Malawisch-deutsches Gesundheitsprogramm

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Stärkung des Gesundheitssystems mit Fokus auf reproduktive Gesundheit
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), kofinanziert durch die Bill & Melinda Gates Foundation
Land: Malawi
Politischer Träger: Ministry of Health and Population
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2020

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Ausgangssituation

Malawi zählt zu den ärmsten Ländern der Welt und der Gesundheitssektor des Landes ist massiv unterfinanziert. Obwohl sowohl die Mütter- als auch die Kindersterblichkeitsrate seit 1990 um mehr als die Hälfte gesunken sind, sterben immer noch 439 Frauen pro 100.000 Lebendgeburten – doppelt so viele wie im weltweiten Durchschnitt. Von 1000 Säuglingen werden 27 nicht älter als einen Monat, dies sind 50 Prozent mehr als in anderen Teilen der Welt. In Deutschland lauten die entsprechenden Zahlen 6 (Müttersterblichkeit) und 3 (Kindersterblichkeit). 

Die jüngsten Fortschritte in Malawi hängen damit zusammen, dass die Mütter in Gesundheitseinrichtungen gebracht werden. Heute erfolgen die meisten Entbindungen mit der Hilfe von qualifizierten Gesundheitsfachkräften. Die Herausforderung besteht jedoch nach wie vor darin, eine bessere Versorgung von Müttern und Neugeborenen zu gewährleisten, denn die Zahl der vermeidbaren Todesfälle unter Frauen und Säuglingen muss weiter reduziert werden.

Ziel

Das Gesundheitssystem Malawis ist gestärkt und die Qualität der Gesundheitsversorgung von Müttern und Neugeborenen, insbesondere in den Zielbezirken, ist verbessert.

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Vorgehensweise

In Zusammenarbeit mit dem nationalen Gesundheits- und Bevölkerungsministerium und den Verwaltungen der vier Partnerbezirke Dedza, Lilongwe, Mchinji und Ntcheu wirkt das malawisch-deutsche Gesundheitsprogramm auf geeignete Bedingungen hin, unter denen die Ärzte, Pflegekräfte und Hebammen eine angemessene Gesundheitsversorgung für Mütter und Neugeborene sicherstellen können. Im Einklang mit der nationalen Gesundheitsstrategie und dem zweiten nationalen Strategieplan für den Gesundheitssektor werden die folgenden Teilziele verfolgt: 

  • Verbesserung des Ressourcenmanagements im Gesundheitswesen durch eine auf die Bedürfnisse abgestimmte Mittelbereitstellung sowie erweiterte Entscheidungsbefugnisse für lokale Akteure
  • Optimierung des Qualitätsmanagements im Bereich der Gesundheitsversorgung und -planung für Mütter und Neugeborene durch eine Verbesserung des Datenzugangs und der Datennutzung
  • Verbesserung der Verteilung und der Qualifizierung von medizinischen Fachkräften und Pflegepersonal im Bereich der Gesundheitsversorgung von Müttern und Neugeborenen

Die GIZ ist beim zuständigen nationalen Ministerium, bei den lokalen Verwaltungen und in den einzelnen Gesundheitseinrichtungen aktiv; sie leistet strategische Beratung, unterstützt die Organisationsentwicklung und fördert Schulungen. Das Programm wurde von der Bundesregierung in Auftrag gegeben und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation kofinanziert. Bei der Umsetzung erhält die GIZ Unterstützung von den Beratungsfirmen EPOS und GFA.

Wirkungen

Seit dem Beginn des malawisch-deutschen Gesundheitsprogramms im Jahr 2017 konnten bereits bemerkenswerte Ergebnisse erzielt werden.

Im Oktober 2018 brachte das Gesundheits- und Bevölkerungsministerium die nationale Qualitätsmanagementstrategie auf den Weg, die mit intensiver Unterstützung durch die GIZ ausgearbeitet worden war. Die Strategie bildet die Grundlage für eine nationale Schulungsinitiative für Gesundheitsfachkräfte, mit der das Ministerium die Versorgungsqualität verbessern will. Mehrere Krankenhäuser wurden zur Teilnahme an einem Akkreditierungsprogramm ausgewählt. Dies ermöglicht den Verantwortlichen, die erzielten Qualitätsfortschritte an internationalen Standards zu messen. Des Weiteren wird das Partnerministerium dabei unterstützt, die Gesundheitsversorgung besser auf die Bedürfnisse von jungen Menschen, insbesondere von Mädchen und jungen Frauen zuzuschneiden.

Anhand der nationalen Gesundheitsindikatoren, die mithilfe der GIZ festgelegt wurden, kann das Gesundheits- und Bevölkerungsministerium die Fortschritte bei der Verwirklichung seiner strategischen Gesundheitsziele verfolgen und den erreichten Stand mit der Situation in den Nachbarländern vergleichen. In Zusammenarbeit mit der Nichtregierungsorganisation JEMBI unterstützt die GIZ das Ministerium beim Testen eines auf Open-Source-Technologie basierenden elektronischen Patientenregisters, das den Ärzten und Pflegekräften die Verwaltung der Patienten erleichtern soll. Das Register soll zunächst im Rahmen der Gesundheitsversorgung von Müttern und Kindern eingesetzt werden und anschließend möglicherweise auch in anderen Bereichen zum Einsatz kommen.

Weiterhin hat das Programm zur Ausarbeitung eines neuen Strategieplans für die Personalversorgung im Gesundheitswesen beigetragen. Damit liegt nun ein Fahrplan zur Behebung des herrschenden Arbeitskräftemangels vor. Ein vom Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) entsandtes Team aus integrierten Fachkräften hilft der medizinischen Fakultät der Universität von Malawi (dem College of Medicine) bei der Umsetzung dieses Plans, der die Ausbildung von Fach- und Amtsärzten, insbesondere in den Bereichen Gynäkologie, Geburtshilfe, Kinderheilkunde und Anästhesie vorsieht. Zur Verbesserung der Fähigkeiten von praktizierenden Pflegekräften und Hebammen unterstützt die GIZ die malawische Pflege- und Hebammenkammer (Nurses and Midwives Council of Malawi) bei der Entwicklung von neuen Impulsen für das Programm zur kontinuierlichen beruflichen Weiterbildung. Außerdem werden qualifizierte Pflegekräfte und Hebammen zu Mentoren für geringer qualifizierte Kollegen ausgebildet.

Eine weitere Maßnahme betrifft die Stärkung der Kompetenzen, die die Projektpartner für die Planung und Steuerung der Gesundheitsdienste benötigen. Die malawische Regierung hat 2018 entschieden, dass die Krankenhäuser der tertiären Versorgungsebene in öffentliche Stiftungen umgewandelt werden sollen. Es wird erwartet, dass die Übertragung zusätzlicher Entscheidungsbefugnisse auf die Geschäftsführung der Krankenhäuser sowie die Einrichtung von Aufsichtsräten zu einer besseren Rechenschaftslegung gegenüber den umliegenden Gemeinden und zu einer höheren Effizienz der Leistungserbringung führen werden. Und schließlich werden die Gesundheitsverwaltungen in den Zielbezirken dabei unterstützt, die von der Regierung und den vielen Partnern und Spendern bereitgestellten Ressourcen zu koordinieren, damit alle Einwohner Malawis, insbesondere Mütter und Neugeborene, die gleiche Chance auf hochwertige Gesundheitsleistungen haben.