Energising Development (EnDev) Nepal

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Energising Development (EnDev) Nepal
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen der Energiepartnerschaft EnDev, die von Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Großbritannien, der Schweiz und Schweden finanziert wird.
Land: Nepal
Politischer Träger: Ministerium für Energie
Gesamtlaufzeit: 2009 bis 2018

Ausgangssituation

Trotz des enormen Potenzials für die Nutzung von Wasserkraft haben nur 76 Prozent der nepalesischen Bevölkerung Zugang zu elektrischem Strom. Hinzu kommt ein deutliches Stadt-Land-Gefälle: Während etwa 94 Prozent der Stadtbewohner einen Stromanschluss haben, gilt das für gerade einmal 61 Prozent der Landbevölkerung. Die Menschen auf dem Land sind nach wie vor auf traditionelle Energieformen angewiesen und nutzen zur Beleuchtung beispielsweise Kerosinlampen und Kerzen. Die Engpässe in der Stromversorgung beschränken Bildungschancen, die Qualität der medizinischen Versorgung, den Zugang zu Informationen sowie die Möglichkeiten der Einkommenserzielung.

Ziel

Mehr als 330.000 Menschen, rund 3.200 Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen (KKMU) und mehr als 70 soziale Einrichtungen haben Zugang zu nachhaltigen, modernen Energiedienstleistungen für den Betrieb von Leuchten und anderen elektrischen Geräten. Darüber hinaus haben rund 148.500 Menschen Zugang zu modernen Kochtechnologien.

Vorgehensweise

Das Vorhaben ist Teil der globalen Multi-Geber-Energiepartnerschaft Energising Development (EnDev), die bis 2019 weltweit 20 Millionen Menschen einen Zugang zu nachhaltigen Energiedienstleistungen verschaffen will. Die Energiepartnerschaft ist ein wirkungsorientiertes, globales Programm, an dem sich Deutschland, die Niederlande, Norwegen, Australien, Großbritannien, die Schweiz und Schweden beteiligen. Die in diesen Ländern verantwortlichen staatlichen Stellen sind das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ, Deutschland), die Generaldirektion für internationale Zusammenarbeit des niederländischen Außenministeriums (DGIS), das norwegische Außenministerium (MFA), das australische Außen- und Handelsministerium (DFAT), das britische Ministerium für internationale Entwicklung (DFID) die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und die schwedische Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit (SIDA).

EnDev Nepal verbessert den Zugang zu modernen Energiedienstleistungen durch eine netzbasierte Elektrifizierung und fördert gleichzeitig die Bereitstellung von Finanzierungslösungen für Kleinwasserkraftwerke und die produktive Nutzung von Strom. Die netzbasierte Elektrifizierung ist ein Beitrag zum Programm des nepalesischen Energieministeriums zur Elektrifizierung der ländlichen Gemeinden, das vom nationalen Stromversorger Nepal Electricity Authority (NEA) umgesetzt wird. Die Gemeinden treten gegenüber der NEA als Großkunde auf, sind für den Betrieb des lokalen Stromverteilungsnetzes verantwortlich und erledigen die Abrechnung gegenüber der NEA und den einzelnen Verbrauchern. EnDev hat einen von der NEA verwalteten Rotationsfonds entwickelt, der den Gemeinden zinsgünstige Darlehen für den Netzausbau und die Netzmodernisierung bietet. Darüber hinaus leistet EnDev technische Unterstützung beim Betrieb, der Wartung und dem Management der Kleinwasserkraftwerke. Das Projekt unterstützt außerdem die produktive Nutzung von Strom auf lokaler Ebene, um das Finanzierungsmodell der Gemeinden zu stabilisieren und deren Geschäftsmöglichkeiten zu erweitern. Zu diesem Zweck kooperiert das Vorhaben mit der schweizerischen Entwicklungsorganisation HELVETAS Swiss Intercooperation und dem örtlichen Dachverband der gemeindebasierten Elektrifizierungsgemeinschaften NACEUN.

EnDev Nepal leistet nicht nur einen Beitrag zum Netzausbau, sondern arbeitet mit der NEA auch an einer armutsorientierten Komponente zur Netzverdichtung. Dabei sollen über die Kleinwasserkraftwerke der Gemeinden Haushalte durch direkte Anreize gefördert werden. Die Betreiber der Kleinwasserkraftwerke identifizieren die Nutzer, die wegen der hohen Anschlusskosten bisher keinen Stromanschluss wollten, und bieten ihnen einen Stromanschluss zu verringerten Anschlusskosten an. Gewinnt der Betreiber eines Kleinwasserkraftwerks einen neuen Kunden, so kann er den entsprechenden Anreiz in Anspruch nehmen.

