Deutsch-Indisches Umweltprogramm

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Deutsch-Indisches Umweltprogramm
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Indien
Politischer Träger: Ministry of Environment, Forests & Climate Change
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2015

Indien – ein sensibler urbaner Lebensraum in einer Gebirgsregion. © GIZ

Ausgangssituation

Umfang und Geschwindigkeit der städtischen und industriellen Entwicklung in einem Schwellenland wie Indien bieten vielfältige Chancen, den Lebensstandard für die Bevölkerung zu verbessern. Diese Transformation beinhaltet jedoch Risiken: Die Nachfrage nach materiellen Gütern steigt rasant an, wodurch natürliche Ressourcen stark belastet werden. Der Spielraum, schädliche Umwelteinflüsse und Treibhausgase durch effizientere Technologien mindern zu können, ist erheblich. Noch fehlen angepasste technische und finanziell tragbare Lösungen im industriellen und urbanen Sektor. Ebenso mangelt es an Managementfertigkeiten auf den verschiedenen Ebenen sowie an innovativen, interinstitutionellen Kooperationsmechanismen, die auch die Privatwirtschaft einbeziehen.

Ziel

Nationale, bundesstaatliche und lokale Entscheidungsträger nutzen innovative Lösungen zur Verbesserung von Umweltmanagement und Umwelt- und Klimapolitik, um ein ressourcenschonendes, breitenwirksames Wirtschaftswachstum zu ermöglichen.

Vorgehensweise

Die GIZ arbeitet zu folgenden Themen:

Nachhaltiger städtischer Lebensraum: beispielsweise durch verbesserte Abfallwirtschaft, Klimaanpassungsmaßnahmen, politische Strategien für förderliche Rahmenbedingungen, gute Regierungsführung auf Stadtebene

Nachhaltige industrielle Entwicklung: zum Beispiel in Investitionsgebieten und Industrieparks, Abfall- und Abwassermanagement, umweltfreundliche Verfahren, Klimaschutzmaßnahmen und Katastrophenrisikomanagement

Umwelt- und Klimapolitikberatung: unter anderem durch die Unterstützung einer nachhaltigen städtischen und industriellen Entwicklung auf politischer Ebene für Ressourceneffizienz, ökologische Steuerreform, Klimaschutz und nachhaltiger Konsum

Capacity-Building-Maßnahmen an Schulungseinrichtungen sollen das Personal der Programmpartner für die neuen Aufgaben qualifizieren. Fragen der Geschlechtergerechtigkeit, um Fortschritte bei der Gleichstellung zu erzielen, sind Bestandteil aller Komponenten.

Wirkungen

Städtische Entwicklung
Die GIZ beriet das Umweltministerium bei der Novellierung des Abfallgesetzes. Gemeinsam wurde ein nationales Handbuch zur kommunalen Abfallwirtschaft erstellt. Das Handbuch soll als Vorlage für alle indischen Städte gelten und die Abfallkreislaufwirtschaft fördern.

Die Bundesstaaten Himachal Pradesh und Andhra Pradesh haben mit Unterstützung der GIZ Landesabfallpläne erstellt. Die Pläne ermöglichen eine systematische Abfallwirtschaft über die Stadtgrenzen hinaus und fördern eine interkommunale, kosten- und ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft.

Nichtlegalisierte Wohnviertel sind meist von städtischer Infrastruktur und Stadtentwicklung ausgeschlossen. Das Vorhaben unterstützt in einem partizipativen Prozess die Stadtverwaltungen von Raipur und Tirupati dabei, Aktionspläne zu entwickeln. Mit diesen sollen die bisher unterversorgten Gebiete an das städtische Versorgungs- und Entsorgungssystem angeschlossen und die Lebensqualität in den Stadtvierteln verbessert werden.

Industrielle Entwicklung
Die Regierung von Andhra Pradesh wird dabei unterstützt, Unternehmerinnenzentren aufzubauen. Im ersten indischen Industriepark unter ausschließlich weiblicher Leitung werden sich 170 Unternehmen mit rund 12.000 Arbeitsplätzen ansiedeln. Das Programm berät bei der an Nachhaltigkeitskriterien ausgerichteten Planung und dabei, wie eine Umweltinfrastruktur und unternehmensbezogene Dienstleistungen geschaffen werden können. Der Ministerpräsident von Andhra Pradesh will das innovative Konzept auf den gesamten Bundesstaat ausweiten und 23 weitere Unternehmerinnenzentren schaffen.

2013 wurde eine großangelegte Kampagne zur Verbesserung der Umwelt in 75 Industrieparks durchgeführt. Dabei wurden über 30.000 Tonnen Abfall entsorgt, 200.000 Bäume gepflanzt, mehrere Kilometer Regendrainage repariert und gereinigt und verschiedenste umweltbezogene Kleinmaßnahmen in Industrieunternehmen durchgeführt. 2014 wurde die gleiche Kampagne in rund 100 Industrieparks in Andhra Pradesh, Telangana und Gujarat wiederholt.

Indien. Städtische Lebensräume benötigen eine umweltfreundliche Entwicklung. © GIZ

Umwelt- und Klimapolitikberatung
Gemeinsam mit Partnern aus Staat und Wirtschaft hat die GIZ das Thema Ressourceneffizienz auf die politische Agenda gehoben. Die Initiative soll dazu beitragen, Bewusstsein und Anreize für einen schonenden sowie umweltfreundlichen Umgang mit Ressourcen zu fördern und die Ressourcensicherheit Indiens zu erhöhen.

Die “Green Wicket”-Kampagne wurde im November 2013 angestoßen. Schulkinder werden mit den Themen Solarenergie, Wasserverbrauch, Abfallverwertung und Hygiene über Kricketspiele vertraut gemacht. Bekannte Kricketspieler sind Botschafter der Initiative. Bereits 160 Schulen nehmen an der Initiative teil.

2012 trat das mit Unterstützung des Vorhabens erstellte Elektroschrottgesetz in Kraft. Die GIZ unterstützt das Umweltministerium, Bundesstaaten sowie den Privatsektor beim Vollzug des Gesetzes.