Gesundheitssystemstärkung im Jemen

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Gesundheitssystemstärkung mit Schwerpunkt Mutter-und-Kind-Gesundheit und Familienplanung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Jemen
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2018

Newly delivered sterilization equipment   Photo Saleh Nagi

Aktuelle Situation

Die Mehrheit der ländlichen Bevölkerung im Jemen hat keinen Zugang zu formellen Gesundheitsdienstleistungen. Viele Gesundheitseinrichtungen bieten Leistungen von ungenügender Qualität, und das Personal verfügt nicht über die erforderlichen fachlichen Kenntnisse und Managementkompetenzen, um die Situation verbessern zu können. Die Gesundheitserziehung ist oft unzureichend, vor allem für Frauen. Die Gebührenpflichtigkeit der Leistungen und das geringe Vertrauen in die Gesundheitseinrichtungen beschränken die Nachfrage. Hinzu kommt, dass seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2015 die Gehälter nicht regelmäßig gezahlt werden und nur 45 Prozent der Einrichtungen voll funktionsfähig sind.

Die Gesamtgesundheitsausgaben im Jemen gehören zu den niedrigsten der Arabischen Halbinsel. Wichtige Gesundheitsindikatoren, die bereits vor dem Konflikt besorgniserregend waren, haben sich in den letzten Jahren noch verschlechtert. Der gegenwärtige Krieg zieht vor allem Frauen und Kinder in Mitleidenschaft. Es fehlen wesentliche Gesundheitsdienstleistungen für schwangere Frauen und Gesundheitsdienstleistungen für Kinder. Zusätzlich muss das ohnehin überlastete Gesundheitssystem eine schwere Choleraepidemie bewältigen, die im April 2017 ausbrach. Aktuell ist das Gesundheitssystem auf internationale Hilfe und humanitäre Akteure angewiesen.

Ziel

Die Gesundheitsämter der subnationalen Gouvernements sind in der Lage, qualitativ akzeptable Basisgesundheitsdienstleistungen für Mütter und Kinder bereitzustellen.

Health planning at the Health Unit Photo Saleh Nagi

Vorgehensweise

Im Rahmen der Vorgängerprojekte wurde seit 2004 auf die Verbesserung der Basisdienstleistungen im jemenitischen Gesundheitssystem hingearbeitet. Dies umfasste gemeindebasierte Aufklärung zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit. Außerdem wurden Beratungsleistungen für die Einrichtung einer intersektoralen Arbeitsgruppe zur Finanzierung des Gesundheitssystems bereitgestellt.

Seit dem Ausbruch des Krieges konzentriert sich die Unterstützung durch das Projekt auf vier Gouvernements: Sana’a, Al-Mahweet, Hajjah und Ibb. In den Gesundheitsämtern der Gouvernements werden Maßnahmen zum Kapazitätsaufbau durchgeführt. Dazu gehört die Schulung des Personals der Basisgesundheitseinrichtungen in reproduktiver Gesundheit, Hygiene, Infektionsbekämpfung und -management. Darüber hinaus wird ein Netzwerk ehrenamtlicher medizinischer Helfer aus den Gemeinden bei ihrer Arbeit in abgelegenen Dörfern unterstützt. Und schließlich erhalten die Gesundheitseinrichtungen Unterstützung dabei, die Cholerabehandlung und -vorbeugung zu verbessern, mobile Dienste anzubieten und Cholera-Sensibilisierungs- und Präventionskampagnen in den umliegenden Dörfern durchzuführen.

Working at village level with midwives Photo  Saleh Nagi

Wirkungen

Ende 2013 waren 142 Gesundheitseinrichtungen qualitätszertifiziert, 330 weitere befanden sich im Evaluierungs- bzw. Qualifizierungsprozess. Beteiligt an diesem Prozess waren auch ca. 40 Einrichtungen unabhängiger Hebammen. Die Nutzungsrate von Dienstleistungen im Bereich der reproduktiven Gesundheit erhöhte sich im Einzugsgebiet der zertifizierten Gesundheitszentren bis 2014 durchschnittlich um mehr als 50 Prozent.

Die Nutzung von modernen Verhütungsmitteln lag in den Projektgemeinden um etwa 25 Prozent über der Nutzungsrate in Vergleichsgemeinden.

Andere Entwicklungspartner wie die Europäische Union profitieren von den Schulungskräfte-Netzwerken sowie den im Rahmen des Projekts erstellten Leitfäden.

Das Projekt hat seit Beginn des Krieges im Jahr 2015 zur Resilienz des Gesundheitssystems beigetragen. Über 90 Prozent der unterstützten Einrichtungen bieten nach wie vor Dienstleistungen für Frauen und Kinder an. 180 Freiwillige in 122 Gemeinden wurden in reproduktiver Gesundheit, Gesundheitserziehung und Erster Hilfe geschult. Sie bieten niederschwelligen Zugang zu Informationen und modernen Verhütungsmitteln.

In Zusammenarbeit mit der WHO und UNICEF werden im Rahmen des Projekts Schulungen zur Cholerasensibilisierung, -prävention und -behandlung für die Mitarbeiter einer Reihe von Gesundheitseinrichtungen sowie die freiwilligen medizinischen Helfer aus den Gemeinden durchgeführt. Spezielle Hygiene-Kits wurden an die Gemeinden verteilt und helfen, die weitere Übertragung der Krankheit zu verhindern.