hat eine vom Vorhaben erarbeitete Richtlinie erlassen, wonach Stromversorger verpflichtet sind, bei ihren Kunden Energieeinsparprojekte mit einem Umfang von 0,3 Prozent der jährlich verkauften Energiemenge zu initiieren. Für die Umsetzung dieser Richtlinie ist ein Trainingszentrum eingerichtet worden.

In der Millionenstadt Chongqing ist die Umstrukturierung der Industriesektoren Teil des 12. Fünfjahresplans. Die Stadtregierung hat als Folge der Beratung des Vorhabens vier Energieverbrauchsstandards für die Herstellung von Natriumhydroxid, Aluminium, Zement und Ammoniak als Verwaltungsvorschrift zur Steigerung der Energieeffizienz in der Industrie eingeführt. Diese sind nun zentraler Bestandteil von regulativen Anreiz- und Sanktionsmechanismen zur Steigerung der Energieeffizienz in der Industrie. 35 beobachtete Unternehmen haben zwischen August 2011 und August 2012 Einsparungen von 635.000 Tonnen SKE erzielt. Das Energieeinsparzentrum von Chongqing führt nun eigenständig Schulungen für Energiemanager durch.

Im Pilotgebiet Gujiao der Provinz Shanxi ist das Konzept für einen integrierten Koks- und Kohlechemiepark mit zehn Millionen Tonnen Koksproduktion in die Entwicklungsplanung der Stadt eingeflossen. Die Province Development and Reform Commission (PDRC) Shanxi hat im Rahmen einer internationalen Konferenz in Taiyuan Ansätze für das effiziente Management von Industrieparks verbreitet. Mitarbeiter des Forschungsinstituts für Ökologie und Umwelt der Provinz Shanxi sind geschult, um Emissionen von Kokereien in der Provinz Shanxi eigenständig zu bilanzieren und der Provinzregierung Empfehlungen zum Einsatz emissionsarmer Technologien zu unterbreiten. Ein Konzept für ein Kompetenzzentrum für optimierte Kokskohlemischungen wurde vom Macro Research Institute der PDRC Shanxi in die Erstellung des Entwicklungsplans des Kelan Kreis integriert.

Für die Provinz Ningxia hat das Vorhaben der regionalen PDRC Empfehlungen zur Auslegung von Kraftwerken für energiearme Brennstoffe vorgelegt. Fachkräfte der Provinz wurden zu neusten Entwicklungen in der Wirbelschichtverbrennungstechnologie geschult, die für die Nutzung energiearmer Brennstoffe eingesetzt wird.

Kontakt

Sandra Retzer
sandra.retzer@giz.de