Klimaschutz durch Energieeffizienz in Gebäuden (Baseline-Studie)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Klimaschutz durch Energieeffizienz in Gebäuden – Baseline-Studie für Heizenergiebedarf im Wohnungsbestand Nordchinas als Grundlage für eine Handelsplattform für Kohlenstoff
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)
Politischer Träger: Ministry of Housing and Urban-Rural Development (MoHURD)
Gesamtlaufzeit: 2010 bis 2013

Ausgangssituation
Ältere Wohngebäude in Nordchina sind nicht energieeffizient und daher für hohe Treibhausgas-Emissionen (THG-Emissionen) verantwortlich. Bisher gibt es nur unzureichende Fördermechanismen für die energetische Sanierung dieser Gebäude. Eine Handelsplattform für Kohlenstoff (HfK) im Bausektor soll Finanzierungsanreize für energetische Sanierungen erschließen und damit THG-Reduktionen fördern. Für die Einführung einer HfK gibt es gegenwärtig jedoch keine Datenbasis, um den Heizenergieverbrauch von Wohngebäuden vor Sanierungen zu bestimmen. Im Projekt werden solche energetischen Bestandsaufnahmen (Baseline-Studie) durchgeführt.

Ziel
Eine Basis zur Nutzung neuer Finanzierungsanreize für groß angelegte energetische Sanierungen von Wohngebäuden ist geschaffen. Die Informationsgrundlage für die Einführung einer Handelsplattform für Kohlenstoff im Gebäudesektor, die in Zukunft einen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasemissionen leisten kann, ist bereitgestellt.

Vorgehensweise
Für die Baseline-Studie wird in drei ausgewählten nordchinesischen Städten, die sich in zwei verschiedenen Klimazonen befinden, der gesamte renovierungsbedürftige Wohngebäudebestand erfasst und typisiert. Auf der Basis bauphysikalischer Parameter lässt sich vor der Sanierung für jeden Gebäudetyp der jeweilige Heizenergiebedarf errechnen. Unter Bezug auf vorliegende Klimadaten wird der Heizenergiebedarf für gleiche Gebäudetypen auf die wichtigsten Städte Nordchinas extrapoliert. Um die energetische Sanierung zu planen, werden heizenergetische Sanierungskonzepte erstellt und Heizmesszähler installiert. Im Rahmen des Projektes entsteht eine Methodologie für die HfK, in Anlehnung an die Regeln des Clean Development Mechanism (CDM). Auf dieser Grundlage und mit einer Szenarienanalyse arbeiten die Projektpartner das Potenzial für Treibhausgasreduktionen sowie die Marktchancen der Methodologie aus. Möglich ist auch, die Methodologie auf Wärmeversorger und Verteilungsnetzwerke zu erweitern.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde
Die Bestandsaufnahme sanierungsbedürftiger Wohnungen wurde zusammen mit den drei ausgewählten Städten in Nordchina, Harbin, Shijiazhuang und Yuzhong, bis Herbst 2011 durchgeführt. Die 22.540 erfassten Gebäude wurden in 29 Gebäudetypen klassifiziert. Elf Typen repräsentieren über 90 Prozent der Gebäude. Chinesische und deutsche Experten haben die Methodologie zur Baseline-Ermittlung des Heizenergiebedarfs vor der Sanierung anhand von 138 ausgewählten Referenzgebäuden entwickelt. Dabei wurden die Wärmedurchgangswerte (sogenannte k-Werte) für alle gängigen Bauteile der Gebäudehülle zu Grunde gelegt. Dies hilft lokalen Fachkräften künftig dabei, Heizenergiewerte für weitere Gebäudetypen zu bestimmen. Unter Anwendung meteorologischer Daten lässt sich der Heizenergiebedarf für gleiche Gebäudetypen in 210 Städten Nordchinas errechnen.

Für alle drei Städte wurden Renovierungskonzepte ausgearbeitet, die nun auch anderen Städten bei ihren Planungen zur Verfügung stehen. Die Sanierungsmaßnahmen schließen stets die Installation von Wärmezählern ein, um später den Heizenergieverbrauch messen zu können. Die Differenz zur Heizenergie-Baseline ergibt die Energieeinsparung, aus der sich die Reduktion der THG-Emissionen errechnet.

Die Ergebnisse wurden im Oktober 2012 Schlüsselakteuren aus dem Sektor für Emissionshandel vorgestellt. Dazu gehören die National Development and Reform Commission (NDRC), das Ministry of Housing and Urban-Rural Development (MoHURD) sowie die am Kohlenstoffhandel beteiligten Börsen in Tianjin und Beijing.

Die in Anlehnung an den Clean Development Mechanism (CDM) entwickelte Methodologie für den Zertifikatehandel wird derzeit noch verfeinert. Messungen nach Sanierungen lassen eine Heizenergieeinsparung von 25 bis 30 Prozent erwarten. Abhängig von der Qualität der eingesetzten Materialien und der Bauausführung kann dieser Wert nach oben oder unten abweichen.

Ein Modell zur Analyse verschiedener Szenarien für die Teilnahme des Wohngebäudesektors an der HfK befindet sich in der Testphase. Damit lässt sich erstmals darstellen, wie der Zertifikatehandel zu Energieeinsparungen beiträgt.

Der Status der Wärmeversorger und Versorgungsnetze in China wurde untersucht, auch im Hinblick auf die Heizreform. Anhand von Vergleichen mit der Situation zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung sind Empfehlungen für kosteneffiziente Sanierungen für China abgeleitet worden. Es hat sich gezeigt, dass sich die höchsten Energieeinsparungen und die meisten Emissionsminderungszertifikate erzielen lassen, wenn neben den Gebäuden ganze Fernwärmenetze saniert werden. Um die neue Methodologie weiter zu verbreiten, haben die Projektpartner erste Trainingsmaterialien erarbeitet.

Kontakt

Volkmar Hasse
volkmar.hasse@giz.de