Energising Development Äthiopien

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Energising Development Äthiopien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Äthiopien
Politischer Träger: Äthiopisches Ministerium für Wasser, Bewässerung und Energie
Gesamtlaufzeit: 2010 bis 2022

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Ausgangssituation

Äthiopien verfügt über ein großes Potenzial zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Dennoch zählt es zu den Ländern mit dem weltweit niedrigsten Stromverbrauch. Im Jahr 2017 hatten nur 44 Prozent der 100 Millionen Einwohner Zugang zu Elektrizität. Für die rund 80 Millionen Menschen, die in ländlichen Gebieten leben, sind es sogar nur 31 Prozent. Die schlechte Stromversorgung schränkt das sozioökonomische Entwicklungspotential des Landes stark ein. Es gibt nur wenige erschwingliche Alternativen zu den traditionellen Energiequellen, und die meisten Menschen sind für Brennstoff auf Kerosin oder Holz angewiesen, was wechselnde Folgen mit sich bringt. Eine davon ist die Entwaldung, die wiederum zur Bodenerosion führt. Der erzeugte Rauch führt zu Gesundheitsproblemen, etwa zu schweren Erkrankungen der Atemwege. Äthiopien wird diese Situation nur verbessern können, wenn die Nutzung seiner reichlich vorhandenen umweltfreundlichen erneuerbaren Energiequellen ausgebaut wird.

Ziel

Das Programm Energising Development (EnDev) Äthiopien unterstützt die nachhaltige Versorgung von Haushalten mit geringen Einkommen, sozialen Einrichtungen und kleinen bis mittleren Unternehmen mit Energiedienstleistungen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den ländlichen Gebieten.

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Vorgehensweise

EnDev ist eine Energiezugangspartnerschaft, die multilateral finanziert und umgesetzt wird. Sie wird derzeit von sechs Geberländern getragen – den Niederlanden, Deutschland, Norwegen, Großbritannien, der Schweiz und Schweden. Als Teil des Globalprogramms wird EnDev Äthiopien zusätzlich von Irland, der Korea Foundation for International Healthcare und der Europäischen Union mitfinanziert.

Das Programm ist in seine dritte Phase eingetreten, die von 2019 bis 2022 läuft. Die Tätigkeit des Projekts in Äthiopien trägt zu einem verbesserten Energiezugang für netzferne Haushalte, soziale Einrichtungen sowie kleine und mittlere Unternehmen bei. Der Schwerpunkt liegt dabei auf drei verschiedenen Arten von Technologien: energieeffiziente Kochherde, Photovoltaiksysteme und die Entwicklung unabhängiger Stromversorgungssysteme (Mini-Grids) für abgelegene Gemeinden. Dadurch wird die öffentliche Leistungserbringung für die ländliche Bevölkerung qualitativ und quantitativ verbessert und das lokale Privatunternehmertum gestärkt. EnDev Äthiopien wird derzeit hauptsächlich in vier Regionen des Landes umgesetzt: Oromia, Region der südlichen Nationen, Nationalitäten und Völker (Southern Nations, Nationalities, and People's Region, SNNPR), Tigray und Amhara.

Das Vorhaben konzentriert sich auf die Entwicklung sowohl der Angebots- als auch der Nachfrageseite lokaler und nationaler Märkte für die Verbreitung effizienter erneuerbarer Energielösungen für Haushalte, soziale Einrichtungen und kleine bis mittlere Unternehmen. Das Projekt arbeitet auf nationaler Ebene in der Politik- und Sektorberatung und ist in der technischen Beratung der Regierungen tätig. Die Aktivitäten konzentrieren sich auf regionaler Ebene auch auf privatwirtschaftliche Verbände und auf lokaler Ebene auf die Entwicklung der Kapazitäten von öffentlichen und privaten Akteuren sowie Berufsbildungseinrichtungen.

Wirkungen

  • In mehr als 300 netzfernen öffentlichen sozialen Einrichtungen, etwa in Gesundheitseinrichtungen und Gemeindezentren, wurden Photovoltaikanlagen installiert, die mit einer installierten Gesamtleistung von über 344 Kilowatt peak (kWp) Zugang zu Strom bieten.
  • Mehr als 13.800 solare Heimsysteme, die ausreichend Strom für mehrere Lampen oder das Aufladen von Mobiltelefonen liefern, und über 436.000 Solarlampen wurden von durch EnDev Äthiopien ausgebildeten Händlern verkauft. Über 566.000 Menschen konnten so mit elektrischem Licht versorgt werden.
  • Mehr als 800 kleine Hersteller von energieeffizienten Kochstellen haben sich in 330 Bezirken in sieben Regionen niedergelassen. Sie haben seit 2006 über 1.194.000 verbesserte Kochstellen verkauft, hauptsächlich zum Backen und Kochen. Etwa 1.388.456 Menschen profitieren von den im Rahmen des Programms verkauften energieeffizienten Kochherden. Diese Öfen haben jährlich fast 400.000 Tonnen CO2 und mehr als 370.000 Tonnen Brennholz eingespart.
  • Rund 2.000.000 Menschen haben derzeit durch die Unterstützung von EnDev Äthiopien Zugang zu modernen Energiedienstleistungen. 
  • In fünf Dörfern im Süden von Äthiopien und in Oromia wurden fünf Pilot-Mikro-Wasserkraftwerke errichtet.

Unterstützung der Europäischen Union für EnDev Äthiopien 

Seit 2017 wird das Energising Development Programm in Äthiopien auch von der Europäischen Union unterstützt.  Die Förderung soll den Markt für moderne Lösungen im Bereich der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz ausbauen. Mit den zusätzlichen Mitteln der EU und der EnDev-Stammgeber können bis 2020 rund 500.000 Menschen erreicht werden. Mit direkter Unterstützung der EU werden 100 netzferne soziale Einrichtungen in ländlichen Regionen mit PV-Anlagen ausgestattet, 100.000 Solarlampen und 1.300 solare Heimsysteme gelangen über den Handel zu den Verbrauchern. Darüber hinaus werden 100 aufgerüstete Produktionsstätten für verbesserte Kochstellen eingerichtet und durch Werbemaßnahmen unterstützt. 240.000 dieser Kochherde werden für den Verkauf hergestellt, 1.100 werden sozialen Einrichtungen zur Verfügung gestellt und 2.000 weitere an Unternehmen verkauft.