Institutionelle Entwicklung des Wassersektors

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Institutionelle Entwicklung des Wassersektors (WSP)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Jemen
Politischer Träger: Jemenitisches Ministerium für Wasser und Umwelt (MWE)
Gesamtlaufzeit: 2006 bis 2017

Ausgangssituation

Jemen leidet an einer akuten Wasserkrise, die durch die herrschenden Konflikte noch verschärft wird. Die Trinkwasserversorgung und die Abwasserentsorgung sind ebenso unzureichend wie die Bewirtschaftung der Wasserressourcen. Nationale Institutionen, regionale und lokale Wasserversorger sowie die Komitees für die Wassereinzugsgebiete sind nur begrenzt in der Lage, ihre Aufgaben zu erfüllen. 90 Prozent des Wasserverbrauchs entfallen auf die Bewässerung landwirtschaftlicher Nutzflächen – insbesondere solcher, die zum Anbau von Kath verwendet werden. Somit geht der größte Druck auf die bereits knappen Wasservorkommen von der Landwirtschaft aus.

Darüber hinaus haben sich die politischen Unruhen und die Verschlechterung der Sicherheitslage seit 2011 negativ auf den Wassersektor ausgewirkt. Das jemenitische Ministerium für Wasser und Umwelt sowie die Institutionen des Wassersektors sind nur teilweise in der Lage, ihre Aufgaben zu erfüllen. Der vor der Krise eingeleitete Dezentralisierungsprozess ist inzwischen zum Erliegen gekommen. Die regionalen und lokalen Wassergesellschaften und -versorger kämpfen ums Überleben, die integrierte Bewirtschaftung der Wasservorkommen ist zusehends schwieriger geworden und ist inzwischen eine große Herausforderung.

Ziel

Durchführungs- und Steuerungsfähigkeiten wichtiger Institutionen des Wassersektors sind gestärkt.

Vorgehensweise

Das Projekt arbeitet zurzeit in drei Schwerpunktbereichen:

  • Die erste übergreifende Komponente unterstützt die Entwicklung von Strategien und Richtlinien für den Wassersektor und strebt eine bessere Abstimmung zwischen den Akteuren des Sektors an.
  • Die zweite Komponente befasst sich mit der dezentralisierten Bewirtschaftung der Wasservorkommen. Der Fokus liegt dabei auf der Schaffung finanzierbarer regionaler und lokaler Strukturen zur Verbesserung der Bewirtschaftung überbeanspruchter Wasserreserven.
  • Die dritte Programmkomponente nimmt sich der Probleme des Landes bei der Sicherung der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung in den großen Ballungsräumen an. Hauptschwerpunkt ist die Verbesserung der Leistungen durch die örtlichen Wassergesellschaften und -versorger. Sie sollen in die Lage versetzt werden, eine sichere, zuverlässige und kostengünstige Versorgung zu gewährleisten.

Hauptpartner des Programms sind das jemenitische Ministerium für Wasser und Umwelt sowie die regionalen und lokalen Akteure des Wassersektors. Dazu gehören beispielsweise die staatliche Behörde für die Bewirtschaftung der Wasserreserven sowie verschiedene städtische Wasserversorger und Ausschüsse für Wassereinzugsgebiete. Neben der Entwicklung von Leistungsfähigkeit in der Koordination und Organisationsentwicklung sieht das Programm gezielte, konfliktsensible Capacity-Building-Maßnahmen vor, darunter vor allem Beratungsleistungen durch internationale, regionale und lokale Fachkräfte. Gender Mainstreaming und Personalentwicklung werden als Querschnittsthemen integriert.

Alle Maßnahmen werden in enger Zusammenarbeit mit der KfW Entwicklungsbank und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) umgesetzt. Darüber hinaus kooperiert das Programm mit anderen wichtigen Gebern und Entwicklungspartnern in diesem Sektor, vor allem mit der Weltbank, den Niederlanden und den sektorrelevanten UN-Organisationen.

Die Consultingfirma GOPA Infra unterstützt die Umsetzung des Vorhabens.

Wirkungen

Während der konfliktgeprägten Übergangsphase hat die GIZ versucht, durch ihre Maßnahmen die Leistungsfähigkeit der Partnerinstitutionen und anderer Akteure des Sektors zu stärken. Das Programm bietet seinen Partnern bedarfsgerechte Vorgehensweisen für die Erbringung technischer Beratung auf verschiedenen Ebenen und hat dadurch die Entwicklung der notwendigen Fähigkeiten zur Bewältigung von Krisensituationen unterstützt. Dies hat zur Aufrechterhaltung grundlegender Leistungen für die Bevölkerung beigetragen, auch der marginalisierten und vom Konflikt betroffenen Gruppen.

Das Ministerium für Wasser und Umwelt hat für den Umgang mit Wasser ein Zukunftsbild entwickelt, das in den nationalen Dialog eingespeist werden soll. Auch die nationalen Strategien wurden auf den Prüfstand gestellt und angepasst, um den Anforderungen der derzeitigen Übergangszeit gerecht zu werden.

Infolge der engen Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium, den Komitees der Wassereinzugsgebiete, den lokalen Koordinatoren sowie verschiedenen Gemeindegruppen, die sich selbstständig organisiert haben, ist die Anzahl der illegalen Brunnenbohrungen im Abyan-Becken um 80 Prozent zurückgegangen. Die Maßnahmen ergänzen verschiedene andere, unmittelbar in der Bevölkerung angesiedelte Initiativen, die im Amran-Becken erfolgreich auf den Weg gebracht wurden.

Bereits zuvor hatte das Programm durch die Unterstützung von 16 städtischen Wasserversorgern und lokalen Gesellschaften zur Aufrechterhaltung einer grundlegenden Wasserversorgung und Abwasserentsorgung für die 4 Millionen Einwohner der Hauptstadt Sana'a beigetragen. Diese Unterstützung sorgt heute noch für die grundlegende Betriebsfähigkeit der Wasserversorger. Die aktuellen Planungen konzentrieren sich auf die fünf oder sechs größten städtischen Wasserversorger, zu denen insbesondere die Sana'a Local Corporation gehört.

Dank der fortgesetzten technischen Unterstützung, die durch von der KfW Entwicklungsbank finanzierte Infrastruktur- und Nothilfeprojekte ergänzt wird, haben mehr als 50.000 Menschen, darunter viele Benachteiligte und inländische Flüchtlinge, weiterhin Zugang zu sauberem Trinkwasser und grundlegenden Leistungen rund um die Entsorgung von Abwasser. Die gezielte Beteiligung von Frauen an den Maßnahmen hat dazu beigetragen, ihren spezifischen Bedürfnissen Rechnung zu tragen und ihre Rolle bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen im Wasser- und Abwassersektor zu stärken.