Wirtschaftliches Wachstum – sinkende Armut

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Regionale Wirtschaftsentwicklung (Siem Reap - Banteay Meanchey - Oddar Meanchey Provinzen)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 
Land: Kambodscha 
Politischer Träger: Rat für die Entwicklung Kambodschas (Council for the Development of Cambodia, CDC)
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2017

Zwei Frauen vergleichen während einer Schulung Reisqualitäten © GIZ

Ausgangssituation

Kambodscha hat in den letzten etwa 15 Jahren eine bemerkenswerte wirtschaftliche Entwicklung durchlaufen, die zur Verminderung der Armutsrate von 53% im Jahr 2004 auf unter 20% im Jahr 2015 geführt hat. Doch vielen ehemals armen Haushalten droht schon bei geringen wirtschaftlichen Rückschlägen, erneut unter die Armutsgrenze zu fallen. Um dies zu verhindern, ist auch in Zukunft das Wirtschaftswachstum breitenwirksam zu gestalten. 90% der Armen und derjenigen, die eben der absoluten Armut entkommen sind, leben in ländlichen Gebieten. Dies trifft auch auf die drei Provinzen Banteay Meanchey, Oddar Meanchey und Siem Reap im Nordwesten Kambodschas zu. Mit einer Bevölkerung von insgesamt rund 2,2 Millionen Menschen repräsentieren sie eine Mischung von dicht und weniger dicht besiedelten und unterschiedlich von Armut betroffenen Gebieten. Gleichzeitig verfügen die Provinzen über vielfältige Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Entwicklung. Zwei von ihnen grenzen an Thailand, eine ist wegen der Angkor-Ruinen ein Hauptziel des globalen Tourismus mit der schnell wachsenden Stadt Siem Reap im Zentrum. Es sind diese endogenen Potentiale, an denen die Förderung einer breitenwirksamen lokalen Wirtschaftsentwicklung ansetzt.

Ziel

Die arme, ländliche Bevölkerung – insbesondere Frauen – nutzt neue, nachhaltige Geschäfts- und Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verbesserung ihrer Einkommen und zur Minderung der Armut.

Vorgehensweise

Das Programm, mitfinanziert durch das Schweizer Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), wird in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern des öffentlichen Sektors auf nationaler, Provinz-, Distrikt- und kommunaler Ebene, dem Privatsektor und der Zivilgesellschaft durchgeführt.

Ausgehend von der Marktnachfrage der Endkunden werden für ausgewählte Güter, wie beispielsweise Reis, Gemüse oder lokale Handwerksprodukte die Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Produktion bis zur Vermarktung, beraten. Wachsende lokale und internationale Märkte schaffen auch für kleinere Produzenten im ländlichen Raum neue Möglichkeiten. Schulungen vermitteln ihnen neues Wissen und neue Techniken. Sie lernen, wie sie an aktuelle Preisinformationen kommen, erhalten Inputs, um ihre Produktqualität zu verbessern oder erlernen nachhaltige Anbauverfahren. Das erhöht die Wettbewerbsfähigkeit lokaler landwirtschaftlicher, aber auch nicht-landwirtschaftlicher Betriebe, verknüpft Produzenten mit Dienstleistungsanbietern und Hersteller eines Produktes mit Weiterverkäufern oder weiterverarbeitenden Betrieben. So baut sich Vertrauen zwischen den Geschäftspartnern entlang der Wertschöpfungskette auf und es entstehen stabile Geschäftsbeziehungen.

Neu eingerichtete Dialogformate zwischen öffentlichem Sektor, Privatwirtschaft, Initiativen von Kleinproduzenten und der Zivilgesellschaft helfen auf Distriktebene, die eigenen Möglichkeiten zu erkennen, Zugangsbarrieren zu Märkten zu überwinden und längerfristig die lokale Wirtschaft zu entwickeln. Das Projektteam bezieht dabei die armen und schwächeren Teile der ländlichen Bevölkerung, vor allem auch Frauen, ein. Sie erhalten intensive fachliche, organisatorische und unternehmerische Schulungen. So bauen die ländlichen Haushalte Vertrauen in ihre eigenen wirtschaftlichen Fähigkeiten auf und agieren zunehmend sicherer in einer offenen Marktumgebung.

Institutionen des öffentlichen und privaten Sektors werden qualifiziert, technische und betriebswirtschaftliche Dienstleistungen, die auf die Bedarfe der kleinen und mittleren Bauern abgestellt sind, anzubieten. Mit Unterstützung des Projektteams entwickeln die Mitarbeiter der Provinz- und Kommunalverwaltungen neue Rollenbilder als Anbieter von Unterstützungsleistungen zur Förderung privatwirtschaftlicher Aktivitäten.

Wirkungen

Das Programm schließt an konzeptionell ähnliche Vorläuferprogramme an, die ausschließlich in der Provinz Siem Reap durchgeführt wurden. Diese Erfahrungen weitet das Projektteam jetzt auch auf die beiden Provinzen Banteay Meanchey und Oddar Meanchey aus. In Siem Reap erhöhte sich beispielsweise der Anteil lokaler Gemüseprodukte auf den örtlichen Märkten von sieben auf 25%. Auch die Qualität und Menge von exportfähigem Reis sind erheblich gestiegen. Etwa 17.500 kleinbäuerliche und handwerkliche Betriebe konnten so ihr jährliches Einkommen um durchschnittlich etwa 200 US$ steigern, was einem jährlichen Gesamtzuwachs an Einkommen von circa 3,5 Millionen US$ entspricht. Ungefähr 15% dieser Betriebe lebten zuvor unter der Armutsgrenze. Gerade Kleinhandwerk und Gemüseproduktion haben Frauen geholfen, da diese Tätigkeiten zumeist in der Nähe des Hauses ausgeführt werden können und sie somit der typischen Lebenssituation von Frauen im ländlichen Kambodscha gerecht werden. Damit hat das Programm zum Rückgang der Armut in der Provinz Siem Reap von etwa 50% auf rund 20% beigetragen. Darüber hinaus haben Partner des öffentlichen und privaten Sektors Erfahrungen mit der Wirkungsweise und Wirksamkeit von Wirtschaftsförderungsansätzen und -instrumenten gewonnen und wenden diese weiter an.

Diese Erfahrungen werden nun auf die neuen Provinzen Banteay Meanchey und Oddar Meanchey übertragen. In diesen Provinzen entsprechen die Voraussetzungen etwa denen in Siem Reap.

Ein Bauer demonstriert, wie Hühner gegen Krankheiten geimpft werden © GIZ