Verbesserung der Bildungsqualität

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm: Verbesserung der Allgemeinbildung in Jemen, Modul: Verbesserung der Bildungsqualität in Jemen, Quality Education Improvement Program (QEIP) 
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Jemen
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2019

Jemen. Das Vorhaben stärkt das Bewusstsein für die Bedeutung von Mädchenbildung, durch Einbindung Eltern und der Gemeinden. Lächelnde Schülerinnen © GIZ

Ausgangssituation

Das Bildungssystem in Jemen ist mit großen Herausforderungen konfrontiert. Es ist nicht in der Lage, allen Kindern im schulpflichtigen Alter eine Bildung in ausreichender Qualität zu bieten. Die Einschulungsrate in den Grundschulen lag 2012 bei 82 Prozent. Allein in der ersten Klasse brechen rund 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Schule ab. Vor allem Mädchen sind traditionsbedingt oft gezwungen, die Schule vorzeitig zu verlassen, um zu heiraten. Die Lernleistungen sind sehr gering. Für eine Verbesserung der Bildungsqualität fehlt es an gut qualifiziertem Personal. Insbesondere in ländlichen Gebieten führt ein akuter Mangel an qualifizierten Lehrerinnen zu negativen Auswirkungen auf den Schulbesuch von Mädchen. Als Folge des gewaltvollen Konfliktes sind Schulen zum Teil zerstört. Es kommt zu Verzögerungen und Unterrichtsausfall. Fast 1,5 Millionen Kinder sind im Land auf der Flucht. Die Regierung versucht, das Bildungsangebot für über fünf Millionen Kinder und Jugendliche aufrechtzuerhalten.

Ziel

Die Regierung Jemens sichert trotz der anhaltenden Konflikte die Qualität der Bildung.

ye-schuljungen_rdax_350x227

Vorgehensweise

Im Auftrag der Bundesregierung fördert die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH den Bildungssektor in Jemen. Ziel des Projektes in Kooperation mit der KfW Entwicklungsbank (Kreditanstalt für Wiederaufbau) ist, die Qualität des Bildungsangebotes und die institutionelle Leistungsfähigkeit im Bildungssektor zu sichern.

Das Programm ist in drei Aktionsfeldern tätig:

1. Personalentwicklungsmaßnahmen umfassen  

  • Bachelor-Qualifizierungsmaßnahmen für das Lehramt im Grundschulbereich für nicht ausreichend qualifizierte Lehrerkräfte der Klassen 1-3 sowie
  • Zertifizierungskurse für Schulleitung, Schulaufsicht sowie Schulsozialarbeitskräften auf Hochschulebene.
     

2. Schulentwicklung und psychosoziale Unterstützung:

Dabei werden

  • Schulentwicklungsmaßnahmen in 72 Pilotschulen in den Governoraten Sana`a City und Hajja umgesetzt;
  • Schulleitung, Lehrpersonal, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter gefördert, Supervision und der professionelle Austausch gestärkt und Eltern und Gemeinden beteiligt.
  • Psychosoziale Unterstützungsangebote an 107 Pilotschulen aufgebaut.
     

3. Bildungsmanagement im Umgang mit Krisensituationen:
 

  • Eine Handreichung für das dezentrale Bildungsmanagement wird entwickelt. Sie enthält Handlungsoptionen, die zeigen, wie den Herausforderungen bei anhaltenden Konflikten begegnet werden kann.
  • Die Kooperation der Bildungsverwaltungen und Bildungsinstitutionen auf lokaler Ebene wird gestärkt und
  • Trainingsmaßnahmen für Schulleitungen und Bildungsmanager dezentraler Verwaltungen werden durchgeführt.
  • Das Bildungsministerium beraten, einen dreijährigen Bildungsplan zu erstellen.

 

ye-absolvent-paedagogische-hochschule_rdax_350x233

Wirkungen (bisher erreicht)

Schulentwicklung ist eine der Prioritäten des Ministeriums. Gestärkte und professionellere Zusammenarbeit von Schulen, Gemeinden und Eltern sowie zunehmend mit lokalen Räten hat die Resilienz und Motivation von Lehrpersonal, Schulleitungen sowie Schulaufsicht verbessert. Insgesamt profitieren circa 95.000 Schüler, davon rund 56 Prozent Mädchen, von Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung. In 107 Pilotschulen in zwei Governoraten gibt es aktive Väter- und Mütterräte. Sie unterstützen die Planung und Umsetzung der Schulentwicklungspläne und tragen insbesondere Sorge dafür, dass der Schulprozess aufrechterhalten bleibt. Daher brechen in den Pilotschulen weniger Kinder die Schule ab.

Als Folge der anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen sind psychosoziale Unterstützungsangebote essenziell für die Bewältigung traumatischer Erlebnisse von Kindern und Lehrpersonal. Mehr als 3.100 Schulsozialkräfte wurden dafür qualifiziert.

Außerschulische Aktivitäten unterstützen Kinder und Lehrkräfte, Erfahrungen im Zusammenhang mit Krieg und Flucht zu verarbeiten. In bislang 85 Schulen wurden mehr als 500 so genannte „Recreational Kits“ für die spielerische Bewältigung von Traumata zur Verfügung gestellt. Die Aktivitäten stärken den sozialen Zusammenhalt und verbessern das Lehr- und Lernklima an den Schulen. UNICEF und weitere Organisationen implementieren diesen Ansatz in 13 weiteren Governoraten in Jemen.

Das Schulaufsichtssystem wurde differenziert und ausgebaut. Neben fachspezifischem Feedback erhalten Lehrpersonal, Schulleitungen und Schulsozialkräfte auch Rückmeldungen zu Managementthemen oder ihren didaktischen Fähigkeiten.

Es gibt jetzt erstmals einen berufsbegleitenden Studiengang für Grundschulpädagogik an der Universität in Sana’a. 38 Lehrkräfte der Klassenstufen 1 bis 3 – überwiegend Frauen – haben bereits das erste Studienjahr erfolgreich absolviert und sich für das zweite registriert.