HIV-Mainstreaming

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: HIV-Mainstreaming
Auftraggeber: Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Uganda

Beschäftigte der GIZ in Uganda auf einer GIZ-Veranstaltung zum Welt-Aids-Tag 2012 unter dem Titel „Getting to Zero“ (Auf Null kommen). © GIZ

Ausgangssituation

Als eines der ersten Länder in Afrika südlich der Sahara bekam Uganda die verheerenden Folgen der HIV-Epidemie zu spüren. Bis Ende 2001 hatte das Land fast eine Million Todesfälle im Zusammenhang mit der Immunschwächekrankheit zu beklagen. Inzwischen ist die Diagnose HIV jedoch kein Todesurteil mehr, denn die Betroffenen können dank neuer Medikamente lernen, mit der Infektion zu leben. Dennoch leiden in Uganda immer noch viele der 1,5 Millionen Menschen mit HIV unter Stigmatisierung und sozialer Ausgrenzung.

In den letzten Jahren ist die nationale HIV-Prävalenzrate unter den sexuell aktiven Personen zwischen 15 und 49 Jahren auf 7,3 Prozent gestiegen. Schätzungen gehen von 350 Neuinfektionen pro Tag aus. Damit stellt die Epidemie weiterhin eine hohe Hürde für eine nachhaltige Entwicklung und sozialen Fortschritt dar. Die Folgen von HIV sind in allen Lebensbereichen sichtbar und weiterhin gilt: Anstrengungen, die Krankheit zu bekämpfen, können nur Erfolg haben, wenn alle Akteure in allen Sektoren an einem Strang ziehen.

Im Februar 2001 erklärte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) das Mainstreaming von Maßnahmen gegen HIV zur Politik sämtlicher Organisationen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, einschließlich der GIZ.

Ziel

Die Anfälligkeit für HIV und das Erkrankungsrisiko der Beschäftigten, Partnerorganisationen und Zielgruppen der GIZ sind verringert. So wird ihre Leistungsfähigkeit und Produktivität erhalten und sichergestellt, dass die Programme der GIZ in Uganda ihre Ziele erreichen können und zugleich die Auswirkungen der HIV-Epidemie eingedämmt werden.

Vorgehensweise

HIV-Mainstreaming ist ein Organisationsentwicklungsprozess, in dem Institutionen wirksame und nachhaltige Lösungen anstreben, um die Ursachen und Konsequenzen einer HIV-Infektion einzudämmen, einerseits durch ihre Tätigkeit, andererseits an den eigenen Arbeitsplätzen. Die Mainstreaming-Aktivitäten der GIZ ruhen auf zwei Säulen: dem internen und dem externen Mainstreaming.

Das interne Mainstreaming zielt darauf ab, das Wissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über HIV-Risiken und Präventionsmöglichkeiten zu erhöhen und dafür zu sorgen, dass es am Arbeitsplatz keine HIV-bezogene Diskriminierung oder HIV-bezogenes Stigma gibt. Darüber hinaus sieht es die Betreuung und Behandlung von betroffenen Beschäftigen und deren engsten Familienangehörigen vor.

Ziel des externen Mainstreamings ist es, möglichen Auswirkungen der HIV-Epidemie auf die Zielerreichung eines Programms durch Verankerung von Maßnahmen in den Projekten und Programmen der GIZ entgegenzuwirken und sicherzustellen, dass das Vorhaben selbst nicht unbeabsichtigt zur Verbreitung von HIV beiträgt.

Fundament des umfassenden Arbeitsplatzprogramms der GIZ ist seit 2004 die HIV-Arbeitsplatzpolitik. Sie sorgt dafür, dass das Arbeitsumfeld frei von Vorurteilen und Diskriminierung in Bezug auf HIV und Aids ist, und macht die Sensibilisierung der Beschäftigten für die Krankheit zur Unternehmenspflicht. Ein weiteres Element der Arbeitsplatzpolitik ist ein Gesundheitsversorgungssystem, durch das GIZ-Beschäftigte mit HIV und deren engste Familienmitglieder Betreuung und Unterstützung erhalten.

Das Arbeitsplatzprogramm wurde in Abstimmung mit dem Nationalen Betriebsrat der GIZ konzipiert. Es bietet Gesundheitsseminare für die Beschäftigten und ihre Familien an, bildet Peer Educators aus (Aufklärung durch meist gleichaltrige Personen der gleichen sozialen Gruppe) und stellt Informations- und Schulungsmaterialien zum Thema HIV bereit. Eine Reihe von Präventions- und Behandlungsmaßnahmen kann von Beschäftigten unentgeltlich genutzt werden. Sie reichen vom Zugang zu Kondomen am Arbeitsplatz über Beratungs- und Testangebote bis zur Postexpositionsprophylaxe und antiretroviralen Therapie.

2011 übernahm und adaptierte die GIZ in Uganda ein Instrument mit der Bezeichnung „Join-in-Circuit on AIDS, Love and Sexuality“ (J-IC). Dieser „Mitmachparcours zu AIDS, Liebe und Sexualität“ ist ein Sensibilisierungsverfahren, das sich intern und extern zur Eindämmung von HIV anwenden lässt. In zweistündigen interaktiven Sitzungen werden den Teilnehmern wissenswerte Inhalte vermittelt, was sich in Uganda bereits als wirksam erwiesen hat. Im Rahmen einer Partnerschaft mit der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) hat die GIZ in mehreren Regionen des Landes tätige Nichtregierungsorganisationen in die Nutzung des Instruments eingewiesen.

2013 hat die GIZ eine Version des J-IC eingeführt, die den Lehrplan zur Vermittlung von Lese- und Schreibfertigkeiten für Erwachsene des African Prisons Project (APP) unterstützt. Der Plan sieht Themen wie Gesundheit, Alltagsfähigkeiten und Zugang zum Recht vor. Zusätzlich hat die GIZ in Zusammenarbeit mit dem APP das Instrument an die spezifischen Belange männlicher und weiblicher Häftlinge sowie der Beschäftigten der Haftanstalten angepasst. Ziele sind Wissenszuwachs und positive Verhaltensänderungen in Bezug auf Sexualität, Gesundheit, Hygiene und Alltagsfähigkeiten. Derzeit wird das Instrument in Gefängnissen im nördlichen Uganda getestet. Anschließend wird es auch in anderen Haftanstalten im ganzen Land eingeführt.

Wirkung

Das Mainstreaming von HIV wird an allen Arbeitsplätzen der GIZ in Uganda umgesetzt. Bedeutung und Vielschichtigkeit des Themas HIV werden ausdrücklich anerkannt. Durch externes Mainstreaming unterstützen Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter der GIZ ihre Partner bei der Entwicklung und Umsetzung eigener Arbeitsplatzprogramme. Die Partner prüfen nun ihrerseits Möglichkeiten, die HIV-Prävention und -Behandlung mit eigenen Aktivitäten zu fördern.

Durch Dokumentation und die Weitergabe ihrer Erfahrungen und Arbeitsabläufe unterstützt die GIZ wirksam die Anstrengungen ihrer unmittelbaren Partner wie auch anderer Befürworter von Arbeitsplatzprogrammen und nationalen Mainstreaming-Strategien. Das Arbeitsplatzprogramm der GIZ hilft, die Ausbreitung von HIV zu verhindern und die Folgen der Infektion einzudämmen. Damit erleichtert es die Verwirklichung zahlreicher nationaler Entwicklungsziele.