Wirtschaftliche Integration von Frauen in der MENA-Region

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Wirtschaftliche Integration von Frauen in der MENA-Region (EconoWin)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ägypten, Jordanien, Marokko, Tunesien
Gesamtlaufzeit: 2010 bis April 2018

Ausgangssituation

Die Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas (MENA) weisen trotz Modernisierungserfolgen und Fortschritten im Bereich Bildung nach wie vor weltweit die geringste Beteiligung von Frauen am Wirtschaftsleben auf. In den Ländern, in denen das Vorhaben tätig ist, sind im Schnitt nur 25 Prozent aller Frauen erwerbstätig.

Die wirtschaftliche Integration von Frauen wird durch grundlegende soziokulturelle Hürden behindert. Hinzu kommen institutionelle und rechtliche Hindernisse, wie schlechter Zugang zu beruflicher Bildung oder Jobs im formellen (insbesondere privaten) Sektor sowie fehlende Angebote für Kinderbetreuung, unflexible Arbeitszeiten und negative arbeitsmarktpolitische Anreize.

Ziel

Die Bedingungen für die Integration von Frauen in Wirtschaft und Beschäftigung in Ägypten, Jordanien, Marokko und Tunesien sind verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben besteht aus vier Komponenten:

  1. Bewusstseinswandel und Änderung des Rollenbildes von Frauen im Erwerbsleben
    EconoWin hat in enger Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Organisationen eine Medienkampagne zum Thema „Frau und Arbeit“ durchgeführt, um die Diskussion über traditionelle Rollenbilder in Gang zu bringen. In allen vier Ländern wurden acht neu produzierte Filme zum Thema gezeigt, öffentliche Debatten in kommunalen Zentren, Bildungseinrichtungen und Firmen schlossen sich an.
  2. Beratung und Umsetzung gendersensibler Wirtschafts- und Beschäftigungspolitiken
    Die Partnerländer setzen vorhandene frauen- und familienfreundliche Arbeitsmarktgesetze nur zu einem kleinen Teil um. EconoWin sammelt deshalb gute Beispiele aus der Privatwirtschaft und unterstützt die Entwicklung neuer Projekte mit dem Ziel, die Vorteile einer verstärkten Beschäftigung von Frauen zu demonstrieren.
  3. Wirtschaftliches Empowerment von Frauen
    EconoWin hat den Ansatz der gendersensiblen Wertschöpfungskettenanalyse entwickelt und in den vier Partnerländern in ausgewählten ländlichen Subsektoren sieben solcher Analysen mit anschließenden Förderprojekten durchgeführt.
  4. Berufliche Orientierung für Frauen in höheren und niedrigeren Qualifikationssegmenten
    Beim Übergang von der Hochschule in stabile Beschäftigungsverhältnisse bestehen besonders für Frauen soziokulturelle Hürden. Das Vorhaben unterstützt Hochschulen beim Aufbau von Mentoringprojekten. Beruflich erfolgreiche Frauen werden für ein Jahr Mentorin und stehen in Austausch mit einer Studentin als Mentee, die sich auf den Berufseinstieg vorbereitet. Frauen aus finanziell benachteiligten Schichten erhalten ein Stipendium und werden bei ihrer Ausbildung sowie beim Übergang in den Beruf gefördert.

Wirkungen

20 Partnerorganisationen erreichten mit 325 Film-Veranstaltungen zum Thema „Frau und Arbeit“ über 6.000 Teilnehmer und mit 200 Medienberichten, einer eigenen Website sowie einem Facebook-Auftritt mit YouTube- und Twitter-Kanal die breite Öffentlichkeit.

Mehr als 150 Fachvertreter wurden durch runde Tische in den Zielländern bei der öffentlichen Reflexion zur Umsetzung frauen- und familienfreundlicher Arbeitsgesetzgebung unterstützt. 29 regionale Wirtschaftsberater und 25 Wirtschaftsverbände wurden in das Konzept Gender Diversity Management eingeführt. Lokale Unternehmen werden zurzeit durch die regionale Ausschreibung einer Gender Diversity Competition zu Maßnahmen zur Förderung von Frauen angeregt.

In einer ersten Evaluation der Wertschöpfungskettenprojekte im Agrarsektor berichten gut zwei Drittel von insgesamt 250 Frauen von größerem wirtschaftlichen Erfolg, einem gestiegenen Selbstbewusstsein und einer Zunahme der gesellschaftlichen Akzeptanz ihrer Arbeit. Das jordanische Innenministerium integriert den Gender-Sensitive-Value-Chain-Ansatz in seine Politik der ländlichen Wirtschaftsentwicklung.

Das erste Mentoring-Jahr in Ägypten und Marokko hat bei den rund 40 Teilnehmerinnen zu einem gestärkten Selbstvertrauen für den Übergang zwischen Studium und Beruf sowie zu konkreteren Berufsvorstellungen geführt.

In Tunesien haben 30 junge Frauen aus finanziell benachteiligten Schichten ein Stipendium erhalten und werden bei ihrer Ausbildung in einem touristischen Beruf und beim Übergang in den Beruf gefördert.