Energising Development (EnDev) Äthiopien

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Energising Development (EnDev) Äthiopien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Äthiopien
Politischer Träger: Ministry of Water, Irrigation and Electricity, Äthiopien
Gesamtlaufzeit: 2010 bis 2020

EnDev ET Ererte MHP Sidama

Ausgangssituation

Äthiopien verfügt über großes Potenzial zur Erzeugung erneuerbarer Energie, mit der sich der Strombedarf des Landes problemlos decken ließe. Trotzdem ist Äthiopien weltweit eines der Länder mit dem niedrigsten Stromverbrauch. Derzeit haben nur ungefähr 30 Prozent der rund 100 Millionen Einwohner Zugang zu Elektrizität. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt auf dem Land; davon haben weniger als [2 %] Zugang zu Elektrizität.

Die fehlende Stromversorgung schränkt das sozioökonomische Entwicklungspotenzial des Landes stark ein. In ländlichen Gebieten gibt es kaum erschwingliche Alternativen zu herkömmlichen Energiequellen wie Kerosin oder gar Brennholz.

Das Fehlen von Alternativen zur Verbrennung von Brennholz oder Kerosin hat gravierende Folgen. Dazu zählen die zunehmende Entwaldung, die wiederum zu Bodenerosion führt, sowie gesundheitsschädlicher Rauch, der beispielsweise Atemwegserkrankungen verursacht. Dieser Situation kann Äthiopien nur begegnen, wenn es die im Land vorhandenen erneuerbaren umweltschonenden Energiequellen ausbaut und nutzt. Diese Lösung stellt die beste Alternative zur Nutzung der bisherigen Energieträger dar.

Ziel

Die Öffnung des Markts für moderne Energietechnologien und -dienstleistungen öffnet den Zugang zu nachhaltigen Energiequellen in Äthiopien. Haushalte mit niedrigen Einkommen, soziale Einrichtungen sowie kleine und mittelständische Unternehmen haben Zugang zu verlässlichen und erneuerbaren Energielösungen.

Vorgehensweise

Das Energising Development Programme (EnDev) ist eine Energiezugangspartnerschaft, die multilateral finanziert und umgesetzt wird. Sie wird derzeit von sechs Geberländern getragen – den Niederlanden, Deutschland, Norwegen, Großbritannien, der Schweiz und Schweden. Im Rahmen eines Globalprogramms wird EnDev Äthiopien zusätzlich von Irland, der Korea Foundation for International Healthcare und der Europäischen Union mitfinanziert.

EnDev Äthiopien unterstützt die Schaffung von Märkten für eine moderne Energieversorgung, wobei der Schwerpunkt auf den ländlichen Gebieten liegt. Das Programm erleichtert netzfernen Haushalten, sozialen Einrichtungen und kleinen und mittelständischen Unternehmen den Zugang zu Energie. Dabei liegt der Schwerpunkt auf drei verschiedenen Technologiearten, nämlich (1) energieeffizienten Kochstellen, (2) Photovoltaikanlagen und (3) der Modernisierung von traditionellen Wassermühlen, so dass damit kleine, von dem Projekt aufgebaute Inselsysteme betrieben werden können.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

  • In mehr als 200 netzfernen öffentlichen sozialen Einrichtungen wurden Photovoltaikanlagen installiert, etwa in Gesundheitseinrichtungen und Gemeindezentren, wodurch diese Zugang zu modernen Energiedienstleistungen erhalten. Dabei handelt es sich zu einem großen Teil um Gesundheitseinrichtungen, in denen Anlagen mit 1,5 Kilowatt Spitzenleistung Leuchtmittel, Kühlanlagen und Laborgeräte mit Strom versorgen.
  • Bislang wurden rund 12.000 solare Heimsysteme, die ausreichend Strom für mehrere Lampen, das Aufladen von Mobiltelefonen sowie Fernsehgeräte bzw. Radios erzeugen, über 300.000 Solarlampen durch die von EnDev Äthiopien ausgebildeten Händler verkauft. Rund 430.000 Menschen haben dank der solaren Heimsysteme Zugang zu Energiedienstleistungen.
  • In sieben Regionen Äthiopiens gibt es inzwischen mehr als 650 kleine Hersteller von energieeffizienten Kochstellen. Seit 2012 konnten sie ungefähr 2,2 Millionen verbesserte Kochstellen (vor allem Mirt- und Tikikil-Öfen zum Backen und Kochen) verkaufen. Damit können jährlich knapp 300.000 Tonnen Brennholz sowie über 300.000 Tonnen CO2 eingespart werden.
  • In fünf Dörfern im Südwesten Äthiopiens wurden in den letzten Jahren im Rahmen eines Pilotprojekts sechs Kleinwasserkraftanlagen errichtet. Im Rahmen der EU-Unterstützung für EnDev Äthiopien werden weitere Inselsysteme mit Kleinwasserkraftanlagen aufgebaut. Eine vorläufige Evaluierung von über 400 potenziellen Standorten für Wasserkraftanlagen wird Anfang 2018 fertiggestellt sein; anschließend werden für einen Teil der Standorte Machbarkeitsstudien angefertigt.

Unterstützung der Europäischen Union für EnDev Äthiopien

Seit 2017 wird das Energising Development Programme in Äthiopien auch von der Europäischen Union unterstützt. Die Förderung wird für die Entwicklung und den Aufbau des Markts für moderne erneuerbare Energietechnologien und -dienstleistungen sowie für Energieeffizienzlösungen eingesetzt. Mit den zusätzlichen Mitteln der EU und der EnDev-Stammgeber können bis 2020 rund 500.000 Menschen erreicht werden. 100 soziale Einrichtungen, der Großteil davon ländliche Gesundheitseinrichtungen und Schulen, die derzeit nicht an das nationale Stromnetz angebunden sind, werden mit PV-Anlagen ausgestattet, um ihre Anlagen und Geräte mit Strom betreiben zu können. Weitere Maßnahmen sollen dazu beitragen, 100 Betriebe für die Herstellung von verbesserten Kochstellen zu errichten, mit denen Haushalte in ländlichen Gebieten ihre Nahrung umweltfreundlicher zubereiten können. Denn bislang waren diese Haushalte für den Betrieb ihrer Kochstellen auf Brennholz angewiesen. Verschiedene soziale Einrichtungen erhalten 1.100 verbesserte Kochstellen, weitere 2.000 werden an Unternehmen verkauft. Außerdem sollen 240.000 verbesserte Kochstellen für den Verkauf hergestellt und gezielt beworben werden. Die Förderung von EnDev Äthiopien durch die EU soll die kommerzielle Verbreitung von hochwertigen PV-Anlagen stärken. Dadurch dürfte es möglich sein, 100.000 Solarlampen und 1.300 solare Heimsysteme an Haushalte und Unternehmen zu verkaufen. Außerdem werden 30 traditionelle Wassermühlen technologisch so ausgerüstet, dass mit ihnen erneuerbare Energie erzeugt werden kann. Dadurch sichern sie die Stromversorgung in ländlichen Gemeinden und damit deren sozioökonomische Entwicklung.