Verbesserung der Grundbildung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Capacity Development im Grundbildungssektor in Kosovo
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kosovo
Politischer Träger: Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Technologie
Gesamtlaufzeit: 2010 bis 2018

Ausgangssituation

Seit der Unabhängigkeitserklärung Kosovos (2008) wird das Bildungswesen umfassend reformiert. Aus unterschiedlichen, sich teils gegenseitig verstärkenden Gründen verzögert sich die Umsetzung jedoch. Der Bildungssektor ist unterfinanziert, das vorhandene Budget wird ineffizient genutzt. Auf allen Ebenen gibt es erhebliche Defizite bei Ressourcen, fachlichen Kompetenzen und Leistungsfähigkeit: Die Bildungsqualität ist sehr schwach.

Die Defizite des Bildungssektors haben vielfältige Ursachen. Im Fokus steht die schwache Unterrichtsqualität. Lehrerinnen und Lehrer sind nicht ausreichend qualifiziert, um Kindern und Jugendlichen praktische, lebensnahe Kompetenzen zu vermitteln. Die Inklusion von Kindern aus benachteiligten Bevölkerungsgruppen ist nicht ausreichend. Der Stellenwert von Bildung für die Entwicklung des Landes wird nicht genügend erkannt: Bildung ist ein Randthema. Die Mängel des Grundbildungssystems haben dramatische Konsequenzen auf allen folgenden Bildungsstufen und bremsen die wirtschaftliche, soziale und poltische Entwicklung des Landes.

Ziel

Die Qualität der Grundbildung ist verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben greift die zentralen Probleme des Grundbildungssystems auf mehreren Ebenen systemisch auf. Die Aktivitäten umfassen vier Bereiche:

  1. Transparenz, Rechenschaftslegung und öffentliche Teilhabe: Daten zum Bildungssystem werden gemäß internationalen Bildungsindikatoren ausgewertet und jährlich in offiziellen Bildungsberichten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Um die Bildungsqualität zu verbessern, wird die Arbeit von zentralen Beteiligten, wie dem Bildungsministerium und dem parlamentarischen Bildungsausschuss, unterstützt.
  2. Bildungsmanagement: Schulleitungen nehmen an Managementfortbildungen teil. Eltern und Schüler erhalten mehr Mitsprachemöglichkeiten, die Kinder und Jugendlichen werden auf ihre Mitarbeit in den Schülerräten vorbereitet. Schulnetzwerke stärken als Lerngemeinschaften den Erfahrungsaustausch zwischen Lehrkräften und das gegenseitige Lernen. Ein integriertes Planungssystem unterstützt die abgestimmte Aktivitäten- und Budgetplanung sowie die Kommunikation zwischen Schule, Gemeinde und der ministeriellen Ebenen.
  3. Verbesserung der Unterrichtsqualität: Zusammen mit privaten Anbietern und Universitäten entwickelt das Programm berufsbegleitende Fortbildungsangebote für Lehrkräfte in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften. Um eine angemessene, vergleichbare Rückmeldung über den Leistungsstand des Bildungssektors zu geben, werden nationale und internationale Lernfortschrittsmessungen verstärkt durchgeführt: Kosovo hat 2015 erstmals an PISA teilgenommen und die Ergebnisse in einem umfassenden Bericht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
  4. Stärkung der Inklusion, vor allem von ethnischen Minderheiten und Rückkehrenden: Durch non-formale Zusatzangebote wird Kindern von Rückkehrenden oder von Angehörigen ethnischer Minderheiten, vor allem Roma, Ashkali und Balkan-Ägypter, der Eingang in das formale Schulsystem erleichtert. Durch die Beteiligung von Lehrern, Eltern und Gemeinde wird der soziale Zusammenhalt in den aufnehmenden Gemeinden gestärkt. Kinder, die viel Unterricht versäumt haben, sollen durch Zusatzunterricht wieder Anschluss finden. Das Vorhaben kooperiert dazu eng mit zivilgesellschaftlichen Organisationen. Der Internationale Bund e.V. unterstützt das Vorhaben fachlich.

Wirkungen

Etwa 350 Schulleiterinnen und Schulleiter haben Managementtrainings absolviert, was die Planungsprozesse in den Schulen verbessert hat. 143 von 148 Pilotschulen haben Schulentwicklungspläne verabschiedet, die definierten Mindestkriterien entsprechen.

Mehr als 1.000 Lehrkräfte haben an verschiedenen Trainingsmodulen in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften teilgenommen, die meisten mehrfach. Systematische Unterrichtsbeobachtung belegt, dass sie die neuen Kenntnisse und Methoden zu 70 Prozent im Unterricht anwenden können.

13 Lerngemeinschaften mit insgesamt 63 Schulen profitieren von intensivem Austausch und funktionierenden Gremien. Der Nationale Bericht PISA 2015 wurde in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Experten entwickelt. Die vom Vorhaben unterstützte Bildungsstrategie für die Jahre 2017-2021 setzt nationale Ziele und Strategien für den Bildungssektor um und bündelt Diskussionen und Engagement aller Beteiligten.

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