Förderung der marktorientierten Landwirtschaft

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm zur Förderung marktorientierter Landwirtschaft in Ghana (MOAP)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ghana
Politischer Träger: Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft der Republik Ghana
Gesamtlaufzeit: 2004 bis 2019

Ghana. Ein Kleinbauer bei der Mangoernte. (Foto: Li Migura) © GIZ

Ausgangssituation

Die Agrarbranche beschäftigt fast die Hälfte der Arbeitskräfte des Landes und erwirtschaftet etwa ein Drittel der Exporterlöse. Mehr als 90 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in den Programmregionen Volta, Central, Eastern und Brong Ahafo sind kleiner als zwei Hektar. Die Kleinbetriebe Ghanas erzeugen knapp 80 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Produkte, haben jedoch kaum Zugang zu Betriebsmitteln und Finanzierung. Produktivität und vor allem die Produktqualität sind bei diesen Kleinbetrieben niedrig. Der Bereich des Gartenbaus in Ghana ist aufstrebend, aber international noch wenig wettbewerbsfähig. Gegebene Produktionspotenziale werden nicht ausgeschöpft und das Management von Nacherntetechnologien ist unzureichend. Bei der Jugend des Landes ist die Landwirtschaft nicht sehr angesehen. Sie gilt als beschwerlicher Unterhaltserwerb und nicht als attraktives Geschäftsmodell mit lukrativen Perspektiven.

Ziel

Die Qualität der Produktion im Bereich der Landwirtschaft ist verbessert.

Vorgehensweise

Zur Förderung der Wertschöpfungsketten für Mango, Zitrusfrüchte, Ananas und Gemüse berät das Projektteam politische Entscheidungsträger und schult landwirtschaftliche Berater. Im Fokus steht dabei die Verbesserung der Produktivität vor allem durch die Einführung guter landwirtschaftlicher Praxis wie Baumschnitt, integrierter Pflanzenschutz und den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Darüber hinaus spielen Zertifizierungen der Betriebe nach Standards wie beispielsweise GlobalG.A.P. oder EU-Bio eine zentrale Rolle für den Zugang zu internationalen Märkten.

Mit Unterstützung der Consultingfirma AFC bildet das Projekt Unternehmer in den Wertschöpfungsketten zur Umsetzung inklusiver Geschäftsmodellen wie der Vertragslandwirtschaft fort. Die Partner bauen Dienstleistungssysteme auf und erhöhen die Leistungsfähigkeit von Interessengruppen und Bauernverbänden. Eine besondere Herausforderung für das ghanaische Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist die intensive Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft und deren stärkere Einbindung bei der Weiterentwicklung der Wertschöpfungsketten. Zur Verbesserung der Infrastruktur wie Märkte, Läger, Transport oder Verarbeitung und die Verbreiterung des Dienstleistungsangebotes für Bauern, sind private Investitionen in den Agrarbereich unerlässlich. Das Landwirtschaftsministerium fördert dies durch die Verbesserung von agrarpolitischen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Das Projekt berät es dazu.

Die Europäische Union wird sich künftig an den Projektaktivitäten finanziell beteiligen. Das wird eine Ausdehnung aller Aktivitäten in den Norden des Landes ermöglichen - mit weiteren zu unterstützenden Wertschöpfungsketten.

Die Consultingfirma AFC unterstützt die Umsetzung des Vorhabens.

Wirkungen

In den bisher vom Vorhaben geförderten Wertschöpfungsketten haben die Bauern besseren Zugang zu Betriebsmittelkrediten, Anbauberatung und Nachernteschutztechniken. Seit 2004 konnten 30.000 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und bei verarbeitenden Betrieben gesichert werden. 5.000 Bauern sind in guter landwirtschaftlicher Praxis geschult worden und mehr als 2.000 von ihnen sind nach international anerkannte Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert worden. Die Mitglieder zweier Ananas-Kooperativen der Central Region profitieren durch diese Zertifizierung von bis zu 50 Prozent höheren Erzeugerpreisen. Die Mangoverarbeiter und -exporteure berichten, dass der Befall der Früchte durch die Fruchtfliege um die Hälfte zurückgegangen ist.

Die Beratungen auf der politischen Ebene haben dazu geführt, dass sich Ghana in seinen Strategien und deren Umsetzung stärker an einem Wertschöpfungskettenansatz orientiert. Die Politik berücksichtigt dabei alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette.

Ghana. Frische Orangen auf dem Weg zum Entsaften. (Foto: Li Migura) © GIZ

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein lokaler Saftproduzent konnte nach der Beratung durch ausgebildete Dienstleister internationale Standards erfüllen und seinen Betrieb zertifizieren. Darüber hinaus hat das Unternehmen auch 1.000 zuliefernde Vertragsbauern in guten landwirtschaftlichen Praktiken ausgebildet und zertifiziert. Das führte dazu, dass der Saftproduzent jährlich 3.000 Tonnen zertifizierten Orangensaft im Wert von 1,5 Millionen US-Dollar exportieren und 1.000 Tonnen Saft für den lokalen Markt im Wert von circa 300.000 US-Dollar herstellen konnte. 150 bis 200 saisonale Arbeitsplätze, zumeist für Frauen, sind durch die Ausweitung der Produktion entstanden