Reformprogramm Bewässerungslandwirtschaft

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Reformprogramm Bewässerungslandwirtschaft
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ägypten
Politischer Träger: Ministerium für Landwirtschaft und Landerschließung (MALR)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2018

Test

Ausgangssituation

Aufgrund der wachsenden Bevölkerung und begrenzter Wasserressourcen leidet Ägypten mit einer Wasserverfügbarkeit von jährlich 650 m3 pro Einwohner unter erheblichem Wassermangel. Deutschland hat im Vergleich dazu 2300 m3 pro Kopf zur Verfügung. Der steigende Bedarf aus privatem Konsum, Industrie oder Landwirtschaft erhöht den Druck auf eine effiziente Wassernutzung in der Landwirtschaft. Deren Anteil an Ägyptens jährlichem Wasserverbrauch liegt derzeit noch bei etwa 85 Prozent.

Ziel

Das ägyptische Landwirtschaftsministerium sowie Bauern und bäuerliche Organisationen wenden optimierte Verfahren für ein integriertes Wasserressourcenmanagement (IWRM) in ihrem Verantwortungsbereich in der Bewässerungslandwirtschaft an.

Women in a farmer field school learning about  good agricultural practices. Photo: GIZ

Vorgehensweise

Das Projektteam, das sich aus GIZ und verschiedenen Einheiten des Landwirtschaftsministeriums zusammensetzt, unterstützt Bauern und Regierungsbehörden im Nildelta, optimierte Verfahren für ein integriertes Wasserressourcenmanagement in der Bewässerungslandwirtschaft im Verantwortungsbereich der Bauern und des Landwirtschaftsministeriums anzuwenden. Der Schwerpunkt liegt auf zwei Nildelta-Gouvernements: Kafr el Sheikh und Beheira.

In der Vergangenheit hat das Projekt innovative Verfahren für ein integriertes Wasserressourcenmanagement entwickelt. Es hat darüber hinaus Institutionen, die für die Bewässerungslandwirtschaft zuständig sind, geschult und deren interne Prozesse optimiert. Jetzt geht es um das Up-scaling der Maßnahmen. Das Projektteam berät und schult dazu Bauern und deren Organisationen, damit sie eine effiziente und effektive Wassernutzung in der Landwirtschaft auf ihren Feldern einführen können.

Damit Frauen ihr Potential als Akteure in der Bewässerungslandwirtschaft voll ausschöpfen können, werden sie angeleitet, einkommensschaffende Gemeindeinitiativen zu realisieren. Dabei geht es beispielsweise um die Wiederverwertung landwirtschaftlicher organischer Abfälle als Nährboden für die Kultivierung von Champignons. Dadurch wird die Verschmutzung des Bewässerungswassers vermieden und die Frauen bekommen eine zusätzliche Einkommensquelle durch den Verkauf der gezüchteten Pilze.

Das Projektteam schult landwirtschaftliche Berater, ihr Angebot und ihre internen Prozesse auf die Bedarfe der Bauern auszurichten und ihnen relevantes Wissen zielgruppenspezifisch zu vermitteln. Hierbei arbeitet das Projekt mit IP Consult zusammen. In sogenannten Famer Field Schools können die Bauern wassersparende Bewässerungssysteme direkt auf dem Feld sowohl theoretisch als auch praktisch erproben. Um den Betrieb und die Wartung der neuen Bewässerungsinfrastruktur langfristig zu gewährleisten, schult das Projekt Techniker, erarbeitet mit den Landwirten Pläne für den nachhaltigen Betrieb und die Wartung und baut mit seinen Partnern technische Zentren auf.
Bereits im Pilotmaßstab erprobte Verfahren zur Verwertung organischer landwirtschaftlicher Abfälle weitet das Vorhaben auf mehrere Gemeinden aus.

Damit das Landwirtschaftsministerium und Bauernkooperativen den Wasserbedarf der Landwirte in ihrem Einzugsgebiet besser bestimmen und nachverfolgen können, erhebt das Projektteam Daten der tatsächlichen Bewirtschaftungsflächen der jeweiligen Bewässerungskanäle.
Die Einrichtung von Beschwerdestellen in dezentralen Stellen des Landwirtschaftsministeriums bieten Bauern eine klare Anlaufstelle für ihre Probleme und deren Lösung.

Wirkungen

Die Verankerung und Verbreiterung von nachfrageorientierter Beratung, wie zum Beispiel Farmer Field Schools, hat sich bewährt. Kleinbauern, die an den Farmer Field Schools teilgenommen haben, berichteten von Ertragssteigerungen von bis zu 30 Prozent bei bis zu 20 Prozent geringerem Wasserverbrauch. Inzwischen sind 38 Farmer Field Schools eingerichtet und circa 1200 Kleinbauern darüber beraten worden.

Die Wiederverwertung von etwa 3000 Tonnen organischer Abfälle führt dazu, dass diese nicht mehr verbrannt werden oder die Be- und Entwässerungskanäle verunreinigen oder verstopfen: stattdessen nutzen etwa 1000 Bauern jetzt das Material und senken so ihre Produktionskosten für die Düngung um bis zu 20 Prozent und die Kosten für Futtermittel um bis zu 50 Prozent.

Farmers testing water-efficient rice planting techniques. Photo: GIZ

Mit einer besseren Datengrundlage und dem Wissen von bislang 60 bäuerlichen Kooperativen, wie Daten zu erheben sind, sind die Grundvoraussetzungen erfüllt für akkurate Wasserbedarfsplanungen von rund 70.000 Bauern, die gemeinsam 40.000 Hektar bewirtschaften.

Die Entwicklung eines digitalen Beschwerdemanagementsystems und –prozesses erlaubt es Bauern ihre Probleme transparent zu registrieren und nachzuverfolgen. Dem Landwirtschaftsministerium eröffnet es die Möglichkeit, die Ursachen der Probleme zu analysieren und durch die Weiterleitung an die verantwortliche Stelle zügig zu lösen. Bisher wurden in den beiden Gouvernements vier Beschwerdezentren etabliert.