HIV-/AIDS-Beratung und Institutionenförderung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: HIV/AIDS-Beratung und Institutionenförderung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ukraine
Politischer Träger: Ministerium für Gesundheit
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2018

Ukraine. Volunteer distributing information materials and answering questions during All-Ukrainian social event “Don’t Give AIDS a Chance!” 2014. © GIZ

Ausgangssituation

Die Ausbreitung des humanen Immundefizienzvirus (HIV) ist eine ernste Gefahr für die Ukraine. Das Land ist von einer der am stärksten wachsenden Epidemien in Europa betroffen; mehr als 220.000 Menschen leben mit dem HIV, das sind 0,9 Prozent der Menschen zwischen 15 und 49 Jahren. Offizielle Statistiken gehen davon aus, dass jeden Tag 57 neue HIV-Diagnosen gestellt werden, 27 Menschen an AIDS erkranken und 20 wegen AIDS sterben. Dabei wird vermutet, dass die Dunkelziffer wesentlich größer ist.

Die Zahlen der letzten Jahre zeigen, dass der Anteil der Neuinfektionen in der Bevölkerungsgruppe der über 30-jährigen zunimmt, der Anteil der jungen Menschen, die sich neu mit dem Virus infizieren, hingegen erfreulicherweise abnimmt. Insgesamt ist die Zahl der Neuinfektionen, sowohl durch ungeschützten Geschlechtsverkehr als auch durch gemeinsame Nutzung von Nadeln beim Drogenkonsum, weiterhin hoch. Menschen, die das Ansteckungsrisiko nicht adäquat einschätzen können, sind gefährdet.

Ziel

Menschen in der gesamten Ukraine sind besser über die Gefahren von HIV informiert und können sich besser schützen. Die Toleranz gegenüber Menschen, die mit dem HIV leben, hat sich in der Gesellschaft erhöht.

Ukraine. „Fair Play“ Project trainer with children. © GIZ

Vorgehensweise

Seit 2007 besteht die Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Gesundheitsministerium, 2009 wurde die „Don´t Give AIDS a Chance“-Kampagne ukraineweit ins Leben gerufen. Sie orientiert sich an der „Gib AIDS keine Chance“-Kampagne der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die ukrainische Kampagne umfasst folgende Maßnahmen:

  • Massenmedien. Über Wandplakate, Informationsmaterial, Veranstaltungen und Fernsehen wird die Allgemeinbevölkerung über die HIV Epidemie informiert und für risikominderndes Verhalten geworben. Dazu gehört auch, dass die Risikogruppen weniger stigmatisiert und diskriminiert werden.
  • Kommunikation mit Jugendlichen. Über das „Fair Play“ Fußballprogramm und den Peer-to-Peer-Ansatz des „Mitmach-Parcours“ werden Jugendliche für eine gesunde Lebensführung und zur HIV Prävention begeistert. Das Vorhaben bildet Lehrer und Freiwillige aus, die als Trainer die Methoden in Schulen oder bei außerschulischen Veranstaltungen anwenden. Diese Trainer werden auch mit dem nötigen Material wie Lehrbücher, Fußbälle, und Stellwände versorgt. Die Methoden werden über das Bildungsministerium in den normalen Unterricht oder Freizeitaktivitäten eingebettet. Außerdem nutzen andere Organisationen, wie der ukrainische Fußballverband oder Volontäre der Vereinten Nationen, das vom Vorhaben entwickelte Angebot.
  • Sensibilisierung von Akteuren, die die Gesellschaft verändern. Personen oder Gruppen, die in der Lage sind, die Gesellschaft beim Thema HIV-Prävention zu beeinflussen, werden gezielt über Seminare und sonstige Veranstaltungen angesprochen. Beispiele sind Hausärzte, Lehrkräfte in Schulen und Universitäten, Prominente oder Journalisten. Auch private Firmen und öffentliche Transportunternehmen, die ihr soziales Engagement zur Bekämpfung von HIV nutzen wollen, werden unterstützt. Eine kleine, aber wichtige Gruppe sind Eltern von Homosexuellen, da Ihre Kinder häufig von HIV betroffen sind und stark stigmatisiert und diskriminiert werden.
Ukraine. Interaktiver Workshop mit dem Mitmach-Parcours "Маршрут Безпеки", mit dem Wissen über HIV/AIDS Kindern und Jugendlichen spielerisch vermittelt werden kann. © GIZ

Wirkungen

Die ‘Don’t Give AIDS a Chance!’-Kampagne hat Millionen Ukrainer erreicht, sowohl durch die Massenmedien als auch durch zahlreiche kommunikative Maßnahmen. Um die Wirkung zu messen, wird jährlich eine empirische Studie zu Wissen und Einstellungen der Gesamtbevölkerung der Ukraine zu HIV/AIDS durchgeführt. Die Ergebnisse der Studie vom Herbst 2015 zeigen, dass die Menschen zunehmend mehr über HIV und mögliche Schutzmaßnahmen wissen. Sie haben ihre Einstellung hinsichtlich der eigenen Risikominderung und gegenüber Menschen, die mit dem HIV leben, geändert und nutzen andere Verhütungspraktiken.