Ausbildung von Arbeitskräften aus Vietnam zu Pflegefachkräften

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ausbildung von Arbeitskräften aus Vietnam zu Pflegefachkräften
Auftraggeber: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)
Land: Vietnam
Politischer Träger: Ministry of Labour, Invalids and Social Affairs (MoLISA)
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2016

Ausgangssituation
In Deutschland herrscht in der Altenpflege ein eklatanter Fachkräftemangel. Nach Expertenschätzung wird im Zuge des demografischen Wandels die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland von derzeit etwa 2,3 Millionen bis 2030 auf rund 3,4 Millionen steigen. Bereits jetzt konstatieren Wohlfahrtsverbände und die Bundesagentur für Arbeit einen gravierenden Mangel an examinierten Altenpflegern und warnen vor akutem Pflegenotstand. Ohne grundlegende Weichenstellungen werden rund eine halbe Million Stellen in der Pflege unbesetzt bleiben.

Nach einer aktuellen Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) kann der Fachkräftemangel aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland mittel- und langfristig nicht durch einheimische Kräfte gedeckt werden. Auch die gegenwärtigen Potenziale an Arbeitskräften in den südlichen und östlichen EU-Mitgliedstaaten werden angesichts ähnlicher demografischer Entwicklungen schnell erschöpft sein. Mittelfristig wird es deshalb unumgänglich sein, Fachkräfte auch außerhalb Europas zu gewinnen. Arbeitsuchende junge Menschen aus Schwellen- und Entwicklungsländern sollen deshalb gewonnen werden, um in Deutschland den Ausbildungsgang Altenpflege zu durchlaufen.

Gemäß der Beschäftigungsverordnung kann den Absolventen einer qualifizierten Berufsausbildung in Deutschland – in einem staatlich anerkannten oder vergleichbar geregelten Ausbildungsberuf – anschließend die Zustimmung zum Aufenthaltstitel erteilt werden.

Gelingt es, einen verkürzten Ausbildungsgang für die ausländischen Auszubildenden einzurichten, wäre der Zeitraum von der Ankunft in Deutschland bis zum ersten vollwertigen Arbeitseinsatz kaum länger als der Anerkennungsprozess ausländischer Abschlüsse. Voraussetzung wäre in diesem Fall jedoch, dass die Kräfte in ihrem Herkunftsland eine Vorausbildung und Arbeitserfahrung in der Pflege erworben haben.

Ziel
Chancen und Möglichkeiten einer Ausbildung junger Menschen aus Schwellen- und Entwicklungsländern zu Pflegekräften in Deutschland sind ausgelotet und modellhaft erprobt.

Vorgehensweise
Im Rahmen eines Pilotprojekts absolviert seit Herbst 2013 eine Gruppe von 100 jungen Vietnamesinnen und Vietnamesen eine Ausbildung zur Altenpflegefachkraft. Nach einem staatlich geförderten halbjährigen Sprachkurs beim Goethe Institut in Hanoi werden die Teilnehmenden in Kleingruppen in Pflegeeinrichtungen in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin und Niedersachsen ausgebildet. Berufsbegleitende Sprachkurse und interkulturelle Begleitprogramme erleichtern das Ankommen im neuen Alltag. Als Ansprechpartner begleiten fachnahe Regionalkoordinatoren und vietnamesischsprachige Mentoren die Auszubildenden und ihre Praxispartner in Beruf und Theorie.

Im Rahmen der Fortführung des erfolgreichen Pilotprojekts des BMWi werden ab August 2015 bereits zum zweiten Mal rund 100 junge Vietnamesinnen und Vietnamesen eine Altenpflegeausbildung in Deutschland durchlaufen. Das sprachliche Qualifizierungsprogramm startet bereits im August 2014. Im Rahmen eines einjährigen Intensivsprachkurses erlernen die künftigen Auszubildenden Deutsch bis zum Sprachniveau B2. Neben dem reinen Spracherwerb ergänzt ein fachsprachliches Vorbereitungsmodul sowie ein interkulturelles Begleitprogramm die Vorbereitung auf den beruflichen Einsatz fernab der Heimat.

Zahlreiche junge Menschen sind an einer Ausbildung mit anschließendem Arbeitsaufenthalt in Deutschland interessiert. Das Land hat eine sehr junge Bevölkerung und kann bei weitem nicht alle, die auf den einheimischen Arbeitsmarkt strömen, in Beschäftigungsverhältnisse bringen.

Der neue Ansatz nutzt bestehende Arbeitsbeziehungen zu vietnamesischen Verwaltungen, zum Beispiel zum vietnamesischen Arbeitsministerium, und berücksichtigt die lokalen Entwicklungen. Darüber hinaus ergeben sich für die deutsche Wirtschaft attraktive Investitions- und Kooperationsansätze.

Die GIZ führt das Modellvorhaben im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und in Zusammenarbeit mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit durch. Die Erkenntnisse des wissenschaftlich begleiteten Pilotvorhabens sollen der Pflegebranche in Deutschland als Modell zur Anwerbung ausländischer Fachkräfte dienen.

Die am Modellprojekt teilnehmenden 200 jungen Vietnamesinnen und Vietnamesen werden in enger Zusammenarbeit mit dem vietnamesischen Arbeitsministerium und dem Kooperationspartner ZAV ausgewählt. Für eine verkürzte deutsche Ausbildung ist die zentrale, obligatorische Bewerbungsvoraussetzung eine abgeschlossene dreijährige Ausbildung als College-Nurse oder eine vierjährige Ausbildung als Bachelor-Nurse.


Kontakt

Reinhild Renée Ernst
reinhild.ernst@giz.de