Ziviler Friedensdienst: Dialog für Vertrauen schaffen

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst: Dialogförderung zum vertrauensbasierten Land- und Ressourcenmanagement in Äthiopien in der Region Oromia, Äthiopien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Äthiopien
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2020

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Ausgangssituation

Äthiopien vereint eine Vielzahl unterschiedlicher ethnischer Gemeinschaften. Seit 1995 wird das Land nach den Prinzipien eines dezentralen, ethnischen Föderalismus regiert. Dennoch übt die Zentralregierung, mehrheitlich bestehend aus Angehörigen der ethnischen Gemeinschaften der Tigray und Amhara, großen Einfluss auf allen politischen Ebenen aus.

Oromia ist der größte Bundesstaat Äthiopiens. Er grenzt an fast alle anderen Regionen sowie an Kenia. Neben den dominierenden Oromos lebt hier eine Vielzahl ethnischer Gemeinschaften. Die Bevölkerung Oromias stellt rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung des Landes dar. Sie fühlt sich jedoch von der Regierung in ihrer politischen und wirtschaftlichen Mitbeteiligung eingeschränkt. Zudem sind hier, wie in weiten Teilen Äthiopiens auch, Wasser, fruchtbares Land sowie verlässliche Landnutzungsrechte knappe Ressourcen.

Konflikte um den Zugang zu und die Nutzung dieser Ressourcen entstehen zwischen Wanderhirten und der ansässiger Bevölkerung, zwischen Binnenvertriebenen und Aufnahmegemeinden sowie zwischen Oromos und anderen umgesiedelten Ethnien, die zum Teil in Enklaven leben. Dabei kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Gründe sind unterschiedlich. Unter anderem geht es um Wassernutzung, die Verteilung von Weide- und Ackerbauland, Landtitel im Spannungsfeld zwischen traditionellen, gewohnheitsrechtlichen und formell-staatlichen Land- und Ressourcenregulierungen sowie ethnische und religiöse Zugehörigkeiten. Klimawandel, Umweltverschmutzung sowie starkes Bevölkerungswachstum verstärken die Ressourcenknappheit und führen zu Binnenmigration in ganz Äthiopien. Gegenseitige Vorurteile und Stereotype verschärfen die Konflikte zusätzlich.

Der Streit um diese Ressourcen und deren Nutzung führt auch über Oromia hinaus zu Konflikten mit den angrenzenden Regionen. In allen Auseinandersetzungen ist die mangelnde Beteiligung der lokalen Bevölkerung, insbesondere von Frauen, Minderheiten und Jugendlichen, ein konfliktverschärfender Faktor.

Ziel

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen, traditionellen Autoritäten, Regierungsvertretern und Nichtregierungsorganisationen in Oromia und an dessen Grenzen trägt dazu bei, dass Land- und Ressourcenkonflikte zunehmend gewaltfrei bearbeitet werden.

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Vorgehensweise

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) fördert vertrauensbildende Maßnahmen. Diese unterstützen bestehende und neu geschaffene Mechanismen einer nachhaltigen und konfliktsensiblen Land- und Ressourcennutzung.

In Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern, darunter OBAS (Oromia Bureau of Administration and Security), OPA (Oromia Pastoralist Association) und EWLA (Ethiopian Women Lawyers Association) zur Frauenförderung, begleitet der ZFD die gewaltfreie Bearbeitung von zunächst drei Konflikten um Land und Ressourcen.

In inklusiven und partizipativen Dialogprozessen wird das Vertrauen der Beteiligten untereinander gefördert. Hierbei werden bestehende traditionelle Strukturen genutzt. Kleinstprojekte, wie gemeinsame Kinder-, Sport und Kulturveranstaltungen, stärken das Vertrauen weiter.

Die aus diesen Prozessen resultierenden positiven Erfahrungen werden diskutiert, aufbereitet und weitergegeben.

Darauf aufbauend unterstützt der ZFD seine Partner bei der gewaltfreien Bearbeitung von Land- und Ressourcenkonflikten. So fördert er unter anderem traditionelle Methoden zur Grenzmarkierung. In Gesprächen zwischen Vertretern der verschiedenen Gemeinden (mit Ältesten), sowie zwischen diesen und staatlichen Stellen, werden Landmarks als natürliche Grenzmarkierungen festgelegt. Der ZFD fördert darüber hinaus Baumpflanzungen, partizipatives Mapping von Parzellen sowie ein konfliktsensibles Ressourcenmanagement, zum Beispiel bei Wassernutzungskonzepten oder der gemeinschaftlichen Weidelandnutzung für Nomaden.

Die Rolle von Frauen und Jugendlichen wird gestärkt. Ihre Wahrnehmung des Konflikts findet Gehör, sie nehmen aktiv an Dialogprozessen teil und bringen ihre spezifischen Bedarfe ein.

Die positiven Erfahrungen der gewaltfreien Bearbeitung dieser drei Konflikte werden dokumentiert und verbreitet, unter anderem durch das Peace Radio. Dadurch soll die lokale Bevölkerung innerhalb und außerhalb der Projektregion den Mehrwert von Dialog und der gemeinsamen gewaltfreien Bearbeitung von Land- und Ressourcenkonflikten erkennen und nutzen.