Institutionelle Entwicklung des Wassersektors III - Sicherstellung der Grundversorgung

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Institutionelle Entwicklung des Wassersektors III - Sicherstellung der Grundversorgung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Jemen
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2020

Ausgangssituation

Mit einer Verfügbarkeit von rund 125 Kubikmetern Wasser pro-Kopf im Jahr ist der Jemen eines der wasserärmsten Länder der Welt. Die ohnehin schon kritische Versorgungssituation hat sich durch den bewaffneten Konflikt und dessen Eskalation im März 2015 dramatisch verschlechtert. Mehr als 21 Millionen Menschen sind derzeit auf humanitäre Hilfe angewiesen. 19 Millionen Menschen haben keinen adäquaten Zugang zu Trinkwasser- und Sanitärversorgung. In den größeren Städten einschließlich der Hauptstadt Sana‘a können Dienstleistungen im Bereich der Trinkwasserversorgung nur sehr eingeschränkt aufrechterhalten werden. Dies beeinträchtigt auch die Versorgung von Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen. Ein Teil der Infrastruktur ist zerstört und die Stromversorgung ist weitgehend ausgefallen. Trinkwasserpumpen sowie Abwasserhebewerke können nur noch mit Notstromaggregaten betrieben werden.

Die Wasser- und Abwasserunternehmen (WAU) sind finanziell und personell geschwächt. Sie sind immer weniger in der Lage, die erforderlichen Personal- und Betriebsmittel sicherzustellen. Die verbleibenden Fachkräfte in den Unternehmen haben Schwierigkeiten, die notwendigen Verwaltungsabläufe abzusichern und Maßnahmen zur Wartung und Rehabilitierung der zerstörten Infrastruktur zu planen und umzusetzen. Insgesamt verfügen die städtischen Wasser- und Abwasserunternehmen nicht über die notwendigen materiellen und personellen Ressourcen, um die krisenbedingten Herausforderungen im Wassersektor zu bewältigen.

Ziel

Die Kapazitäten der städtischen Wasser- und Abwasserunternehmen im Umgang mit krisenbedingten Herausforderungen in der Trinkwasser- und Sanitärversorgung sind gestärkt.

Vorgehensweise

Die geplanten Projektaktivitäten untergliedern sich in zwei Handlungsfelder:

  • Planungsgrundlagen zur Aufrechterhaltung der Trinkwasser- und Sanitärversorgung und
  • Demonstrationsmaßnahmen zur Wiederherstellung der Trinkwasser- und Sanitärversorgung.

Maßnahmen, die die Trinkwasser- und Sanitärversorgung stabilisieren, werden abhängig von der Sicherheitslage in ausgewählten Wasser und Abwasserunternehmen konfliktsensibel geplant, umgesetzt und beobachtet (Do-No-Harm-Ansatz).

Wirkungen

  • Der Betrieb der zwölf wichtigsten städtischen Wasser- und Abwasserunternehmen konnte aufrechterhalten werden. Er trägt dazu bei, die Wasser- und Sanitärversorgung von acht Millionen Menschen im Jemen und damit von rund 30 Prozent der Bevölkerung zu stabilisieren.
  • Ein verbessertes System für den Einzug der Wassergebühren sorgt dafür, dass der nachhaltige Betrieb der Wasser- und Sanitärversorgung unterstützt wird.
  • Das verantwortliche Personal in den Wasser- und Abwasserunternehmen hat mit Hilfe des Vorhabens die kriegsbedingten Schäden erhoben, Maßnahmen zur technischen Unterstützung geplant sowie Investitionspläne zur Wiederherstellung der Infrastruktur entwickelt.
  • In verschiedenen Pilot- und Demonstrationsprojekten werden dringende Bedarfe erhoben, wie die Wasser- und Sanitärinfrastruktur wieder hergestellt werden kann. Zudem werden innovative Ansätze zur Stärkung der Resilienz erprobt: Dazu zählen beispielsweise der Einsatz von modernen Mobilgeräten um die Verbrauchzahlen abzulesen und die Gebühren zu erheben, der Ersatz von dieselbetriebenen Generatoren durch Solarzellen, die Regenwassersammlung statt dem Einsatz von Tanklastwagen, der Ersatz von wasserverschwendenden Spültoiletten durch Trockentoiletten oder der Bau von Biogas- und Pflanzenkläranlagen zur Abwassernutzung.
  • Die quartalsweise Erhebung von resilienzorientierten Leistungsindikatoren der Wasser- und Abwasserunternehmen ermöglicht den jemenitischen Entscheidungsträgern und der internationalen Gebergemeinschaft ein zeitnahes Monitoring der Wasser- und Sanitärversorgung. Damit kann die Wirksamkeit der Hilfsmaßnahmen überprüft werden.