Energising Development (EnDev) Kenia

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Energising Development (EnDev) Kenia
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ); Generaldirektion für internationale Zusammenarbeit des niederländischen Außenministeriums (DGIS); Norwegisches Außenministerium (MFA); Australisches Außen- und Handelsministerium (AusAID); Britisches Ministerium für internationale Entwicklung (UKaid); Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Land: Kenia
Politischer Träger: Ministerium für Energie und Erdöl, Kenia
Gesamtlaufzeit: 2006 bis 2019

Energising Develeopment (EnDev) Kenia. Kochen auf einem festen „Jiko-Kisasa“. © GIZ

Ausgangssituation

Das kenianische Stromnetz gehört zu den modernsten in Subsahara-Afrika. Zahlreiche Reformen, die die kenianische Regierung in den letzten 15 Jahren auf den Weg gebracht hat, haben Wettbewerb und Effizienz beträchtlich gestärkt. So wuchs die Gesamtleistung des Landes zwischen 2011 und 2016 um etwa 50 Prozent, von 1.539 auf 2.341 Megawatt. Im gleichen Zeitraum verdoppelte sich die Zahl der Haushalte mit Stromanschluss von 26  auf über 50 Prozent, das heißt von mehr als 2.300 (2011) auf fast 5.000 Haushalte (2016). In ländlichen Regionen stieg die Stromversorgungsquote auf 32 Prozent, vor allem durch Stromanschlüsse in öffentlichen Einrichtungen und den umliegenden Haushalten.

Trotz dieser Erfolge müssen noch etliche Herausforderungen bewältigt werden – hierzu zählt die eingeschränkte Stromversorgung in abgelegenen Gebieten, vor allem im dünn besiedelten Norden, wo weniger als 6 Prozent der Haushalte an das nationale Stromnetz angeschlossen sind. Stromausfälle kommen weiterhin häufig vor, verursacht durch ein unzureichend ausgebautes Netz und mangelhafte Stromverteilungstechnik.

Als Energiequelle wird in Kenia vor allem Biomasse genutzt. Rund 68 Prozent des Energiebedarfs werden durch Biomasse gedeckt, etwa 90 Prozent der ländlichen Haushalte nutzen sie zum Kochen und Heizen. Die Biomasse wird ineffizient verbrannt – mit negativen Folgen für die Umwelt wie Bodendegradierung und Abholzung. Das Kochen an traditionellen Feuerstellen verursacht durch extreme Rauchbelastung zudem erhebliche Gesundheitsprobleme, vor allem Atemwegserkrankungen.

Da Kenia über zahlreiche erneuerbare Energien verfügt, hat das Land das Potenzial, durch entsprechende Technologien einen großen Schritt nach vorne zu machen. Die Regierung ist bestrebt, Stromerzeugung und Energieversorgung zu verbessern. Da die Privatwirtschaft hierbei eine zentrale Rolle spielen soll, eröffnen sich für Unternehmen aus der Erneuerbare-Energien-Branche zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten – auch für Unternehmen aus Deutschland.

Ziel

Der nachhaltige Zugang zu modernen Energiedienstleistungen für Haushalte, soziale Einrichtungen und kleine und mittlere Unternehmen ist verbessert.

Vorgehensweise

Das Programm Energising Development (EnDev) ist eine Energiepartnerschaft, die zurzeit von sechs Gebern finanziert wird. Neben dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sind das: Generaldirektion für internationale Zusammenarbeit des niederländischen Außenministeriums (DGIS), Norwegisches Außenministerium (MFA), Britisches Ministerium für internationale Entwicklung (DFID), Schweizerische Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), und die Schwedische Behörde für internationale Entwicklungszusammenarbeit (SIDA).. EnDev fördert den nachhaltigen Zugang zu modernen Energiedienstleistungen für Haushalte, soziale Einrichtungen sowie kleine und mittelständische Unternehmen in 25 Entwicklungsländern in Afrika, Asien und Lateinamerika. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH wurde als weltweiter Dienstleister für internationale Zusammenarbeit und nachhaltige Entwicklung mit der Umsetzung des Programms beauftragt. Bei der weltweiten Programmkoordinierung arbeitet die GIZ eng mit der niederländischen RVO Rijksdienst voor Ondernemend Nederland zusammen.

EnDev Kenia begann 2006 mit der Förderung energiesparender Kochherde. Ursprünglich war EnDev Kenia Bestandteil eines umfangreicheren Programms zur Privatsektorförderung in der Landwirtschaft. 2012 wurde daraus ein eigenständiges Vorhaben, das zusammen mit dem Ministerium für Energie und Erdöl umgesetzt wird. Ebenfalls 2013 wurde, in Zusammenarbeit mit der niederländischen SNV Netherlands Development Organisation, eine Komponente zur Förderung kleiner Solarsysteme integriert.

