Die Leistungsfähigkeit des Verkehrssektors fördern

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Aus- und Aufbau von Kapazitäten im Verkehrssektor in Liberia
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Liberia
Politischer Träger: Ministry of Finance and Development Planning
Gesamtlaufzeit: 2008 bis 2022

Straße im Bau

Ausgangssituation

Liberias Verkehrsinfrastruktur ist als Folge des 14 Jahre währenden Bürgerkriegs und unterbliebener Instandhaltungs- und Baumaßnahmen schwer beschädigt. Das öffentliche Straßennetz ist in einem unzureichenden Zustand und erreicht nicht alle Regionen des Landes.

Von 11.500 Kilometern sind lediglich knapp 600 Kilometer asphaltiert, das sind weniger als sechs Prozent. Schätzungen zufolge haben mehr als 50 Prozent der Bevölkerung Liberias keinen direkten Zugang zum öffentlichen Straßennetz. Weite Teile sind während der Regenzeit von Anfang Mai bis Ende Oktober kaum oder überhaupt nicht passierbar, wodurch die wirtschaftliche Weiterentwicklung gebremst wird.

Die Schwäche des Straßensystems verschärft Armut, vor allem in ländlichen Gebieten, und wirkt sich negativ auf Ernährungssicherheit, Bildungschancen und medizinische Versorgung und somit auf die Sicherstellung zentraler Menschenrechte aus (Recht auf Bildung, auf angemessenen Lebensstandard, auf körperliche Gesundheit). Die schlechte Verkehrsinfrastruktur hat unter anderem eine hohe Müttersterblichkeit zur Folge.

Die liberianische Regierung hat damit begonnen, Straßenbauaufträge an die Privatwirtschaft zu vergeben. Ein Straßeninstandhaltungsfonds wurde eingeführt, der über eine Kraftstoffabgabe für die Straßensanierung generiert wird. Noch sind die Planungskompetenzen in der öffentlichen Verwaltung und auch die Leistungen der liberianischen Bauunternehmen unzureichend. Es mangelt vor allem an der Durchsetzung von Regeln und Gesetzen, auch an qualifizierten Arbeitskräften. Zudem sind die organisatorischen Voraussetzungen für eine effiziente Entwicklung des Verkehrs- und vor allem des Straßensektors nur schwach ausgeprägt.

Ziel

Das beschäftigungswirksame Management für die Straßeninfrastruktur ist verbessert.

Road Safety Comedy Competition 2019

Vorgehensweise

Das Vorhaben übernimmt die fachliche Begleitung in der Umsetzung der Straßeninstandhaltung mit Geldern aus der Kraftstoffabgabe und unterstützt den Aufbau des Straßeninstandhaltungsfonds. Mitarbeiter*innen der Baubehörden und Bauunternehmer*innen erhalten ein Training und praktische Begleitung in der Bauvertragsabwicklung.

Darüber hinaus unterstützt das Vorhaben das Bauministerium bei der Dezentralisierung von Leistungen und beim Aufbau eines Brücken-Instandhaltungssystems. Es berät die liberianische Regierung und andere Interessensgruppen zu öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen der Verkehrssicherheit.

Zudem berät es bei der Einführung einer Achslastkontrolle für Lkw (durch GIZ International Services) und unterstützt die institutionelle Entwicklung des Bauunternehmerverbandes (Association for Liberian Construction Contractors, ALCC).

Lokale Bauunternehmen werden dahingehend beraten, wie sie konkurrenzfähiger in öffentlichen Ausschreibungsverfahren werden können. Das Projekt-Team unterstützt zudem bei der Schaffung von mehr Arbeitsplätzen – vor allem für Jugendliche – und beim Aufbau eines leistungsorientierten Berufsbildungssystems. In diesem Zusammenhang werden Straßeninstandhaltungstechniker*innen ausgebildet.

Die Partner sind das Ministerium für öffentliche Arbeiten, das Verkehrsministerium, die Nationale Polizei, die staatliche Berufsschule Booker Washington Institute und der liberianische Bauunternehmerverband. Die Ausbildung von technischen Fachkräften für Straßeninstandhaltung wird durch die Firma Integration unterstützt.

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Wirkungen

  • Die bisher erreichten Wirkungen umfassen die Verabschiedung des National Transport Masterplans (2012), das Achsenlastkontrollgesetz (2015) und die Gründung des Straßeninstandhaltungsfonds.
  • Gemeinsam mit dem Verkehrsministerium hat das Vorhaben umfassende Reformdokumente und Strategien ausgearbeitet, um es zur führenden politischen Institution für den Verkehrssektor weiterzuentwickeln.
  • Seit 2017 wurden mehrere öffentlichkeitswirksame Maßnahmen zur Verkehrssicherheit durchgeführt, unter anderem das Safe Streets Festival in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsministerium, der Europäischen Union und Privatwirtschaft. Zudem gab es öffentliche Diskussionen, Journalistenworkshops und einen Comedy-Wettbewerb.
  • Im Rahmen von Pilotmaßnahmen konnten bislang 325 Arbeitsjahre nachhaltiger Beschäftigung (nach Definition der Internationalen Arbeitsorganisation) im liberianischen Straßenbau geschaffen werden.
  • Das Vorhaben hat ein nachfrageorientiertes Ausbildungsprogramm für Straßenbauer entwickelt, das vom Bildungsministerium anerkannt ist. Zehn Trainer*innen wurden zur Durchführung der Ausbildung im Straßenbau- und in der Straßeninstandhaltung geschult. 50 jüngere Menschen absolvieren eine einjährige Ausbildung als Straßenbautechniker.
  • Durch die Beratung des Vorhabens konnten sowohl die Planungskompetenzen als auch die Prioritätensetzung bei der Instandhaltung der Straßen vorangetrieben werden.
  • Nicht nur innerhalb der zuständigen Ministerien, auch bei kleineren und mittleren Unternehmen wurden die Personalressourcen verbessert. Dazu zählen unter anderem Schulungen im Bereich Businessplanung, Angebotskalkulation, Baustellenmanagement sowie die technische Fortbildung von einheimischen Fach- und Führungskräften. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass die liberianische Privatwirtschaft bei öffentlichen Vergabeverfahren besser qualifiziert ist.
  • Mit der Nationalen Polizei wird das Bewusstsein der Bevölkerung über Verkehrssicherheit, Risikofaktoren und Folgen von unzureichender Durchsetzung von Verkehrsregeln geschaffen. Trainings für Lkw-Fahrer, Motorrad-Fahrer, öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen und Kampagnen sind in der Umsetzung.

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