Gesundheitssystemstärkung mit Schwerpunkt Mutter-und-Kind-Gesundheit und Familienplanung

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm Gesundheitssystemstärkung, Jemen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Jemen
Politischer Träger: Ministry of Public Health and Population
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2016

Aktuelle Situation

Seit Beginn des Krieges im März 2015 hat das Vorhaben seine Aktivitäten an die sich verschlechternden humanitären Bedingungen im Jemen angepasst und setzt zusätzlich nothilfeähnliche Maßnahmen um. Ziel ist es, ausgewählte Gesundheitseinrichtungen durch die Lieferung medizinischer Geräte und Verbrauchsgüter funktionsfähig zu erhalten, komplementär zu den Hilfsmaßnahmen anderer Organisationen. Das Vorhaben ermittelt Bedarfe und verteilt medizinische Geräte und Instrumente und unterstützt so die Gesundheitszentren, damit sie weiterhin Basisgesundheitsdienstleistungen erbringen können. Ergänzend unterstützt das Vorhaben die Durchführung von Erste-Hilfe-Kursen für ehrenamtliche Gesundheitshelferinnen und -helfer.

Ausgangssituation

Die Mehrheit der ländlichen Bevölkerung im Jemen hat eingeschränkten oder keinen Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen. Viele Gesundheitseinrichtungen bieten Leistungen von ungenügender Qualität, da ihr Personal in der Regel weder über ausreichende fachliche Kenntnisse noch ausreichende Managementkompetenzen verfügt. Unzureichende Gesundheitsaufklärung vor allem der Frauen und geringes Vertrauen in die Gesundheitseinrichtungen beschränken die Nachfrage.

Mit 71 US-Dollar pro Kopf (2012) sind die Gesundheitsausgaben im Jemen die niedrigsten in der Region. Sie gelten jedoch als ausreichend, um wesentliche Dienstleistungen für die Bevölkerung bereitzustellen. Nur 4 Prozent der gesamten staatlichen Ausgaben werden für Gesundheit aufgewendet (2012), die Hälfte dessen, was die WHO 2013 als Minimum empfiehlt. Chronische Unterfinanzierung und ungleiche Mittelverteilung des staatlichen Gesundheitssystems wirken sich auf die Qualität der materiellen und personellen Ausstattung sowie die Verfügbarkeit essenzieller Medikamente aus. Die anhaltende politische Krise der letzten Jahre hat die Versorgungssituation weiter verschärft.

Ziel

Der Zugang zu qualitätsgesicherten und bedarfsgerechten Basisgesundheitsdienstleistungen mit Schwerpunkt Mutter-und-Kind-Gesundheit und Familienplanung ist verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt das jemenitische Gesundheitsministerium bei der Stärkung seiner Leistungsfähigkeit und Kompetenzen, insbesondere im Bereich der Gesundheitsfinanzierung, Qualitätssicherung und Gesundheitsförderung. Hierbei kommen Beratungsleistungen von Lang- und Kurzzeitexpertinnen und -experten, Fortbildungsmaßnahmen, Sachleistungen und finanzielle Zuschüsse zum Einsatz.

Die im Rahmen des Vorhabens entwickelten Konzepte – wie das Qualitätsverbesserungsprogramm für Basisgesundheitsdienstleistungen, gemeindebasierte Aufklärung zu sexueller und reproduktiver Gesundheit, Peer Education an Schulen – wurden im Rahmen der bisherigen Zusammenarbeit auf regionaler Ebene erfolgreich implementiert und validiert. Auch in Zukunft soll die dezentrale Implementierung gefördert werden, darüber hinaus soll verstärkt die institutionelle Verankerung im Gesundheitssystem unterstützt werden. Der Fokus richtet sich daher zunehmend auf die nationale Politikberatung. So sollen in der Vergangenheit validierte gendersensible und menschenrechtsbasierte Konzepte institutionalisiert werden. Darüber hinaus berät das Vorhaben das neu geschaffene Generaldirektorat für Qualität und Patientensicherheit im jemenitischen Gesundheitsministerium bei der Wahrnehmung seiner Funktionen, fördert Maßnahmen zur Personal- und Organisationsentwicklung und die Vernetzung mit relevanten Akteuren, beispielsweise den Aufbau einer intersektoralen Arbeitsgruppe zur Gesundheitsfinanzierung.

Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem von der KfW Entwicklungsbank geförderten Sozialmarketing-Programm und dem Gutscheinsystem für reproduktive Gesundheitsdienstleistungen.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Das Vorhaben baut auf den Ergebnissen der bisherigen Zusammenarbeit (Reproduktive Gesundheit in Jemen) auf. Ende 2013 waren 142 Gesundheitseinrichtungen qualitätszertifiziert, 332 waren im Evaluierungs- beziehungsweise Qualifizierungsprozess. Zusätzlich sind 40 Einrichtungen privater Hebammen am Prozess beteiligt. Das sind über 50 Prozent der Basisgesundheitsdienste für reproduktive Gesundheit in den Programmprovinzen und 25 Prozent auf nationaler Ebene. Andere Geber, wie die Europäische Union sowie verschiedene internationale Nichtregierungsorganisationen, haben das Konzept des Vorhabens übernommen und in weiteren vier Provinzen eingeführt. Die Nutzungsrate von Dienstleistungen im Bereich der reproduktiven Gesundheit (Vorsorge- und Nachsorgeuntersuchungen bei Schwangeren, professionell betreute Geburten) hat sich im Einzugsbereich der zertifizierten Gesundheitszentren durchschnittlich um über 50 Prozentpunkte erhöht. Im Bereich der Gesundheitsaufklärung sichern Freiwillige in 122 Gemeinden einen niedrigschwelligen Zugang zu Informationen und modernen Kontrazeptiva. An über 70 Schulen wurden jugendliche Multiplikatoren (Peer Educators) durch Nichtregierungsorganisationen ausgebildet. Die Nutzung von modernen Verhütungsmitteln in den Programmgemeinden liegt um etwa 25 Prozent über der Nutzungsrate in Vergleichsgemeinden.