Versorgung ländlicher Gebiete mit erneuerbaren Energien

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Versorgung ländlicher Gebiete mit erneuerbaren Energien
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
Land: Indien
Politischer Träger: Ministry of New and Renewable Energy
Gesamtlaufzeit: 2008 bis 2011

Ausgangssituation

Der Energiesektor im ländlichen Indien ist von schlechter Kraftstoffqualität, ineffizienter Energienutzung, unzuverlässiger Energieversorgung und begrenztem Zugang zu Energie gekennzeichnet. Über 500 Millionen Menschen in ländlichen Gebieten haben kaum Zugang zu modernen Energiedienstleistungen. Dies hat nicht nur negativen Einfluss auf ihre Produktivität, sondern auch Auswirkungen auf die Lebensqualität und die Umwelt. Die zunehmende Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen führt zu Umweltzerstörungen: auf lokal (Bodendegradation), regional (Luft, Wasser und Boden) und auf globaler Ebene (Treibhausgasemissionen, Klimawandel). Dezentralisierte, erneuerbare Energiequellen bieten Chancen für die Verbesserung von Produktion und Einkommen im ländlichen Raum sowie für die nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen.

Ziel

Ein gemeindebasiertes Modell für den Betrieb und die Verwaltung eines dezentralisierten Energieversorgungssystems, das moderne Energiequellen und die vor Ort zur Verfügung stehende Biomasse nutzt, wird entwickelt und erweist sich als durchführbar.

Vorgehensweise

Das Projekt entwickelt ein modernes System für Energieerzeugung und -verteilung. Die Anlage erzeugt sowohl Strom als auch Biogas und wird zur Deckung der Nachfrage nach Strom für Produktionszwecke optimiert (Bewässerung, ländliche Betriebe, kommunale Einrichtungen und andere). Dabei wird berücksichtigt, welche erneuerbaren Energiequellen vor Ort zur Verfügung stehen (Biomasse, nicht essbare Ölkulturen und Solarenergie).

Zur Verwirklichung eines erfolgreichen Geschäfts- und Managementmodells, das die lokale Energieerzeugung und -verteilung gewährleistet, fördert das Projekt den eigenverantwortlichen Betrieb und die Leitung der Anlagen durch Dorf-Energiekommissionen (VEC). Dabei stützt sich das Projekt auf örtliche Nichtregierungsorganisationen, die versuchen, möglichst viele Menschen in den Gemeinden zu mobilisieren und die bei den Dorf-Energiekommissionen die notwendigen Kompetenzen und Ressourcen aufbauen.

Das Projekt unterstützt außerdem die örtlichen Bauern bei der Steigerung und Aufrechterhaltung der Biomasseproduktion, damit gewährleistet ist, dass stets genügend Biomasse zur Energieerzeugung zur Verfügung steht.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

  • Bis jetzt wurden in dreißig ländlichen Gemeinden acht Dorf-Energiekommissionen gemäß der jeweiligen Satzung gebildet. In den Kommissionen sind alle wichtigen Akteure der Gemeinde, insbesondere Frauen, vertreten. Angeleitet durch die Fachkräfte des Projekts haben die Dorf-Energieausschüsse individuelle Durchführungspläne ausgearbeitet, mit denen sie dafür sorgen, dass stets ausreichend Biomasse zur Verfügung steht. Darüber hinaus unterstützen die Pläne den Betrieb der gesamten Energieerzeugungsanlage und legen die Schwerpunkte für die Verteilung des erzeugten Stroms und des erzeugten Biogases fest.
  • Es wurden detaillierte Projektbeschreibungen für die beiden Projektstandorte erstellt. Dazu gehören die Planung der im jährlichen Vegetationszyklus verfügbaren Biomassemengen sowie eine Prognose im Hinblick auf die künftige Entwicklung des Strombedarfs der Dörfer. Die meisten Bestandteile der benötigten Infrastruktur wurden angeschafft und die Bauarbeiten abgeschlossen. Der Betrieb der Anlage wurde in die Hände dafür geeigneter Dorfbewohner gelegt. Diese erhalten im Hinblick auf den Betrieb und die Wartung der Anlage eine technische Schulung, sobald die Testläufe aufgenommen werden.
  • Im Vorfeld des Projekts wurden die sozioökonomischen Bedingungen in den Projektgebieten beurteilt. Daraus ergaben sich Referenzwerte anhand derer die Wirkung des Projekts gemessen werden kann.
  • Ein besonderer Fokus liegt darauf, die verschiedenen Zwischenprodukte (Saatgut, Öl, Presskuchen, Biogas und andere) auf die dafür vorhandenen Märkte zu bringen (Marktanbindung). Das Projekt hat gezeigt, dass die geplante Infrastruktur nicht zu einem Konflikt zwischen der Herstellung von Biokraftstoffen und der Erzeugung von anderen notwendigen Agrarprodukten führt. Im Gegenteil: Dank der besseren Markanbindung sind sogar Überschüsse von Zwischenprodukten möglich, die entweder verkauft werden können – und damit die wirtschaftliche Produktivität steigern – oder die sich für die Energieerzeugung nutzen lassen. Selbst wenn die spezifischen Gegebenheiten vor Ort dazu führen, dass sich die Produktion von Zwischenprodukten rückläufig entwickelt, können diese Produkte von außen bezogen werden.