Vermarktung von Solarenergie in Ballungsräumen und Industriezentren (ComSolar)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Vermarktung von Solarenergie in Ballungsräumen und Industriezentren (ComSolar)
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
Land: Indien
Politischer Träger: Ministry of New and Renewable Energy, Government of India
Gesamtlaufzeit: 2009 bis 2013

Ausgangssituation

Die indische Regierung hat 2008 den nationalen Klimawandel-Aktionsplan (National Action Plan for Climate Change – NAPCC) auf den Weg gebracht. Dieser Plan strebt eine nachhaltige Entwicklung des Landes an, mit der Indien sowohl seine wirtschaftlichen als auch seine Umweltziele erreichen kann. Die Jawaharlal Nehru National Solar Mission (JNNSM) – eine von acht „Missionen“, in die sich der NAPCC gliedert, hat sich das ehrgeizige Ziel gesteckt, bis 2022 Solarenergiekapazitäten von 22 GW aufzubauen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen Industrie und Entwickler durch attraktive Rahmenbedingungen dazu gebracht werden, verstärkt in die Solarenergieerzeugung zu investieren. In der ersten Phase (2010-2013) sollen 1.000 MW ans Netz gehen, die durch große Photovoltaik-Anlagen, Sonnenwärmekraftwerke und kleinere Aufdach-Photovoltaikanlagen erzeugt werden. Ferner ist geplant, durch nicht an das öffentliche Stromnetz angebundene Solaranlagen weitere 200 MW zu generieren. Darüber hinaus ist vorgesehen, eine Fläche von 7 Millionen Quadratmetern mit Niedertemperatur-Solarkollektoren zu versehen.

In der Vergangenheit hat Indien vor allem im ländlichen Raum auf Solarenergie gesetzt, da diese Gebiete nicht an das Stromnetz angeschlossen waren. Dadurch gibt es bislang nur sehr wenige Solarenergieprojekte in städtischen Ballungsräumen und Industriezentren. Die Solarenergie stellt für diese Regionen jedoch eine wichtige Alternative zu teuren Diesel-Notstromkraftwerken dar. Allerdings haben die meisten Investoren kein allzu großes Vertrauen in die Photovoltaiktechnik und halten sich deshalb zurück. Außerdem fehlen Fachleute, da bisher nur wenige erfolgreiche Projekte realisiert wurden und die gesetzlichen Rahmenbedingungen noch für eine gewisse Unsicherheit sorgen. Damit die Solarenergie auch in den indischen Ballungsräumen und Industriezentren Fuß fassen kann, müssen einige erfolgreiche Pilotprojekte durchgeführt werden. Außerdem ist es notwendig, die Einspeisung in das öffentliche Stromnetz gesetzlich zu regeln und angemessene Einspeisevergütungen festzulegen.

Ziel

Verschiedene Geschäftsmodelle für die Vermarktung von Solarenergie in den Ballungsräumen und Industriezentren Indiens wurden entwickelt und getestet. Die Geschäftsmodelle wurden in großem Umfang bekannt gemacht und verbreitet und helfen dem Land, seine ehrgeizigen Ziele im Rahmen der JNNSM zu erreichen.

Vorgehensweise

Im Rahmen eines Mehrebenenansatzes werden zurzeit mehrere Geschäftsmodelle erfolgreich getestet. Gleichzeitig unterstützt das Projekt auf politischer Ebene die Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen.

  • Zunächst werden Pilotprojekte ausgewählt, die wirtschaftlich machbar sind und ein gutes Marktpotenzial sowie ein hohes Potenzial zur Verringerung des CO-Ausstoßes aufweisen. Darüber hinaus müssen die beteiligten Partner ein besonderes Engagement für das Projekt zeigen.
  • Die Beteiligung der Privatwirtschaft ist ein wesentliches Element der Umsetzungsstrategie. Über Entwicklungspartnerschaften mit privaten Unternehmen können Technik und Dienstleister aus Deutschland am Projekt beteiligt und der Transfer der benötigten Technologie nach Indien gefördert werden.
  • Dank der permanenten Überwachung der Pilotprojekte werden Informationen über deren Wirkung und Effizienz sowie über ihren Beitrag zur Verringerung der CO2-Emissionen erfasst. Die Ergebnisse werden zusammengefasst und in Form von Fallstudien zur Veranschaulichung von Erfolgsmethoden veröffentlicht.
  • Die in den Pilotprojekten erzielten Fortschritte werden über Informationskampagnen bei den relevanten Zielgruppen (verarbeitendes Gewerbe, Dienstleister und die Allgemeinheit) bekannt gemacht. Außerdem wird eine spezielle Website eingesetzt, um die Projekte und deren Ergebnisse möglichst schnell bei noch bekannter zu machen.
  • Da ein indischer Markt für Solarenergie weitgehend fehlt, gibt es auch nicht genügend Institutionen, die über ausreichend Erfahrung im Hinblick auf Planung, Integration und Durchführung von Solarenergieprojekten für städtische Ballungsräume und Industriezentren verfügen. Das Projekt organisiert spezielle Schulungsprogramme mit Seminaren, Exkursionen und Spezialkursen, in denen die relevanten Personengruppen ihr Wissen vertiefen und neue Fertigkeiten erwerben können.
  • In Zusammenarbeit mit allen wichtigen Beteiligten entwickelt das Projekt Strategien und Maßnahmen zur erfolgreichen Einbindung der Pilotprojekte in ein landesweites Programm, das die großmaßstäbliche Einführung und kommerzielle Nutzung und Vermarktung der Solarenergie fördert.
  • Die Projektbeteiligten arbeiten derzeit an der Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Einspeisung von Strom in das allgemeine Stromnetz, weil dies eine der wichtigsten Voraussetzungen für die kommerzielle Nutzung und Vermarktung von Solarenergieanlagen ist.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Im Rahmen einer Detailstudie wurden 37 Industriebranchen auf ihr Potenzial im Hinblick auf die Vermarktung der Solarenergie untersucht. Dabei wurden fünf Branchen identifiziert, die landesweit die besten Chancen für den Einsatz von Solarenergie bieten, darunter die Textilindustrie, die Holzstoff- und die Papierindustrie und die Lederwarenindustrie. Jetzt gilt es, mit Verantwortlichen aus der Branche über die technischen Details der eventuell geeigneten Solartechnologien zu sprechen, um festzustellen, wo sich Möglichkeiten für gemeinsame Pilotprojekte ergeben.

Momentan werden einige viel versprechende Solaranwendungen im Hinblick auf ihr technisches und wirtschaftliches Potenzial beurteilt:

  • netzgekoppelte Aufdach-Photovoltaikanlagen (Niederspannungs- und Hochspannungsanlagen),
  • netzferne Photovoltaikanlagen zur Verringerung des Dieselverbrauchs in Agrarbetrieben,
  • mit Photovoltaikstrom gespeiste Kühltechnik für Milchsammelstellen,
  • CSP Kraftwerke für die Wasserentsalzung und die netzferne Stromerzeugung.