EnDev Kenia konzentriert sich vor allem auf energieeffiziente Kochherde und Solarsysteme. Hierbei wird aber der vom britischen Department for international Development (DFID) entwickelte Ansatz verfolgt, der Zahlungen und Leistungen mit der Erreichung von Ergebnissen und Wirkungen verknüpft: Results-Based Financing (RBF). Der Ansatz umfasst drei RBF-Projekte für kleine, solare Beleuchtungssysteme, höherwertige Kochherde und für Solar-Hybrid-Dorfstromanlagen. EnDev Kenia hat das Ziel, die Privatwirtschaft bei der Entwicklung eines lebendigen, nachhaltigen Markts für moderne Energiedienstleistungen „auf der letzten Meile“ zu unterstützen, vor allem in ländlichen Gebieten. Das Projekt konzentriert sich auf unterschiedliche Technologien – vom Einstiegsniveau bis zu komplexeren Lösungen für unterschiedliche Marktnischen. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Marktüberleitung und darauf, Menschen zu befähigen, auf der „Energieleiter“ aufzusteigen. EnDev Kenia setzt durch die Beteiligung weiterer Akteure auf ein ergänzendes, partizipatives Vorgehen als Beitrag zur Entwicklung des Sektors. Dazu gehört es, die Regierungen dezentraler Gebiete zu befähigen, die Agenda für den Zugang zu Energie vor Ort voranzutreiben.

Kochherde: Die Komponente unterstützt den Zugang und den Einsatz verschiedener saubererer Kochtechnologien, von handwerklich bis zu industriell gefertigten energieeffizienten Biomasse-Kochherden. Die Öfen werden hauptsächlich in ländlichen und in stadtnahen Gebieten genutzt, in denen überwiegend Brennholz und Holzkohle verwendet werden. Dass die Herde leicht erhältlich und bezahlbar sind, ist integraler Bestandteil des Projekts. Der Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau eines Händlernetzes und der Befähigung der Ofenhändler (Handwerker und Vermarkter), die Öfen in ländlichen Gebieten anzubieten. Die Händler sind auch ein zentraler Faktor bei der Sensibilisierung und Aufklärung der Verbraucher. Dank eines umfangreichen Angebots bei Brennstoff und Preis können die Verbraucher sich, je nach Vorliebe und Budget, für ein Modell entscheiden.

Solarsysteme: Die Komponente konzentriert sich auf die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. Die Händler von Solarsystemen sollen die Vertriebsgrenze „letzte Meile“ überwinden und geeignete Vertriebskanäle finden. Die Schulung und Sensibilisierung der Verbraucher im Umgang mit den Systemen spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Letztendlich wird so der Einsatz qualitativ hochwertiger Plug&Play-Solarheimsysteme möglich, die für Beleuchtung und grundlegende Energieleistungen sorgen. Die Technologien reichen von kostengünstigen Einstiegssystemen bis zu teureren, multifunktionalen Solarheimsystemen nach dem Prinzip Pay-As-You-Go (PAYG). Der eigentliche Schwerpunkt des Projekts beruht jedoch darauf, Endverbrauchern die Nutzung von Solarprodukten und -systemen zu ermöglichen und einen Solar-Kundenservice in ländlichen Gebieten aufzubauen.

RBF-Initiative (ergebnisorientierte Finanzierung): Die in der zweiten Hälfte 2014 gestartete RBF-Initiative besteht aus drei Projekten: solare Beleuchtungssysteme (Umsetzung: GIZ durch EnDev Kenia), Solar-Hybrid-Dorfstromanlagen (Umsetzung: GIZ durch ProSolar) und energieeffiziente Kochherde (Umsetzung: SNV).

  1. RBF-Solarprojekt: Die RBF-Initiative bietet Anreize für Finanzierungsinstitutionen und Vertreiber von Solarstromlösungen in ländlichen Gebieten. Das Angebot an kleinen Solarsystemen mit einer günstigen und flexiblen Finanzierung, zum Beispiel erschwingliche Darlehen oder PAYG-Modelle, wird dadurch ausgebaut .
  2. RBF-Herdprojekt: Durch dieses Projekt erhalten Mikrofinanzierungsinstitute Anreize, um flexible Finanzierungslösungen für höherwertige, jedoch kostengünstige Kochherde zu entwickeln und verstärkt einzusetzen.
  3. RBF-Projekt Solar-Hybrid-Inselnetz: Dieses RBF-Projekt bietet der Privatwirtschaft Anreize, Investitionen in die Stromerzeugung zu senken und netzferne Gebiete mit Solar-Hybrid-Dorfstromanlagen zu versorgen, vor allem im Norden Kenias.
Energising Develeopment (EnDev) Kenia. Solarbetriebene Lampe.  © GIZ

Wirkung

Bis Ende 2016 erhielten über fünf Millionen Menschen Zugang zu energiesparenden Kochherden. Etwa 213.000 Menschen konnten dank kleinerer Solarsysteme mit Strom versorgt werden. Jeder Herd spart jährlich etwa 0.7 Tonnen Brennholz ein. Durch diese Investition werden die CO2-Emissionen um 685.000 Tonnen pro Jahr verringert und über 650.000Tonnen Brennholz gespart. Dies entspricht rund 35.000 Hektar Wald. Außerdem wurden durch die Maßnahme Beschäftigung und Einkommen für etwa 1.000 Menschen geschaffen. Durch den Einsatz kleinerer Solarsysteme können jedes Jahr Kerosin und energiebezogene Dienstleistungen, zum Beispiel das Aufladen von Mobiltelefonen, im Wert von 400.000 Euro eingespart werden.