Anpassung an den Klimawandel und Biodiversität

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Anpassung an den Klimawandel / Umsetzung des Nagoya-Protokolls (ACCN)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Marokko
Politische Träger: Delegiertes Ministerium für Umwelt im Ministerium für Bergbau, Energie, Wasser und Umwelt, Marokko; Hochkommissariat für Wasser, Wald und Desertifikationsbekämpfung, Marokko
Laufzeit: 2013 bis 2016

Marokko. Marokko besitzt eine hohe Vielfalt an Biodiversität und Ökosystemen, Arten und genetischen Ressourcen. © GIZ

Ausgangssituation
Das Königreich Marokko besitzt eine große Vielfalt an Ökosystemen, Arten und genetischen Ressourcen – wichtige Grundlagen für den Lebensunterhalt der ländlichen Bevölkerung und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Die wirtschaftlichen Potenziale der Ökosystemleistungen, beispielsweise Naturprodukte, genetische Ressourcen, Wasserreinigung und -regulierung oder Erholung, werden bisher nur unzureichend oder nicht nachhaltig genutzt. Viele Ökosystemleistungen werden übernutzt oder degradiert, ihre Nutzungspotenziale durch die Auswirkungen des Klimawandels zunehmend beeinträchtigt.

Die marokkanische Regierung unternimmt große politische und strategische Anstrengungen um die Biodiversität zu erhalten, unter Berücksichtigung von Klimarisiken in der Entwicklung betroffener Sektoren einschließlich Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus. Den verantwortlichen staatlichen Institutionen fehlen bislang jedoch geeignete Instrumente, um die nachhaltige Nutzung von Ökosystemleistungen unter Berücksichtigung von Klimarisiken zu fördern.

Ziel
Staatliche Institutionen Marokkos haben, unter Berücksichtigung von Klimarisiken, Methoden und Instrumente zur nachhaltigen, schonenden Nutzung von Ökosystemleistungen eingeführt.

Vorgehensweise
Die Fach-, Organisations- und Politikberatung der Partnerorganisationen sowie die Capacity-Development-Maßnahmen des Vorhabens konzentrieren sich auf drei Handlungsfelder:

  1. Sicherung und nachhaltige Nutzung von Ökosystemleistungen unter Berücksichtigung von Klimarisiken
  2. Ausbau des regionalen Informationsmonitoring- und Beratungssystems für Klimaanpassung und das Management der Biodiversität
  3. Entwicklung des rechtlichen und institutionellen Rahmens für den Mechanismus Acces and Benefit Sharing (ABS, Nagoya-Protokoll) und Berücksichtigung von Ökosystemleistungen und Klimaanpassung in nationalen Strategien und Programmen

Das Vorhaben fördert in allen Handlungsfeldern besonders die intersektorale Abstimmung und Kooperation. Es konzentriert seine Maßnahmen auf die südliche Region Souss Massa Drâa (Agadir, Ouarzazate) sowie Tadla Azilal im Mittleren Atlas (Beni Melall). Das Programm arbeitet komplementär zu anderen Maßnahmen der deutschen und multilateralen Entwicklungszusammenarbeit.

Das Vorhaben unterstützt die marokkanische Regierung bei der Umsetzung des Nagoya-Protokolls. Das Nagoya-Protokoll, ein internationales Umweltabkommen im Rahmen der UN-Konvention über biologische Vielfalt, wurde 2010 beschlossen und unter anderem von Marokko ratifiziert. Darin wurde Access and Benefit-Sharing (ABS) beschlossen – Zugang zu genetischen Ressourcen und gerechter Vorteilsausgleich – ein von der UN-Biodiversitätskonvention eingeführter Mechanismus. ABS wendet sich gegen internationale Biopiraterie. Es reguliert international den Zugang zu genetischen Ressourcen, um den gerechten Ausgleich der Vorteile für die lokale Bevölkerung (Fairtrade) zu gewährleisten, die sich aus der Nutzung dieser Ressourcen ergeben.

Wirkungen
Ein vom Vorhaben entwickeltes Capacity-Development-Programm zur Einbindung von Ökosystemleistungen und Klimaanpassung in regionalen und kommunalen Entwicklungsplänen wird zurzeit umgesetzt. Die Akteure aus den Regionalen Observatorien für Umwelt und Nachhaltige Entwicklung (OREDD), aus regionale Gebietskörperschaften und Kommunen in den Pilotregionen werden für ihre Funktionen und Aufgaben bei der Klimawandelanpassung gestärkt.

Für den lokalen Öko-Tourismus wurden in der Pilotregion Souss-Massa Nachhaltigkeitsstandards entwickelt, insbesondere für Schutzgebiete sowie den Arganwald und seine Produkte. Bei marokkanischen Öko-Tourismusanbieter wurden Grundlagen für die Zertifizierung geschaffen.

Das Vorhaben trägt zur Verbesserung der regionalen Umweltgovernance bei. Für die OREDD wurde in den Pilotregionen ein Monitoringsystem für Klimaanpassung aufgebaut. Gemeinsam mit den Stakeholdern und mit allen regionalen Akteure wurden Indikatoren erarbeitet und verabschiedet: für die Bereiche Anpassung an den Klimawandel und Management der Biodiversität. Rollen und Beiträge bei der Erhebung und Bereitstellung von Klima- und Biodiversitätsdaten wurden verbindlich festgelegt.

Das Nationale Observatorium für Umwelt und Nachhaltige Entwicklung (Observatoire National de l’Environnement et du Développement Durable, ONEM) hat entschieden, diese Innovation breitenwirksam für alle 16 Regionen (Wilayas) Marokkos anzuwenden, die erhobenen Daten in die Regionalen Umweltinformationssysteme (SIRE) zu integrieren und in kommunale Planungsprozesse einzubringen.

Das Vorhaben hat, gemeinsam mit marokkanischen Partnern aus dem Wissenschafts- und Privatsektor, mit der Entwicklung des rechtlichen und institutionellen Rahmens für Access and Benefit Sharing (ABS) begonnen. Ein erster Entwurf des Gesetzes zur Umsetzung des Nagoya-Protokolls in Marokko wurde erstellt und liegt zur ersten Lesung vor. Darüber hinaus wurde eine Entwicklungspartnerschaft mit einem europäischen Kosmetikkonzern vereinbart: zur Nutzung biologischer Ressourcen Marokkos und der Verwertung für kosmetische Produkte nach dem ABS-Zertifizierungs-Mechanismus.

Mit der der marokkanischen Autobahnbehörde (Autoroute du Maroc), dem Nationalen Institut für Agrarforschung (INRA) und dem Dresdner Ingenieurbüro IPRO wurde ein Kofinanzierungsvertrag geschlossen. Auf Autobahnabschnitten, die von starken Regenfällen und Erosion bedroht sind, sollen Klimaanpassungsmaßnahmen (Erosionsschutz) durchgeführt werden.

Marokko. Bei der Anpassung an den Klimawandel steht der Erhalt von Gewässern, Feuchtgebieten und Wald als Ökosysteme für die Bevölkerung im Vordergrund. © GIZ

Kontakt

Michael Gajo
michael.gajo@giz.de