Verbesserung der Bildungsqualität

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm zur Verbesserung der Bildungsqualität
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Jemen
Politischer Träger: Ministerium für Bildung und Erziehung; Ministerium für Hochschulbildung und Forschung
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2016

Jemen. Das Vorhaben stärkt das Bewusstsein für die Bedeutung von Mädchenbildung, durch Einbindung Eltern und der Gemeinden. Lächelnde Schülerinnen © GIZ

Ausgangssituation
Jemen wird trotz beachtlicher Anstrengungen im letzten Jahrzehnt das Millenniumsziel „Bildung für alle“ nicht erreichen. Die Netto-Einschulungsrate lag 2012 bei 82 Prozent. Vor allem für Mädchen ist der Zugang zu Bildung schwierig: 2012 waren landesweit nur etwa 73 Prozent eingeschult, in der Sekundarschule 29 Prozent. Zusätzlich ist die Bildungsqualität unzureichend. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Auf Schulebene behindern überfüllte Klassen, ungenügendes Schulmanagement, unzureichend qualifiziertes Personal und mangelnde pädagogisch-fachliche Unterstützung erfolgreiches Lernen und Lehren. Auf Systemebene fehlen ausreichende finanziellen Ressourcen und es mangelt an effektiver Bildungsplanung und -verwaltung.

Ziel
Die individuellen, organisatorischen und institutionellen Kapazitäten zur Steigerung der Bildungsqualität sind verbessert.

Vorgehensweise
Seit 2002 unterstützt die GIZ in Kooperation mit der KfW Entwicklungsbank den jemenitischen Bildungssektor, um den Zugang zur Bildung, ihre Qualität und die institutionelle Leistungsfähigkeit im Bildungssektor zu verbessern. Anfang 2014 startete das neue Programm zur Verbesserung der Bildungsqualität. Politischer Partner sind das Bildungs- und das Hochschulministerium. Das Vorhaben knüpft an das Vorgängerprogramm zur Verbesserung der Allgemeinbildung (GEIP) an. Schwerpunkt ist eine Qualitätssteigerung, vor allem die ersten drei Schuljahre stehen im Zentrum.

Das Programm ist in drei Aktionsfeldern tätig:
  1. Personalentwicklung: Entwicklung und Pilotierung von Bachelor-Qualifizierungsmaßnahmen für nicht ausreichend qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer der Klassen 1–3 sowie Entwicklung und Pilotierung von Zertifizierungskursen für Schulleitungen, Schulaufsicht sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter
  2. Schul- und Organisationsentwicklung: Fortführung von Schulentwicklungsmaßnahmen in 72 Pilotschulen und 12 Tandemschulen in den Governoraten Sana’a City und Hajja: Förderung von Schulleitungen, Lehrpersonal, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, unter Beteiligung von Eltern und Gemeinden; Stärkung der Supervision und des professionellen Austausches; Entwicklung eines Tandem-Konzepts für die Ausweitung der Pilotregion
  3. Unterrichtsentwicklung: Entwicklung und Erprobung eines Numeracy-Konzepts für die Klassen 1–2: Curriculum-Design, Entwicklung von Materialien, Trainingsformaten sowie Monitoring und Evaluierungsschritten
Darüber hinaus berät das Programm das Bildungsministerium in Strategiefragen, bei der Ausrichtung der jährlichen Bildungskonferenz und nach Bedarf.

Jemen. Lernen soll Spaß machen und fürs Leben sein. Kleine Schuljungen in bester Laune © GIZ

Wirkung – Was bisher erreicht wurde
Das neue Programm stützt sich auf bisher erfolgreich entwickelte Maßnahmen der vorangegangenen Programme und baut diese weiter aus.

Das Schulentwicklungskonzept ist aufgrund guter Erfahrungen in den letzten zwei Jahren im Sektor bekannt und eine der Prioritäten des Ministeriums. Die Leistungsfähigkeit von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, Lehrpersonal, Schulleitungen und Schulaufsicht wurde durch Weiterbildungsmaßnahmen verbessert. Motivation und Professionalität wurden durch die Definition von Leistungsstandards gesteigert.

Aktive Väter- und Mütterräte wurden in den Pilotschulen eingerichtet und tragen zur Verbesserung der Schulen bei. Die Einbindung der Gemeinden in öffentliche Veranstaltungen führt beispielsweise zu einem gesteigerten Bewusstsein für die Bedeutung von (Mädchen-)Bildung. Dadurch treten weniger Fälle von Schulabbrechen auf. Durch Koordinierungsräte für Mädchenbildung in den Provinzen wurde das Thema Mädchenförderung dezentral verankert.

Das Schulaufsichtssystem wurde differenziert und ausgebaut. Neben fachspezifischem Feedback erhalten Lehrpersonal, Schulleitungen sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter auch Rückmeldung zu Managementthemen oder ihren didaktischen Fähigkeiten.

Ein Arabisch-Programm für die ersten Klassen wurde erfolgreich mit dem Kooperationspartner USAID/CLP eingeführt. Mittlerweile wird es an über 1.000 Schulen eingesetzt.

Studien zu Lehrerabwesenheit und zum Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik im jemenitischen Bildungssektor haben Aufmerksamkeit für diese Themen erweckt (Agenda-Setting). Ein entwickeltes und verabschiedetes Planungsmanual trägt zur kohärenten Planung im gesamten Bildungssystem bei.

Das Bildungsministerium wurde bei der Erstellung der nationalen Bildungsstrategien fachlich und methodisch beraten. Die ministeriellen Abteilungen „Training“, „Gemeindebeteiligung/Mädchenbildung“ sowie „Schulaufsicht“ sind heute in ihrer Leistungsfähigkeit gestärkt. Außerdem wurde ein Konzept zur nationalen Lernstandserhebung entwickelt. 

Jemen. Die Qualifikation des Schulpersonals an Pädagogischen Hochschulen ist zukünftig ein neuer Programmschwerpunkt. Absolvent beim Studium © GIZ

Kontakt

Ulrich MacDonald
ulrich.macdonald@giz.de