Zur Unterstützung der netzunabhängigen Stromversorgung arbeitet EnDev mit dem Alternative Energy Promotion Centre der nepalesischen Regierung zusammen, um den Entwicklern von Kleinwasserkraftwerken einen Zugang zu Darlehen zu verschaffen. Dazu dient ein entsprechender Schuldenfonds, den zwei örtliche Privatbanken verwalten. Einerseits sorgt der Fonds dafür, dass die Entwickler den notwendigen finanziellen Rückhalt für ihre Projekte haben, andererseits ermöglicht er es den Privatbanken, sich an Elektrifizierungsprojekten zu beteiligen. Dies wiederum schafft Anreize für die Finanzierung von Projekten, die bislang als risikobehaftet galten.

Ein neues Betätigungsfeld ist die Elektrifizierung traditioneller mechanischer Wassermühlen, und zwar überwiegend in extrem abgelegenen Dörfern. Bei dieser Maßnahme werden die vorhandenen Wassermühlen so verbessert, dass sie Strom erzeugen, der im Dorf genutzt werden kann. Bei dieser Komponente kooperiert EnDev mit SNV, einer niederländischen Nichtregierungsorganisation auf dem Gebiet der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.

Mithilfe eines erfolgsbasierten Finanzierungsmechanismus wird die Verbreitung verbesserter Kochherde unterstützt, die teilweise mit Rauchabzug ausgestattet sind. Der Kooperationspartner bei dieser Maßnahme ist Practical Action Nepal. Die Produzenten der Kochherde werden geschult und für jeden Projektbezirk werden Marktentwicklungspläne erarbeitet. Für jeden erfolgreich installierten Kochherd erhalten die Techniker einen Zuschuss. In den erdbebengefährdeten Gebieten hat das Projekt zusätzlich die Verbreitung verbesserter, tragbarer Kochherde ins Programm aufgenommen.

Wirkungen

Bislang wurden mehr als 200.000 Menschen an das Stromnetz bzw. an netzunabhängige Kleinwasserkraftwerke angeschlossen. Etwa 600 soziale Einrichtungen und beinahe 3.000 KKMU haben mithilfe des Projekts Zugang zu Strom erhalten. Die Verbreitung der verbesserten Kochherde wurde durch das schwere Erdbeben im April 2015 stark beeinträchtigt. Bislang konnten durch diese Maßnahme 63.000 Menschen erreicht werden.

Durch den Stromanschluss entstanden zusätzliche Einkommensmöglichkeiten: So wurden neue Reismühlen errichtet, und auch in der Holzverarbeitung und der Geflügelzucht entstanden neue Arbeitsplätze. Etwa 15 Unternehmen wurden geschult und bieten nun Beratungs- und andere Dienstleistungen zur kommerziellen Nutzung von Strom an. Inzwischen haben die Gemeindeorganisationen durch die Capacity Building-Maßnahmen von EnDev ihre Kenntnisse über die produktive Nutzung von Strom erweitern können. Außerdem haben die Gemeindeorganisationen ihre Bereitschaft signalisiert, die Nutzung von Strom zu Produktionszwecken mithilfe subventionierter Tarife für Unternehmen noch attraktiver zu machen.

Bis jetzt profitieren die Entwickler von 26 Kleinwasserkraftwerken von der finanziellen Förderung durch den von zwei Geschäftsbanken angebotenen Schuldenfonds. Seit dem Erdbeben von 2015 haben viele Kleinwasserkraftwerke den Betrieb wiederaufgenommen, so dass im Dezember 2016 18 Anlagen wieder Strom lieferten. Die übrigen Kleinwasserkraftwerke stehen kurz vor der Wiederinbetriebnahme, nachdem die Instandsetzung der Anlagen vom Alternative Energy Promotion Centre unterstützt wurde.

Ferner wurden Machbarkeitsstudien zur Modernisierung von 17 Wassermühlen durchgeführt, die zur Stromerzeugung eingesetzt werden sollen. Neun Wassermühlen wurden bereits modernisiert.

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