Jugendbeschäftigungsförderung durch landwirtschaftliche Entwicklung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Jugendbeschäftigungsförderung durch landwirtschaftliche Entwicklung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Sierra Leone
Politischer Träger: Ministry of Labour and Social Security
Gesamtlaufzeit: 2005 bis 2016

Ausgangssituation

In Sierra Leone sind über 60 Prozent der Jugendlichen arbeitslos oder unterbeschäftigt. Diese Perspektivlosigkeit gehörte zu den Hauptursachen des langjährigen Bürgerkriegs und wird von der UNO-Kommission für Friedenskonsolidierung weiterhin als ein großes Risiko für Frieden, Sicherheit und Stabilität in Sierra Leone eingeschätzt.

Jugendbeschäftigung birgt großes wirtschaftliches Potenzial. Rund zwölf Jahre nach dem Ende des bewaffneten Konflikts wird insbesondere im ländlichen Privatsektor das Produktions- und Beschäftigungspotenzial kaum ausgeschöpft. Es fehlt an qualifizierten Fachkräften. Auch die Bildungssituation ist aufgrund der verlorenen Dekade durch den Bürgerkrieg und der ungenügenden staatlichen Mittel nicht ausreichend. Knapp die Hälfte der Bevölkerung Sierra Leones kann nicht lesen und schreiben. Ohne bedarfsgerechte Ausbildung und praktische Berufserfahrung ist der Eintritt in produktive Beschäftigung gerade für Jugendliche besonders schwierig.

Ziel

Die Beschäftigungs- und Einkommenssituation für Jugendliche in ländlichen Gebieten Sierra Leones hat sich verbessert.

Vorgehensweise

In den vergangenen zehn Jahren hat sich mit der Unterstützung des Projektteams bereits viel getan: Junge Familien aus Freetown kehrten in ihre Heimatorte zurück. Es fanden Alphabetisierungskampagnen vor allem für Frauen statt. Distriktverwaltungen haben Entwicklungspläne erstellt. Das Projektteam hat das Arbeitsministerium beraten und Fortbildungen für die Mitarbeiter durchgeführt. Junge Menschen wurden bei der Produktion, Weiterverarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte unterstützt.

Das Projektteam arbeitet in den drei Distrikten Koinadugu im Norden und Kono und Kailahun im Osten des Landes. In jedem der drei Distrikte wählte es zwei traditionelle Verwaltungsbezirke aus, in denen die Armut besonders gravierend und das Beschäftigungspotenzial hoch ist. Auf politischer Ebene unterstützt das Projekt vor allem das Arbeits- und das Landwirtschaftsministerium. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf drei landwirtschaftlichen Produktgruppen: Kaffee und Kakao, Reis, Nutztiere. Mit nationalen und internationalen Partnern will das Projektteam die Landwirtschaft vor Ort weiterentwickeln und so Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Männer und Frauen schaffen.

AFC Agriculture and Finance Consultants ist in den Distrikten Kono und Kailahun verantwortlich für die Wertschöpfungsketten Kakao und Kaffee. Mit den Unternehmen verbessert sie diese Wertschöpfungsketten und schafft Arbeitsplätze für Jugendliche.

Das Vorhaben folgt einem Mehrebenenansatz: Durch das Zusammenspiel von Politikberatung auf nationaler Ebene und die Förderung von staatlichen und privaten Mittlern im Dienstleistungssektor sowie durch die Arbeit auf Zielgruppenebene zur Schaffung von Beschäftigung und Einkommen will es die gewünschten Wirkungen erreichen.

