Nachhaltige Landbewirtschaftung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Nachhaltige Landbewirtschaftung (Sustainable Land Management, SLM)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Äthiopien
Politischer Träger: Ministerium für Landwirtschaft und natürliche Ressourcen, Äthiopien
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2017

Äthiopien. Terrassen in Tigray © GIZ

Ausgangssituation

Ein signifikanter Anteil der ländlichen Bevölkerung in den sechs Programmregionen Tigray, Amhara und Oromia sowie Benishangul-Gumuz, Gambella und Southern Nations, Nationalities and Peoples' Region, die insgesamt mehr als 70 Prozent der Gesamtbevölkerung Äthiopiens ausmacht, ist dem Risiko fortschreitender Landdegradierung ausgesetzt.

Durch Erosion gehen jedes Jahr mehr als 30.000 Hektar Boden verloren. Acker- und Weideflächen werden unproduktiv oder durch Erosionsrinnen zerstört. Ursache ist besonders der Druck auf die fragilen natürlichen Ressourcen, unter anderem aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums und unangepasster landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsmethoden. Letztere gehen mit massiver Abholzung, abnehmender Bodenfruchtbarkeit, Überweidung von Weideflächen und Erosion einher. Das Resultat sind zurückgehende Erträge und abnehmende landwirtschaftliche Produktivität. Die Folgen des Klimawandels verschärfen zunehmend die Situation.

Ziel

In den ländlichen Regionen von Tigray, Amhara und Oromia, Benishangul-Gumuz, Gambella und Southern Nations, Nationalities and Peoples' Region wenden Kleinbauern und Nutzergruppen vermehrt Maßnahmen nachhaltiger Landbewirtschaftung in Kombination mit Einkommen schaffenden Aktivitäten an.

Vorgehensweise

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt die GIZ die landesweiten Aktivitäten der äthiopischen Regierung zur nachhaltigen Landbewirtschaftung. Durch Beratung und Fortbildungen qualifiziert die GIZ die Partner dafür, entsprechende Maßnahmen in den Distrikten (Woredas) wirksam zu vermitteln, damit sie von den Bauern und Bäuerinnen vermehrt und erfolgreich angewendet werden.

Im Mittelpunkt stehen die Beratung bei der Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für nachhaltige Landbewirtschaftung sowie die Unterstützung des äthiopischen Agrarberatungsdienstes und der dezentralen Landwirtschaftsbüros. Diese setzen das staatliche Programm auf den verschiedenen Ebenen um, von der Region über die Distrikte bis zu den Gemeinden. Die technische Ausbildung von Experten sowie die Stärkung der staatlichen Institutionen bei den Umsetzungsprozessen durch begleitende Fortbildungen stehen im Vordergrund. Die Beratung umfasst technische Aspekte, wie die Boden- und Wasserkonservierung, sowie landwirtschaftliche Produktionsmethoden, ergänzt durch verbesserte Beratungsmethoden. Die Förderung Einkommen schaffender Maßnahmen ist dabei von besonderer Bedeutung.

Äthiopien. Diskussionsrunde einer Bauerngruppe in einem Wassereinzugsgebiet. © GIZ

Die GIZ berät das Ministerium auf Föderal-, Regional- und Distriktebene bei der Umsetzung des nationalen Programms zur nachhaltigen Landbewirtschaftung und zu Ansätzen partizipativer ländlicher Entwicklung. Eine besondere Rolle spielen die Wälder in Wassereinzugsgebieten. Die von GIZ Experten geschulten staatlichen Berater entwickeln gemeinsam mit den Gemeinden Pläne für eine nachhaltige Waldnutzung in und angrenzend an den Wassereinzugsgebieten.

Die IAK Agrar Consulting GmbH unterstützt das Vorhaben im Handlungsfeld Beratungsdienstleistungen.

Wirkungen

  • Bis Dezember 2015 wurden in den drei äthiopischen Hochlandregionen Amhara, Oromia und Tigray folgende Wirkungen erzielt:
  • Die äthiopischen Partner können ihre Vorhaben besser planen und umsetzen. Über 670 mit Beteiligung der Gemeinden erstellte Managementpläne für Wassereinzugsgebiete wurden bisher entwickelt und werden umgesetzt.
  • Auf rund 390.000 Hektar ehemals degradiertem Land betreibt die ländliche Bevölkerung Praktiken der nachhaltigen Landbewirtschaftung. Unter anderem durch Terrassierung, Fruchtfolgen, Weideverbesserung und Dauerbegrünung wird die Landdegradierung reduziert, die Erträge sind um 35 bis 80 Prozent gestiegen. So sichert die Bevölkerung das Land langfristig als Lebensgrundlage.
  • Seit 2008 ist die kleinbäuerlich genutzte Bewässerungsfläche um etwa 2.000 Hektar angestiegen. Die Nutzer erzielen dadurch höhere Ernten und können ihr Haushaltseinkommen durch den Verkauf der Produkte auf den lokalen Märkten verbessern.
  • Mit den Maßnahmen zur Förderung der nachhaltigen Landbewirtschaftung werden bisher rund 190.000 Haushalte, das sind etwa 1 Million Menschen, erreicht. Die staatlichen Berater und Experten der Distrikte und Gemeinden sind in der Lage, den Ansatz auch auf andere Gebiete zu übertragen.
  • Kenntnisse und Fertigkeiten der Beteiligten in den Gemeinden und die Eigenverantwortung der Zielgruppen haben sich deutlich verbessert. Über 500 lokale kleinbäuerliche Nutzergruppen und -verbände bewirtschaften gemeinsam Flächen mit nachhaltigen Methoden. Sie werden begleitend beraten und erhalten institutionelle Unterstützung durch geschulte Experten der Distrikte und Gemeinden.