Ziviler Friedensdienst: Dialog für Vertrauen schaffen

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst: Dialogförderung zum vertrauensbasierten Land- und Ressourcenmanagement in Äthiopien in der Region Oromia, Äthiopien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Äthiopien
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2021

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Ausgangssituation

Äthiopien vereint eine Vielzahl unterschiedlicher ethnischer Gemeinschaften. Seit 1995 wird das Land nach den Prinzipien eines dezentralen, ethnischen Föderalismus regiert. Dennoch übte die Zentralregierung über Jahre großen Einfluss auf allen politischen Ebenen aus. Mit der Wahl des neuen Premierministers 2018 hat eine Zeit der Reform und Liberalisierung begonnen. Gleichzeitig kommt es vermehrt zu offen ausgetragenen Konflikten um Grenzen und politischer Teilhabe auf Grundlage ethnischer Identitäten. 

Oromia ist der größte Bundesstaat Äthiopiens. Er grenzt an sieben der acht anderen Regionen sowie an Kenia und Sudan. Neben den Oromos lebt hier eine Vielzahl ethnischer Gemeinschaften. Die Bevölkerung Oromias stellt rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung des Landes. Sie fühlte sich jedoch bisher von der Regierung in ihrer politischen und wirtschaftlichen Mitbeteiligung eingeschränkt. Eine starke Protestbewegung, die großen Anteil an der Wahl des Premierministers Abiy Ahmed hatte, startete bereits 2014 in Oromia. Zudem sind hier, wie in weiten Teilen Äthiopiens, Wasser, fruchtbares Land sowie verlässliche Landnutzungsrechte zunehmend knapp. 

Konflikte um Zugang und Nutzung dieser Ressourcen entstehen zwischen Wanderhirt*innen und Landwirt*innen, zwischen Binnenvertriebenen und Aufnahmegemeinden und zwischen Einheimischen und Siedler*innen. Aber auch zwischen lokaler Bevölkerung und Großprojekten, darunter landwirtschaftliche Investitionen in beispielsweise Zuckerrohrplantagen oder auch staatliche Projekte wie Nationalparks. Dabei kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Gründe sind unterschiedlich. Unter anderem geht es um Wassernutzung, die Verteilung von Weide- und Ackerbauland, Landtitel im Spannungsfeld zwischen traditionellen, gewohnheitsrechtlichen und formell-staatlichen Land- und Ressourcenregulierungen sowie ethnische und religiöse Zugehörigkeiten. Klimawandel, Umweltverschmutzung sowie starkes Bevölkerungswachstum verstärken die Ressourcenknappheit und führen zu Binnenmigration in ganz Äthiopien. Gegenseitige Vorurteile sowie die Verbindung von ethnischer Zugehörigkeit und politischer Repräsentanz verschärfen die Konflikte zusätzlich. 

Der Streit um diese Ressourcen und deren Nutzung führt auch über Oromia hinaus zu Konflikten mit den angrenzenden Regionen. In allen Auseinandersetzungen ist die mangelnde Beteiligung der lokalen Bevölkerung, vor allem von Frauen, Minderheiten und Jugendlichen, ein konfliktverschärfender Faktor.

Ziel

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen, traditionellen Autoritäten, Regierungsvertreter*innen und Nichtregierungsorganisationen in Oromia und an dessen Grenzen trägt dazu bei, dass Land- und Ressourcenkonflikte zunehmend gewaltfrei bearbeitet werden. 

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Vorgehensweise

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) fördert vertrauensbildende Maßnahmen. Diese unterstützen bestehende und neu geschaffene Mechanismen einer nachhaltigen und konfliktsensiblen Land- und Ressourcennutzung.

In Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern, darunter das Friedensministerium (Ministry of Peace, MOP), das Oromia Büro für Verwaltung und Sicherheit (Oromia Bureau of Administration and Security, OBAS), die Oromia Vereinigung der Hirtennomad*innen (Oromia Pastoralist Association, OPA) und die äthiopische evangelische Kirche Mekane Yesus (Ethiopian Evangelical Church Mekane Yesus, EECMY), begleitet der ZFD die gewaltfreie Bearbeitung von zunächst drei Konflikten um Land und Ressourcen.

In inklusiven und partizipativen Dialogprozessen wird das Vertrauen der Beteiligten untereinander gefördert. Hierbei werden bestehende traditionelle Strukturen genutzt. Kleinstprojekte, wie gemeinsame -Sport- und Kulturveranstaltungen, stärken das Vertrauen weiter. 

Die aus diesen Prozessen resultierenden positiven Erfahrungen werden diskutiert, aufbereitet und weitergegeben.

Darauf aufbauend unterstützt der ZFD seine Partner bei der gewaltfreien Bearbeitung von Land- und Ressourcenkonflikten. Wesentlich ist hierfür die Bereitschaft der Akteure, Konflikte durch den gemeinsamen Austausch zu bearbeiten und ein gemeinsames Verständnis der Ursachen zu erzeugen. So ist es denkbar, Abkommen über Grenzen der Ressourcennutzung und gemeinsame Regeln zu vereinbaren, um gewalttätiges Handeln zu sanktionieren oder Landnutzungspläne zu entwickeln – zum Beispiel bei Wassernutzungskonzepten oder der gemeinschaftlichen Weidelandnutzung für Nomad*innen.

Die Rolle von Frauen und Jugendlichen wird gestärkt. Ihre Wahrnehmung des Konflikts findet Gehör, sie nehmen aktiv an Dialogprozessen teil und bringen ihre spezifischen Bedarfe ein. 

Die positiven Erfahrungen der gewaltfreien Bearbeitung von drei Konfliktszenarien werden dokumentiert und verbreitet. Dadurch soll die lokale Bevölkerung innerhalb und außerhalb der Projektregion den Mehrwert von Dialog und der gemeinsamen gewaltfreien Bearbeitung von Land- und Ressourcenkonflikten erkennen und nutzen.

 

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