  1. Damit staatliche Institutionen, wie das Ministerium für Arbeit und Soziale Sicherung, das Jugendministerium und das Landwirtschaftsministerium, Strategien zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit erarbeiten und eine effektive Wirtschaftsförderung für Kleinunternehmer auf den Weg bringen können, berät und schult das Projektteam die verantwortlichen Mitarbeiter.
  2. Nationale und lokale staatliche und nichtstaatlich Dienstleister werden für die Arbeit mit den Zielgruppen gefördert und unter Vertrag genommen. Sie arbeiten in den Bereichen gute landwirtschaftliche Praxis, Berufsbildung, Förderung des Kleinunternehmertums.
  3. Die Dienstleister bilden Jugendliche entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten Kaffee, Kakao, Reis und Nutztiere für die Arbeit in den landwirtschaftlichen Betrieben aus. Schulungen machen Bauerngruppen in organisatorischen und fachlichen Belangen fit. Zu Beginn werden sie durch die Bereitstellung von Produktionsmitteln unterstützt.
  4. Für die drei landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten entwickelt das Projektteam mit seinen Partnern Berufsbildungskurse.
  5. Mit etablierten Unternehmen geht das Projekt Entwicklungspartnerschaften ein, sodass öffentliche und private Hand gemeinsam Arbeitsplätze schaffen. Bei Unternehmensgründungen und -entwicklungen erhalten die Betriebe finanzielle und fachliche Unterstützung. Beratung, Training und Ausrüstung für Kleinunternehmer erleichtert es ihnen, den Lebensunterhalt mit ihrem Betrieb zu erwirtschaften, zu expandieren und damit zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen.

Wirkungen

2014 verabschiedete das Kabinett eine neue Nationale Arbeitspolitik. 2015 wurde der Implementierungsplan erstellt. Das Programm unterstützt das Ministerium bei der Umsetzung.

In der Kakaoproduktion erzeugen über 10.000 Bauern höhere Qualitäten, steigerten ihren Absatz und erwirtschaften ein um 30 Prozent höheres Einkommen von 650 Euro pro Jahr. 2014 wurden 6.200 zusätzliche Kakao- und Kaffeebauern registriert, um ihre Flächen zu rehabilitieren und die Kakao- und Kaffeeproduktion anzukurbeln. Die Bauern werden Anbau, Pflege, Verarbeitung, Qualitätsmanagement und Vermarktung unterstützt. In den Kakaoverarbeitungszentren haben 600 Menschen einen Arbeitsplatz gefunden.

In 49 Dörfern organisierten sich 1.000 Jugendliche, um 450 Hektar Sumpfgebiet für die Reisproduktion zu nutzen. Schulungen zu Gruppenbildung, Organisation und guten landwirtschaftlichen Praktiken bereiteten sie auf die Aufgabe vor. Bei der Vorbereitung der Sumpfflächen für den Reisanbau erwirtschafteten 780 Jugendliche ein kurzfristiges Einkommen. Bislang haben die jungen Leute 300 Hektar bearbeitet, die teilweise zwei Ernten pro Jahr erlauben.

1.000 Kleinbauern, überwiegend Frauen, wollen ihre Ziegenproduktion steigern. Mit eigenen Mitteln bauten sie Ziegenställe und pflanzten Futterbäume. Abnehmer für das Vieh kommen aus den umliegenden Dörfern. Um die Gesundheit der Tiere kümmern sich vom Projekt ausgebildete gemeindenahe Tiergesundheitshelfer. Insgesamt werden 300 junge Männer und Frauen diese Ausbildung durchlaufen, 60 haben sie bereits abgeschlossen.

Organisationen aus Sierra Leone unterstützen die zahlreichen Projektaktivitäten. Deren Mitarbeiter nahmen an Fortbildungen zu Produktionsverbesserung, Finanzmanagement, Verwaltung und zum Umgang mit GPS-Systemen teil. Das Wissen geben sie an die Kleinbauern und -bäuerinnen weiter.

Das Projektteam bildete 15 Trainer in Unternehmensführung aus, die Jugendliche fortbilden. Sämtliche Kleinunternehmer aus der Landwirtschaft in den drei Distrikten nehmen an Kursen zur Unternehmensführung teil. Die ersten 50 Teilnehmer haben ihre Kurse bereits begonnen.

Seit 2005 sind 2.500 Jugendliche wieder in ihre Heimatdörfer zurückgekehrt und arbeiten dort in der Landwirtschaft. Das Jahreseinkommen aus der Landwirtschaft ihrer Familien beträgt jetzt rund 800 Euro.