Stärkung des Mikrofinanzsektors in der MENA-Region

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Stärkung des Mikrofinanzsektors in der MENA-Region (MFMR)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ); Europäische Union
Land: Ägypten, Jordanien, Palästinensische Gebiete
Politischer Träger: Ägypten: Ägyptische Finanzaufsichtsbehörde (EFSA), Ägyptische Zentralbank (CBE); Jordanien: Ministerium für Planung und internationale Zusammenarbeit (MoPIC), Jordanische Zentralbank (CBJ), Entwicklungs- und Beschäftigungsfonds (DEF); Palästinensische Gebiete: Palästinensische Finanzaufsichtsbehörde (PMA); Regional: Arabischer Währungsfonds (AMF), Sanabel
Gesamtlaufzeit: 2011 bis 2018

Ausgangssituation

Die positiven Auswirkungen finanzieller Inklusion sind allgemein anerkannt. Ein besserer Zugang zu Finanzdienstleistungen fördert gesellschaftliche Stabilität, stärkt das wirtschaftliche Wachstum, belebt den Arbeitsmarkt, mildert die Armut und stabilisiert den Finanzsektor. Im Nahen Osten und Nordafrika (MENA-Region) ist die finanzielle Exklusion so stark ausgeprägt wie in kaum einer anderen Weltregion. Lediglich 18 Prozent der Erwachsenen (und laut Global Findex gerade einmal 13 Prozent der Frauen) verfügen über ein formelles Bankkonto. Auch der Zugang von Unternehmen zu Finanzdienstleistungen ist so begrenzt wie in nur wenigen anderen Regionen der Welt.

Mikrofinanzierung ist ein etabliertes Mittel, das den Zugang zu Finanzdienstleistungen verbessert. In den vergangenen Jahren ist der Mikrofinanzsektor in der MENA-Region stark gewachsen. Allerdings bedarf es entsprechender Gesetze und Regularien sowie einer effizienten finanziellen Infrastruktur, um das Potenzial des Sektors voll auszuschöpfen.

Ziel

Die Rahmenbedingungen für den Zugang zu bedarfsgerechten Finanzdienstleistungen für die niedrigen Einkommensgruppen in der MENA-Region haben sich verbessert.

Vorgehensweise

Auf regionaler Ebene fördert das Programm gegenseitiges Lernen und den grenzüberschreitenden Wissens- und Erfahrungsaustausch. Gemeinsam mit dem Arabischen Währungsfonds unterstützt es die Partnerländer dabei, ihre Reformpolitik zur Verbesserung der finanziellen Inklusion umzusetzen. Zudem berät es Sanabel, das Mikrofinanznetzwerk der arabischen Länder, bei organisatorischen und strategischen Fragen.

Auf nationaler Ebene unterstützt das Programm politische Entscheidungsträger in Ägypten, Jordanien und den Palästinensischen Gebieten bei der Erarbeitung und Umsetzung nationaler Strategien zur finanziellen Inklusion. Es unterstützt außerdem die Behörden bei ihren Bemühungen, die rechtlichen Rahmenbedingungen des Mikrofinanzsektors und die eigene Aufsichtskompetenz zu stärken. Darüber hinaus unterstützt das Programm den Aufbau einer nachhaltigen Refinanzierungsinstitution für MFIs in Jordanien.

Die Consultingfirma AFC unterstützt die Umsetzung des Vorhabens.

Wirkungen

Die Förderung des gegenseitigen Lernens und Erfahrungs- und Wissensaustausches auf regionaler Ebene haben die Kenntnis und den Reformwillen hinsichtlich erfolgreicher Politikansätze zur Verbesserung der finanziellen Inklusion spürbar verbessert.

In Ägypten wurde 2014 per Präsidialerlass ein Mikrofinanzgesetz erlassen, das zusätzlich zu den derzeit aktiven Anbietern (Banken und nichtstaatlichen MFIs) auch kommerziellen Unternehmen erlaubt, Mikrofinanzdienstleistungen anzubieten. In diesem Rahmen hat die Finanzaufsichtsbehörde drei Lizenzen an kommerzielle Mikrofinanzunternehmen vergeben und 530 existierende NGO-MFIs lizensiert. Das ägyptische Bankeninstitut leitet ein nationales Programm, das die finanzielle Bildung verbessern soll. Zusätzlich dazu wird der Markt für Mikroversicherungen unterstützt, indem auf einer neugeschaffenen Plattform Versicherungsunternehmen und MFIs zusammengebracht werden.

In Jordanien hat die Zentralbank nach der Verabschiedung einer neuen Mikrofinanzverordnung 2015 die Aufsicht über den Mikrofinanzsektor übernommen. Das neue, mit EU-Geldern realisierte Projekt für Jordanien unterstützt die Regierung bei der Ausweitung der Aufsichtskapazitäten, bei der Förderung des Sektors und bei der Entwicklung einer Strategie zur finanziellen Inklusion, die den Mikrofinanzsektor ausdrücklich einbezieht.

In den Palästinensischen Gebieten hat die palästinensische Währungsbehörde bereits erste Lizenzen für Mikrofinanzinstitutionen erteilt sowie interne Strukturen aufgebaut und mit Personal und IT-Kapazitäten zur Steuerung des Sektors ausgestattet. Die palästinensische Währungsbehörde ist die erste Finanzaufsichtsbehörde in der arabischen Region, die eine nationale Strategie zur finanziellen Inklusion entwickelt und umsetzt.

Sanabel, das Mikrofinanznetzwerk der arabischen Länder, hat eine Dreijahresstrategie erarbeitet, sich selbst eine neue interne Struktur gegeben und seine Schulungsangebote verbessert. In Zusammenarbeit mit der GIZ hat Sanabel 2014 den GIZ/Sanabel Gender Award ins Leben gerufen, eine Auszeichnung, die den Zugang von Frauen zur Finanzwelt in den arabischen Ländern fördern soll.